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Kommende Woche will die Polizei das ehemalige Haus Kurt-Werner Wichmanns sowie das Grundstück erneut absuchen. Die Hoffnung es finden sich Hinweise auf Verbrechen. (Foto: ca)

Welche Geheimnisse verbirgt das Haus?

Lüneburg. Die Polizei nimmt das Grundstück des mutmaßlichen Serienmörders Kurt-Werner Wichmann erneut in den Blick. Anwohner haben jüngst eine Drohne aufsteigen sehen, die offenbar Luftaufnahmen des Areals anfertigte. Kommende Woche will sich die Ermittlungsgruppe Göhrde Haus und Umfeld offenbar noch einmal genau anschauen. Die Stadt hat entsprechende Schilder aufgestellt, die von kommenden Mittwoch an ein Parkverbot aussprechen.

Das Haus am Stadtrand spielt eine zentrale Rolle in den Mord-Ermittlungen rund um Wichmann. Er soll 1989 eine Unternehmergattin sowie zwei Paare in der Göhrde getötet haben. Im vergangenen Herbst wurde in dem Haus die Leiche Birgit Meiers gefunden. Sie war 1989 verschwunden. Ihre Familie hatte schnell ein Verbrechen vermutet. Staatsanwaltschaft und Polizei ermittelten zögerlich, es dauerte 28 Jahre, bis der Fall geklärt wurde – maßgeblich durch den Bruder Birgit Meiers, den ehemaligen Chef des Hamburger Landeskriminalamts Wolfgang Sielaff. Gemeinsam mit Forensikern fand er das Skelett der Toten im Betonboden einer Garage.

Wichmann geriet schon in den 90er-Jahren in den Fokus der Kripo, flüchtete damals in die Schweiz. Auf dem Rückweg hatte er nahe Heilbronn einen Unfall, die Polizei fand Teile einer Maschinenpistole in seinem Auto. Er kam in U-Haft, wo er sich 1993 das Leben nahm. Zuvor hatte er Abschiedsbriefe hinterlassen mit Andeutungen auf sein Haus, das die Familie besonders pflegen und beschützen sollte.

So hatte es dort ein „geheimes Zimmer“ gegeben, in das nur wenige Menschen hineindurften. Dort wurden zum Beispiel Videokassetten der Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ gefunden, sie zeigen Beiträge zu Birgit Meier und den Göhrde-Morden. Dazu zig Zeitungsausschnitte auch zu anderen Kriminalfällen.

Die Polizei hatte das Grundstück bereits 1993 untersucht. Damals gruben Beamten einen Ford Probe aus. Ein Leichenspürhund schlug an, man fand Anhaftungen, bei denen es sich um Blut gehandelt haben könnte. Vor einem Vierteljahrhundert hieß es: Versicherungsbetrug. Doch das ergibt wenig Sinn, da Wichmann das Auto geleast und somit vom Verschwinden keinen finanziellen Vorteil hatte.

Auch aktuell nahmen Polizisten das Grundstück unter die Lupe. Die Ermittlungsgruppe Iterum, die Polizeipräsident Robert Kruse in Sachen Birgit Meier eingesetzt hatte, fand trotz Suche mit Leichenspürhunden nichts. Das gelang Sielaff und seinem Helferkreis. Die Überreste der Frau lagen unter der Mechaniker-Grube der Garage. Die Polizei suchte erneut.

Die Ermittlungsgruppe Göhrde um Hauptkommissar Jürgen Schubbert geht davon aus, dass Wichmann auch für die Göhrde-Morde infrage kommt. Im Sommer 1989 waren kurz nacheinander zwei Paare ermordet in den Wäldern entdeckt worden. Erst im vergangenen Jahr hatten DNA-Analysen eine schlüssige Verbindung zu Wichmann belegt: In einem Auto der Opfer hatte die Polizei Anhaftungen gesichert, moderne Technik ergab einen Treffer. Inzwischen wurde eine weitere DNA-Spur Wichmanns im Fahrzeug entdeckt.

Die Ermittler sind sich relativ sicher, dass Wichmann nicht allein gehandelt hat. Es gibt Hinweise darauf, dass Wichmann Birgit Meier mit Hilfe eines Komplizen aus deren Haus in Brietlingen-Moorburg entführt hat. Auch in der Göhrde muss er an den abgelegenen Tatort gelangt sein, dort dürfte ihn jemand gebracht haben. Denn nach den Taten ist der Mörder jeweils tagelang mit den Autos der Opfer umhergefahren. Die Autos wurden später in Winsen beziehungsweise Bad Bevensen gefunden.

Nun also eine erneute Suche in Wichmanns altem Haus, in dem längst andere Menschen leben. Sie haben den Maßnahmen zugestimmt. Eine Frau sagt: „Es ist gut, wenn es dann vielleicht Gewissheit gibt.“

Von Carlo Eggeling