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Äbtissin Reinhild Freifrau von der Goltz (r.) mit der neuen Konventualin Sabine von Hoff (l.) und Charlotte Pattenden, die von der Äbtissin zur Priorin ernannt wurde. Foto: phs

Eine Gemeinschaft, die historisches Erbe bewahrt

Lüneburg. Vier Jahre ist es her, dass Charlotte Pattenden als Konventualin im Kloster Lüne in einem feierlichen Gottesdienst eingeführt wurde. „Ich habe damals gesagt, ich möchte hier Wurzeln schlagen. Das habe ich getan und es ist ein Geschenk“, sagt die 61-Jährige, die jetzt von der Äbtissin Reinhild Freifrau von der Goltz zur Priorin ernannt wurde. Bei Charlotte Pattendens Einführung war auch Sabine von Hoff (65) zugegen, die auf der Suche war nach einem Ort für das zukünftige Leben, „der mehr sein konnte als nur ein Dach über den Kopf. Ein Ort, der Geschichte hat und Sinnhaftigkeit wie auch Geborgenheit bietet“. Sabine von Hoff ist angekommen. Sie wurde jetzt als Konventualin eingeführt, gemeinsam mit Charlotte Pattenden, der neuen Priorin.

Schon als junges Mädchen habe sie eine Affinität für das Thema Kloster gehabt, erzählt die gebürtige Braunschweigerin Sabine von Hoff. Doch das Leben bescherte ihr erst einmal andere Wege. Nach dem Examen als Kinderkrankenschwester heiratete sie, ging mit ihrem Mann nach Rieseby, „wo wir eine Landarzt-Praxis gründeten“ und sechs Kinder zur Welt kamen. Viele glückliche Jahre. Doch der Sturm des Lebens machte vor der Familie nicht halt, umschreibt sie. Ein Sohn starb, die Ehe hielt nicht stand. Sabine von Hoff suchte und fand einen Ort, der ihr eine neue Aufgabe und Gemeinschaft bot. 16 Jahre war sie Hausdame und -mutter im Internat Louisenlund, wo sie mit ihren beiden jüngsten Kindern lebte, die dort auch ihr Abitur machten. „Eine fordernde und sehr erfüllende Zeit.“

„Was für ein wunderbarer Ort“

Als vor vier Jahren das berufliche Ende absehbar war, habe sie überlegt: Wie geht es weiter? „Ich wollte meine zukünftige Lebensphase an einem Ort verbringen, der Aufgaben bietet und eine Ausstrahlung hat.“ Auf die Idee, das dieser Ort das Kloster Lüne sein könnte, kam sie durch die Schwester von Äbtissin von der Goltz, mit der sie freundschaftlich verbunden ist. „Ich nahm mit der Äbtissin Kontakt auf und wurde aufs Herzlichste eingeladen.“ Als sie dann aus dem Auto ausstieg, umgab sie sofort das Gefühl: „Was für ein wunderbarer Ort.“ Erste Kontakte mit dem Konvent machten ihr bewusst: „Hier kann man nützlich sein, und es hat auch einen Nutzen für einen selbst.“

Denn das 1172 von Benediktinerinnen gegründete Kloster ist ob seiner historischen Bausubstanz und der vielen Kunstwerke ein besonderer Schatz. Zu den Aufgaben der Klosterdamen gehört es unter anderem, diese der Öffentlichkeit bei Führungen und Veranstaltungen zugänglich und erlebbar zu machen. Bis zu 17 000 Gäste gehen jedes Jahr im Durchschnitt durchs Haus – auch mit Unterstützung von Ehrenamtlichen. Eine bereichernde Aufgabe, empfand Sabine von Hoff. Dazu die Möglichkeit, in Gemeinschaft zu leben. Dazu gehören auch die regelmäßigen Konvente – Treffen – mit Andachten. Dort wird besprochen, wer welche Aufgaben übernimmt. Aber die Mitglieder des Damenstifts verbinden auch Beisammensein bei Kuchen, einem Glas Wein oder Mineralwasser zum Beispiel nach dem Vespersingen.

Die vergangenen vier Jahre waren für Sabine von Hoff ein Prozess der Annäherung, immer wieder war sie auf Zeit im Kloster zu Gast. In diese Zeit fiel für sie ein weiterer schwerer Verlust, ihr ältester Sohn verunglückte im April 2015 tödlich. „Als ich danach die Sommerferien hier verbrachte, habe ich in dieser ­Extremsituation eine große Geborgenheit empfunden.“

Herausforderungen und Pflichten

Neben der Annäherung war es aber auch ein Prozess der Abwägung. Denn sie sei sich bewusst gewesen, dass der sinngebenden Tätigkeit und dem Leben in Gemeinschaft auch ihr Wunsch nach Freiräumen gegenüber gestanden habe, bekennt sie offen. „Das ist eine Gratwanderung“, wie auch Charlotte Pattenden konzediert.

Im Dezember 2016, „dem faktischen Ende meines Berufs, bin ich hier im Krügerhaus eingezogen“. Mehr als ein Jahr noch einmal Luft holen und sich einleben – bis zur Entscheidung der Äbtissin und des Konvents, sie aufzunehmen. Ein Jahr, um sich den Herausforderungen, Pflichten und all dem Gutem, was ein Leben in Gemeinschaft bietet, bewusster zu werden.

Der Tod ihrer Söhne habe ihr noch deutlicher gemacht, dass es im Wesentlichen um die Frage gehe: Womit verbringe ich meine Lebenszeit. Sabine von Hoff hat die Antwort gefunden: In der Gemeinschaft und der Spiritualität des Klosters Lüne, dessen historisches Erbe es zu bewahren gilt. „Ich bin gespannt auf die Zeit, in der ich mich auf das Leben hier einlasse und damit die innere Freiheit finde, ohne sie im Außen zu suchen.“

Vertreterin der Äbtissin

Neue Priorin

Charlotte Pattenden , die von Äbtissin Reinhild Freifrau von der Goltz ernannt wurde, ist als neue Priorin Nachfolgerin von Renate Krüger, die aus gesundheitlichen Gründen in das Kloster Marienwerder umgezogen ist. Renate Krüger wird weiter dem Konvent des Klosters Lüne angehören, zu dem elf Klosterdamen zählen. Zwei von ihnen werden noch in diesem Jahr eingeführt. Die Priorin ist die Vertreterin, wenn die Äbtissin nicht anwesend ist. „Sie kümmert sich außerdem um den inneren Zusammenhalt des Konvents, ist Verbindungsglied zwischen den Klosterdamen und der Äbtissin, sollten kleine Probleme zu regeln sein“, erläutert Freifrau von der Goltz.

Bei der Auswahl für das Amt der Priorin zähle unter anderem die Fähigkeit, die Gemeinschaft zu fördern, die Ausgleichsfähigkeit und ein guter Kontakt zu jedem Mitglied des Damenklosters. „Mit ihrer Vitalität, Einsatzfreude und Kompetenz kann Frau Pattenden mich ideal unterstützen.“ Und wie alle anderen Konventualinnen übernimmt die neue Priorin weiterhin Führungen, unterstützt bei der Organisation von Veranstaltungen und übt außerdem ihren Beruf als Übersetzerin aus.

Von Antje Schäfer