Mittwoch , 26. September 2018
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Jäger nehmen die Jagdsteuer ins Visier, wollen sie am liebsten auch im Landkreis Lüneburg abschaffen. Foto: phs

Letztes Halali für die Jagdsteuer

Lüneburg. Im Landkreis Harburg ist sie bereits Geschichte, im Emsland und im Landkreis Osnabrück ebenso. Und geht es nach Christian Voigt, dann wird auch im Lan dkreis Lüneburg schon bald zum letzten Halali für die Jagdsteuer geblasen. „Die Jagdsteuer muss weg“, fordert nämlich der Vorsitzende der Jägerschaft des Landkreises Lüneburg unmissverständlich – „sie ist nicht mehr zeitgemäß.“

Bestärkt fühlt sich Voigt durch die aktuelle Entwicklung im Nachbarkreis Uelzen. Denn dort ist man schon einen Schritt weiter. „Der Kreisausschuss des Landkreises Uelzen hat die Abschaffung der Jagdsteuer zum 1. April nächsten Jahres bereits beschlossen“, weiß der Vorsitzende der Lüneburger Jägerschaft. Die endgültige Entscheidung über die Abschaffung der Jagdsteuer muss allerdings noch der Uelzener Kreistag in seiner Sitzung am 17. April bestätigen.

Wild galt im 18. Jahrhundert noch als Luxusgut

Den Antrag auf Abschaffung der Jagdsteuer kommt auch im Nachbarkreis aus den Reihen der Jägerschaft. „Die Frage ist nicht, warum wir die Jagdsteuer abschaffen wollen, sondern warum es sie überhaupt noch gibt“, begründete der Vorsitzende der Uelzener Kreisjägerschaft, Nikolaus Walther seinen Vorstoß. Und Christian Voigt ergänzt: „Ihren Ursprung hat die Jagdsteuer im 18. Jahrhundert als sogenannte Wildbretsteuer. Da galt Wild noch als Luxusgut.“ Das aber sei schon lange nicht mehr der Fall.

Kippt die Steuer, müssen die Kämmerer in den beiden Landkreisen Lüneburg und Uelzen auf hohe Einnahmen verzichten: In Uelzen spielte die ungeliebte Steuer im vergangenen Jahr 100.000 Euro in die Kreiskasse, im Landkreis Lüneburg waren es sogar 159.000 Euro.

Trichinenproben sind jetzt komplett kostenfrei

Wohl auch angesichts dieser Zahlen will man im Landkreis Lüneburg (noch) nicht über eine endgültige Abschaffung der Jagdsteuer nachdenken. Stattdessen verweist Kreissprecherin Katrin Holzmann darauf, dass der Landkreis den Grünröcken bereits bei der Trichinenschau entgegen komme. Die Trichinenproben sind jetzt komplett kostenfrei“, erinnert Holzmann – nicht nur für Frischlinge, sondern für alle geschossenen Schwarzkittel. Zuvor kostete die Trichinenschau vier Euro pro Stück. Die dadurch erzielten Einsparungen für die Jägerschaft beziffert Holzmann alleine im vergangenen Jahr auf rund 8500 Euro. Außerdem erhalte die Jägerschaft jährlich 10.000 Euro aus der Kreiskasse für Natur- und Wildschutzprojekte.

Für den Vorsitzenden der Kreisjägerschaft sind diese Zuschüsse aber bei weitem nicht ausreichend – und sie stehen seinen Worten zufolge auch in keiner Relation zu dem zeitlichen Aufwand, den die Jäger gerade jetzt angesichts der drohenden Afrikanischen Schweinepest betreiben müssen.

„Ohne die Jäger geht es nicht“

So habe zum Beispiel das Bundeskabinett beschlossen, die Schonzeit für das Jagen von Wildschweinen aufzuheben – mit Ausnahme auf Bachen, deren Frischlinge noch gelbe Längsstreifen aufweisen. Denn nur mit einer drastischen Reduzierung der Sauenbestände hoffen die Behörden, die Afrikanische Schweinepest verhindern zu können, dessen Virus über Georgien und Russland in die EU eingeschleppt worden ist. Mittlerweile sind sechs Mitgliedsstaaten betroffen. Für viele Experten lautet die Frage daher nicht mehr, ob die Seuche nach Deutschland kommt, sondern nur noch, wann.

Ohne die Jäger geht es also nicht. Und das ist für Christian Voigt ein weiteres, gutes Argument in seinem Kampf zur Abschaffung der Jagdsteuer.

