Aktuell
Home | Lokales | Mieter fühlen sich alleingelassen
Rund 600 Wohnungen gibt es Am Weißen Turm. Die Polizei und die Stadt wollen das Viertel für die Bewohner sicherer machen, das fängt bei der Beleuchtung an und hört beim Rückschnitt von Büschen nicht auf. Foto: t&w

Mieter fühlen sich alleingelassen

Lüneburg. In anderen Fällen würde man sich so einen Betreuungsschlüssel wünschen: Acht Bewohner des Viertels Am Weißen Turm saßen sechs Vertretern von Polizei, Kriminalpräventionsrat und der Stadt gegenüber. Thema einer Informationsveranstaltung am Montagabend war die Sicherheit im Karree zwischen Bögelstraße, Am Weißen Turm und Hinter der Saline mit rund 600 Wohnungen.

Die Nachbarn umrissen mehrere Probleme: respektloses Verhalten, Abfall und entsorgte Möbel, Schmierereien. Vor allem aber mangelt es aus Sicht der Betroffenen an Ansprechpartnern, die sich um Probleme kümmern: Es gebe mehrere Hausverwaltungen, die aber schleppend oder gar nicht auf Wünsche und Kritik der Bewohner reagieren würden. Das deckt sich mit den Erfahrungen von Quartiersmanagerin Nadine Fischer, die seit November 2016 im Amt ist: „Mir geht es ähnlich wie den Mietern.“

Kriminalität hat von 2016 auf 2017 um ein Drittel abgenommen

Die Polizei hat das Viertel und das Mittelfeld gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik innerhalb des Bundesprogramms „transit“ – das steht für Transdisziplinäre Sicherheitsstrategien für Polizei, Wohnungsunternehmen und Kommunen – in den Blick genommen. Ziel ist es unter anderem, Orte, die Bürger als unangenehm und gefährlich wahrnehmen, quasi zu entschärfen. Ein Beispiel: Wird ein Bereich als düster wahrgenommen, könnten der Bewuchs von Büschen zurückgeschnitten und zusätzliche Laternen aufgestellt werden.

Die in Lüneburg für Prävention zuständige Hauptkommissarin Eleonore Tatge und der Kontaktbeamte Thomas Fischer berichteten, dass die Kriminalität von 2016 auf 2017 um ein Drittel abgenommen habe. Fischer macht das an Graffiti fest: Ein Haus sei besonders gebeutelt gewesen: „Seitdem da Kameras hängen, ist es vorbei.“

Polizei rät dazu, sich einzumischen

Die Polizisten appellierten, dass Anwohner sich einmischen sollten, wenn zum Beispiel Kinder und Jugendliche über die Stränge schlügen. Das fruchte in der Regel. Mieterinnen schilderten es anders: Sie seien angepöbelt worden, auch von Müttern. Eleonore Tage versuchte zu beruhigen und erwiderte: „Wir beobachten, dass Drohungen nicht in die Tat umgesetzt werden.“

Es ging auch um feiernde Nachbarn, die keinerlei Rücksicht nähmen, da wusste allerdings ein Mann aus dem Publikum, dass es sich um eine Wohngemeinschaft von zwei jungen Männern gehandelt habe: „Seitdem einer ausgezogen ist, ist Ruhe.“

Weitere Veranstaltungen für Anwohner

Nadine Fischer möchte weitere Veranstaltungen für Anwohner anbieten, um Anregungen zu sammeln. Dabei wünscht sie sich mehr Entgegenkommen und Interesse der Eigentümer. Ein Mieter nannte einen Grund für die Schwierigkeiten: Neben zwei großen Gesellschaften gebe es rund 90 Besitzer von Eigentumswohnungen, die nicht im Viertel lebten und die sich deshalb vermutlich nicht so intensiv kümmerten.

Die Quartiersmanagerin ist telefonisch zu erreichen unter (04131) 4006832.

Von Carlo Eggeling