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Mitglieder des „ForestFireWatch“-Vereins bei einer Übung. Auch mit Gebläse und Handdruckpumpe lassen sich bei entsprechender Ausbildung Brände eindämmen oder sogar löschen. (Foto: privat)
Mitglieder des „ForestFireWatch“-Vereins bei einer Übung. Auch mit Gebläse und Handdruckpumpe lassen sich bei entsprechender Ausbildung Brände eindämmen oder sogar löschen. (Foto: privat)

Kampf gegen das Feuer

Bardowick. Kindheits-Erlebnisse können prägend sein für das ganze Leben: Es waren trocken-heiße Tage im August 1975, als im Wendland der Wald zur Hölle wurde. Ein Flammeninferno von bis dato unbekannten Ausmaßes vernichtete mehr als 12 000 Hektar Wald-, Moor- und Heideland. Es zerstörte Siedlungen und kostete sechs Feuerwehrleute das Leben. Dr. Michael Herrmann war damals vier Jahre alt, wohnte im Wendland und erinnert sich noch genau, wie Feuerwehrautos und Bergepanzer am Haus der Eltern vorbeidonnerten, der Feuer- und Rauchfront entgegen.

Vielleicht waren es genau diese Eindrücke, die den promovierten Juristen – Richter am Amtsgericht in Winsen – dazu brachten, eine besondere Affinität zur Feuerwehr und vor allem zur Waldbrandbekämpfung zu entwickeln. Seit genau einem Jahr ist der 46-Jährige nun auch Vorsitzender des neu gegründeten Vereins „ForestFireWatch“.

„Unsere Mitglieder sind aktive Feuerwehrleute, aber auch Forstangehörige, die sich mit der Thematik Waldbrandprävention beschäftigen, sich darin weiterbilden und dieses Wissen an Dritte, etwa Waldeigentümer und Feuerwehren, weitergeben wollen“, sagt Herrmann, der vor allem ein Ziel verfolgt: „Wir wollen Waldbrände verhindern.“

Verein zählt bislang 20 Mitglieder

Das mag in den Ohren manch altgedienter Feuerwehrleute vielleicht anmaßend klingen. Schließlich zählt der neue Verein bislang nur 20 Mitglieder. Doch Herrmann weiß, wovon er spricht und was er tut. 23 Jahre war er ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk (THW) im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg aktiv. Nach seinem Ausscheiden dort engagiert er sich jetzt als Feuerwehrmann und Atemschutzgeräteträger in einer Freiwilligen Feuerwehr der Samtgemeinde Bardowick.

Der 46-Jährige hat also durchaus einen geschärften Blick auf Brandverhütung und -bekämpfung. Und er zieht eine erste Bilanz: „Wir haben inzwischen eine veränderte Gefahrenlage. In den vergangenen Jahren standen vor allem die Hochwassereinsätze im Fokus, außerdem müssen die Feuerwehren mehr technische Hilfe leisten.“ Herrmanns Sorge ist, dass Waldbrandbekämpfung zu sehr in den Hintergrund rücken könnte. Was aus seiner Sicht fatal wäre: „Klimaforscher warnen vor langen Trockenheits- und Dürre-Perioden schon in naher Zukunft.“

Das zweite große Problem sieht der Richter im demografischen Wandel: „Junge Menschen wandern ab in die Städte. Für viele Ortsfeuerwehren im ländlichen Raum wird es schwierig, überhaupt noch genügend Feuerwehrkräfte im Notfall schnell zusammenzubekommen.“

„Es geht auch darum, die zeitliche Lücke bis zum Eintreffen der Löschkräfte zu füllen.“ Dr. Michael Herrmann, Vereinsvorsitzender

Mit dem „AWFS“, die Abkürzung steht für „Automatisiertes Waldbrand-Früherkennungs-System“ haben die Forstleute bereits aufgerüstet. Aus einem unscheinbaren Raum in der Regierungsvertretung in Lüneburg können die Experten an ihren Monitoren, mithilfe moderner Kameratechnik, mehr als 3500 Quadratkilometer Wald in sechs Landkreisen überwachen.

„Das funktioniert auch tadellos“, lobt Herrmann – und doch sieht er noch eine Schwachstelle. Denn ist das Feuer erst einmal entdeckt, muss es auch schnell – möglichst in der Entstehungsphase – bekämpft werden. In der DDR beispielsweise hatte seinen Worte zufolge die Forst eigene Löschkräfte, die den Erstangriff starteten, bis Feuerwehr-Kräfte herangeführt waren.

Herrmann könnte sich daher auch einen aktiven Patrouillendienst seines Vereins in besonders gefährdeten Waldgebieten in Zeiten hoher Brandgefahr vorstellen. Auf Pick-up-Fahrzeugen, ausgestattet mit Wassertanks und Feuerklatschen. „Es geht auch darum, die zeitliche Lücke bis zum Eintreffen der Löschkräfte zu füllen“, erklärt der Jurist und Feuerwehrmann.

Andere EU-Länder nutzen bereits Patrouillen-System

In Portugal, Spanien, Frankreich und Italien funktioniere dieses Patrouillen-System bereits hervoragend. Herrmann weiß das, weil die Mitglieder seines Vereins internationale Kontakte pflegen. So fliegt der „ForestFire-Watch“-Vorsitzende zum Beispiel nach Portugal auf Einladung des portugiesischen Zivilschutzes. Aber auch Lösch-Übungen mit Greenpeace-Aktivisten aus Russland habe man in Deutschland bereits absolviert. „Und von den Schweden haben wir unsere persönliche Erstausstattung gestellt bekommen“, bedankt sich Herrmann.

„Wir stehen noch am Anfang“, weiß Herrmann, der sich über jedes neue Mitglied freut. „Wir bilden auch in Vegetationsbrandbekämpfung aus“, sagt der Vorsitzende, der bereits einige Fachleute in den Vereins-Reihen weiß: Den Leiter des Forstamtes Göhrde, Dr. Uwe Barge, etwa, aber auch den ehemaligen Regierungsbrandmeister Uwe Schulz.

Von Klaus Reschke