Von Klaus Reschke

9 Kommentare

  1. Ohne die Jäger geht es also nicht. Und das ist für Christian Voigt ein weiteres, gutes Argument in seinem Kampf zur Abschaffung der Jagdsteuer. Selten so gelacht. Es erinnert mich an den Friedhofszwang und an die Hundesteuer. Nicht Zeitgemäß, noch so ein Witz. Seit wann ist das denn ein Argument für die Abschaffung von Steuern und Zwängen? Ach ja, hier ist ja ein großer Lobbyverband betroffen, bei denen sich ja etwas lohnen muss und zwar die Jagd. Das Wild ist ja kein Luxusgut mehr, wird gemeint, aha. Sind die Preise für Wild im Keller? Der Deutsche isst einfach zu wenig Wild im Jahr, oder? Deswegen sind die Preise wohl so niedrig. Ein Kg Hirschfilet kostet ca. 30 Euro. Ein wahres Schnäppchen. Ob das Angebot mit der Nachfrage Schritt hält?

    • Eines muss man Ihnen lassen Herr Bruns. Auf Sie ist wirklich Verlass. Als ich den Artikel erstmals hier las dachte ich im stillen: Hier wird sich bestimmt der besondere Freund der Jäger Herr Klaus Bruns bald zu Wort melden. Und siehe da. Sie haben Wort gehalten. Verzeihung, aber ich kann mir ein schmunzeln nicht verkneifen.

      • Oscar
        hallo, schmunzeln ist erlaubt. schmunzeln.

        • Lieber Herr Reschke,

          zwei Fragen:

          1. Was ist denn aus dem feschen, stattlichen Sascha Meyer geworden, den Torsten Broder (vor der Wahl des derzeitigen Verlegenheitstandems Christian Voigt und Gerhard Zander) im vorletzten Jahr zum Vorsitzenden der Kreisjägerschaft durchpeitschen wollte – gegen den vehementen Widerstand der zornigen Frondeure unter der fintenreich agierenden Führung von Christoph Lüttgens und Hans-Christoph Chors?

          2. Wenn die Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers schon im März des vorigen Jahres mit fester Stimme prophezeite, in spätestens zwei bis drei Jahren (heuer also in ein bis zwei) sei die Wolfspopulation so stabil, dass man über eine Regulierung nachdenken müsse, auf der Basis welcher Erkenntnisse tut sie das dann? Hat sie sich bei Eckhard Pols erkundigt oder hat Brigitte Mertz, die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Friedrich von Mansberg-Überwinderin, eine Tür-zu-Tür-Umfrage bei Isegrims durchgeführt und belastbare Auskünfte über beabsichtigte Reisen, anstehende Umzüge, sowie über Auslandssemester, Hauptwohnsitze und Familienplanungen eingeholt?

    • Oscar, wie oft haben Sie den Artikel denn nach Ihrem erstmaligen Studium noch durcharbeiten müssen, bevor – Siehe da! – Klaus Bruns sich zu Wort gemeldet und Ihrer Erwartung entsprochen hat? Und inwiefern hat der liebe Reppenstedter Jägerfreund (zwinkerzwonker) hier Wort gehalten? Hatten Sie den lustigen kleinen Coup vielleicht zuvor am Telefon verabredet? Da ist Ihnen beiden ja wahrhaftig eine Mordsgaudi gelungen! Hätten Sie die ganze aufregende Angelegenheit nämlich weiter bloß im Stillen durchdacht, anstatt aller Welt von den Gründen Ihres nicht verkniffenen Schmunzelns verzeihungsheischende Mitteilung zu machen, wäre Lüneburg auf jeden Fall eine wahnsinnig amüsante Nachricht über die köstliche Art und Weise entgangen, mit welch ausgeklügelter Finesse Sie sich donnerstagnachmittags um Viertel nach vier die Langeweile zu vertreiben wissen.

  2. Die Forderung nach der Abschaffung der Jagdsteuer wird zu recht erhoben. Das Dahinsiechen der Jägerschaft am Rande des Existenzminimums ist augenscheinlich. Und bevor der erste Jagdpächter Hartz IV beantragen muss, sollte die Steuer denn doch fallen.

  3. Ohne Jäger würde die Menschheit sicherlich dann aussterben?

  4. Jawohl und die Welt ist gerettet. Was würden wir ohne Klaus Bruns nur machen?

  5. .. @ „Ohne die Jäger geht es nicht“ ..
    Was man ja nun nicht verleugnen kann , daß die meisten Jäger nur einen Waffenschein haben um Tiere abzuknallen , weil sie Spaß daran haben eben diese Tiere abzuknallen , mehr nicht !