Mittwoch , 26. September 2018
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Gehölzarbeiten bei Laßrönne sind der Auftakt für das Projekt im Deichvorland der Elbe. Dort entstehen Priele, die dem bedrohten Schierlings-Wasserfenchel Lebensraum bieten. Foto: bohlmann

Neue Priele als Biotop

Drage/Laßrönne. Drei Priele werden im Bereich der Tidedeiche des Artlenburger Deichverbands (ADV) angelegt. Die jeweils rund 200 Meter langen Gewässer im Vorlan d entstehen im Osten und Westen des Laßrönner Ortsteils Haue sowie westlich von Drage in der Samtgemeinde Elbmarsch. „Die Priele sind eine Auflage des Naturschutzes. Wir müssen sie anlegen als Ausgleich- und Ersatzmaßnahme für die Instandsetzung der Uferbefestigungen an der Elbe zwischen Over und Rönne, die durch die Schifffahrt beschädigt wurden, und die Deichsicherheit gefährden“, berichtet ADV-Geschäftsführer Ansgar Dettmer.

Vorarbeiten haben bereits im Februar begonnen

Steine und Spundwände verstärken streckenweise die Ufer und sorgen dafür, dass der Deich dort nicht abrutschen kann. „Die Ufersanierung auf 3,2 Kilometer Länge ist für den Hochwasserschutz nötig.“ Deshalb ist der ADV, zusammen mit den Nachbarverbänden Deich- und Wasserverband Vogtei Neuland und dem Harburger Deichverband, Maßnahmen-Träger für die Reparatur und den Prielbau. Geplant und fachlich begleitet wird beides jedoch vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Lüneburg.

Die Vorarbeiten haben bereits im Februar begonnen. Im Bereich Haue wurden rund 20 Pappeln und Weiden an der Elbe gefällt sowie Buschwerk entfernt. „Bei mehr als der Hälfte der Bäume handelte es sich um Bruchschäden infolge der jüngsten Stürme. Mehrere umgestürzte Bäume hingen in den Kronen der verbliebenen Bäume und Sträucher“, sagt Dettmer. Die Gehölzarbeiten hatte das Land kurzfristig genehmigt, damit sie noch vor Beginn der Brut- und Setzzeit am 1. März durchgeführt werden konnten. Rund die Hälfte der Bäume auf den Flächen in Haue, die für die Priele benötigt werden, bleibt jedoch erhalten.

Fische profitieren von den neuen Rinnsalen im Deichvorland

Das Deichvorland wird aus ökologischer Sicht durch die Priele aufgewertet. Gewinner sind Artenschutz und Artenvielfalt. „Mit den Prielen, in die von zwei Seiten Elbwasser fließen kann, schaffen wir ein Biotop für den vom Aussterben bedrohten Schierlings-Wasserfenchel.“ Weltweit einzigartig wächst der Schierlings-Wasserfenchel nur noch vom Hamburger Holzhafen bis etwa zur Staustufe Geesthacht, genau im Tidebereich der Elbe im Gebiet der drei Maßnahmenträger. „Deshalb ist es sinnvoll, die Priele in diesem Bereich anzulegen“, erläutert der ADV-Geschäftsführer. Doch auch Fische profitieren von den neuen Rinnsalen im Deichvorland, weil sie ihnen womöglich zusätzliche Laichplätze bieten.

Die Planungen für den Bau der Priele laufen seit 2011. Alle drei sind befestigt. Klei und Kunststoffgeogitter, durch das Pflanzen wachsen können, stabilisieren sie in Richtung Deiche. Zur Elbe hin sind sie offener gestaltet. „Wichtig für uns ist vor allem, dass die Priele durch diese technischen Vorkehrungen die Deichsicherheit nicht beeinträchtigen“, sagt ADV-Geschäftsführer Dettmer.

Von Stefan Bohlmann