Donnerstag , 20. September 2018
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Noch kann die Zollstraße aus beiden Richtungen befahren werden. In Zukunft soll die Straße zur Einbahnstraße werden.

In Zukunft soll Tempo 20 gelten

Bleckede. Der Verkehr rollt nur noch mit 20 Stundenkilometern durch die Stadt, vor den Restaurants sitzen die Gäste, Touristen trinken Kaffee, während sie ihre E-Bikes an einer der zahlreichen Stationen aufladen. Noch ist das eine Vision, doch mithilfe der Städtebauförderung wollen die Bleckeder sie wahr machen. Festgehalten haben sie ihre Pläne für die Umgestaltung der historischen Innenstadt in einem 45-seitigen Rahmenplan, der jetzt zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde und in den kommenden Monaten von der Politik beschlossen werden soll.

Vor drei Jahren, am 28. Mai 2015, ist die Stadt Bleckede offiziell in das Städebauförderprogramm aufgenommen worden. Seitdem haben Privatleute ebenso wie die Stadt selbst die Möglichkeit, für Baumaßnahmen an Gebäuden im historischen Stadtkern eine Förderung zu beantragen. „Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit den Bürgern in einem Rahmenplan zusammengetragen, was sich sonst noch in der Innenstadt verändern soll“, sagt Bürgermeister Jens Böther. Eine Art „roter Faden“ für die Zukunft. Hauptziel dabei: „Wir wollen die Aufenthaltsqualität in der Stadt weiter erhöhen, Einzelhandel und Gastronomie stärken.“

Vier große Veränderungen in den nächsten Jahren

Was geplant ist, bedeutet allerdings keine Revolution. „Wir haben eine gute Ausgangslage“, betont Böther, „und wir wollen nicht plötzlich alles anders machen oder wegreißen.“ Im Wesentlichen geht es um vier größere Veränderungen, die in den kommenden Jahren nach und nach realisiert werden sollen.

  • Umgestaltung der Zollstraße. Bisher ist die Straße in beiden Richtungen befahrbar, in Zukunft soll sie zur Einbahnstraße werden. Und zwar von der Breiten Straße in Richtung Zollstraße. Zusätzlich sollen Parkplätze geschaffen, die Straße durch Möblierung und Beleuchtung aufgewertet werden.
  • Umwidmung der Breiten Straße. Noch ist die Haupteinkaufsstraße der Stadt eine Landesstraße, „damit sind uns als Stadt bei der Gestaltung die Hände gebunden“, sagt Böther. Nach einer Umwidmung zur Gemeindestraße, „haben wir deutlich mehr Möglichkeiten“. Genau wie in der Zollstraße soll dann Tempo 20 gelten, ein seit langem geforderten Fußgängerüberweg geschaffen werden. Barrierefreiheit soll hergestellt, die Bürgersteige zum Teil erweitert werden. „So ergeben sich dann auch für die Gastronomie mehr Möglichkeiten zur Außenbestuhlung“, sagt Böther.
  • Gestaltung eines multifunktionalen Marktplatzes. Schon jetzt hat die Ecke Breite Straße/Schloßstraße an der Apotheke einen platzartigen Charakter. Der soll unter anderem mit zusätzlichen Aufenthaltsmöglichkeiten und einer ebenerdigen Gestaltung noch ausgebaut werden. Geplant ist zudem ein Platz für ein Stadtmodell.
  • Umgestaltung der Schloßstraße. Von der Innenstadt führt die Straße hoch zum Schloss vorbei an der Kirche und etlichen historischen Gebäuden. „Doch die aktuelle Straßengestaltung lädt nicht unbedingt dazu ein, dieses wunderbare Ambiente auch zu genießen“, sagt Verwaltungschef Böther. In Zukunft soll auch die Straße verkehrsberuhigt werden, „es sollen Sitzmöglichkeiten und unterschiedliche Funktionsbereiche geschaffen, die Aufenthaltsqualität deutlich erhöht werden“.

Es gibt eine Reihe weiterer Maßnahmen im Rahmenplan, wie die Ausweitung der Beleuchtung mit den „Alt-Berlin-Lampen“, die Neuordnung der Parkplätze oder der Beschilderung. „Dabei gilt wie bei den großen Maßnahmen: die Detailplanung kommt noch“, sagt Böther. Auch eine erste Kostenschätzung für die einzelnen Projekte wird von dem zuständigen Fachbüro aktuell noch erarbeitet: „Die ist dann entscheidend für das weitere Vorgehen, denn gegebenenfalls werden wir uns darum bemühen, die Städtebauförderung zu verlängern und das Budget noch aufzustocken.“
Noch ist der Rahmenplan nur eine Vision, doch Rathauschef Böther ist fest entschlossen, die sich nun bietende Gelegenheit zu nutzen und diese Vision Realität werden zu lassen. „Das ist für die Stadt eine großartige Chance, noch schöner zu werden“, ist der Bürgermeister überzeugt.

40 Projekte sind aktuell geplant

Finanziert wird die Städtebauförderung jeweils zu einem Drittel von Bund, Land und Stadt Bleckede. Die größte geplante öffentliche Maßnahme, die aus dem Topf finanziert wird, ist die Sanierung des Nordflügels des Schlosses. Doch auch etliche Privatleute nutzen die Chance. Bisher sind acht geförderte Maßnahmen bereits umgesetzt, 40 sind geplant, davon 17 bisher vertraglich vereinbart worden. Privat investiert werden dabei aktuell knapp 1,6 Millionen Euro, hierbei fließen Zuschüsse aus der Städebauförderung von insgesamt 540 000 Euro.

Von Anna Sprockhoff