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Die Möllering-Villa in Häcklingen und ihr beklagenswerter Zustand - ein Dauerthema in Häcklingen. Über einen Abrissantrag des Eigentümers ist noch immer nicht entschieden. (Foto: be)
Die Möllering-Villa in Häcklingen und ihr beklagenswerter Zustand - ein Dauerthema in Häcklingen. Über einen Abrissantrag des Eigentümers ist noch immer nicht entschieden. (Foto: be)

Zukunft der Villa bleibt ungewiss

Lüneburg. Geplante Neubauten, löchrige Straßen, veränderte Schulwege, schnelle Autofahrer, pfeifende Güterzüge, laute Windräder – es war ein großes Themen-Potpourri, das die Vertreter der Stadtverwaltung am Mittwochabend bei einer Bürgerversammlung in Häcklingen abarbeiteten. Gut 70 Bewohner des Stadtteils waren in die Sporthalle gekommen, wo sich mit Carina Karbowksi auch die neue Ortsvorsteherin vorstellte. Sie war im März vom Rat zur Nachfolgerin von Maria Schult gewählt worden. Die Themen in Kürze:

Zugverkehr

Auf der Strecke Amelinghausen-Lüneburg fahren wieder regelmäßig Güterzüge, jeweils einer frühmorgens und einer am frühen Abend. Weil der Güterzug zwischen Rettmer und Häcklingen pfeifen muss, fühlt sich mancher um den Schlaf gebracht. Abhilfe geschaffen werden könnte nur, wenn der Bahnübergang anders gestaltet werde. Das aber kostet Geld, eine Schranke zum Beispiel rund 250 000 Euro. Alternativ müsste die Straße Drögenkamp für den Pkw-Verkehr gesperrt werden. Die Stadt möchte auf der Strecke zudem einen regelmäßigen Personennahverkehr, allerdings vom Bahnhof abgesehen ohne weitere Haltepunkte im Stadtgebiet.

Sandabbau

Die Firma Sandwerke Häcklingen GmbH möchte wieder Sand abbauen und hat nach einer „biologischen Bestandsaufnahme artenschutzrechtlich relevanter Arten“ auch die zur weiteren artenschutzfachlichen Beurteilung geforderte spezielle Betrachtung von Arten wie Kammmolch, Zauneidechse und Kreuzkröte inklusive einer 115 Seiten umfassenden Konfliktanalyse vorgelegt. Sie liegt nun beim Landkreis Lüneburg als Unterer Naturschutzbehörde, die nun darüber entscheiden muss. Das Thema soll auch im Umweltausschuss des Rates in der kommenden Woche behandelt werden.

Bauprojekt Lüwobau

So könnte der Neubau hinter dem Bonhoeffer-Haus zwischen Rettmer und Häcklingen aussehen. Illustration: Henning Reinhard
So könnte der Neubau hinter dem
Bonhoeffer-Haus zwischen Rettmer
und Häcklingen aussehen.
Illustration: Henning Reinhard

Die städtische Tochtergesellschaft will noch in diesem Jahr auf dem freien, 2260 Quadratmeter großen Grundstück hinter dem Bonhoeffer-Haus am Margarete-Endemann-Weg einen Neubau mit acht Wohnungen im Reihenhauscharakter über ein bis drei Geschosse ohne Keller errichten. Die Wohnungen sollen allesamt Balkon oder Terrasse haben und zwischen 50 und 84 Quadratmeter groß sein. Anvisierte Kaltmiete: 10 Euro pro Quadratmeter. Lüwobau-Chefin Heiderose Schäfke hat auch schon eine Zielgruppe im Visier: „Vielleicht möchten ja einige Omas und Opas der vielen Familien, die ins angrenzende Neubaugebiet gezogen sind, in der Nähe ihrer Enkel wohnen.“

Bauprojekt An der Ratsforst

Für ein rund 3500 Quadratmeter großes Grundstück liegt der Stadt eine Bauvoranfrage vor, darüber hat sie die Nachbarn schriftlich informiert. Einige von ihnen wie Peter Raykowski stören sich nun an der Dimension des geplanten Baus. Zehn Wohnungen im Reihenhaustil – das passe aus ihrer Sicht auch nicht dorthin. Raykowski erinnerte an ähnliche Dikussionen im Roten Feld und am Bockelsberg. Mädge entgegnete: „Zehn Wohnungen auf 3500 Quadratmetern – das halte ich nicht für zu viel.“ Angesichts des Zuzugs müsse die Stadt mit Flächen auch sparsam umgehen, Nachverdichtung sei deshalb unerlässlich. Entschieden sei aber noch nichts.

Möllering-Villa

Ein Dauer-Thema in Häcklingen. Seit gut zehn Jahren steht das Haus leer. Die Villa hat eine bedeutungsvolle Geschichte bei der Teilkapitulation der Wehrmacht, die das Ende des Zweiten Weltkrieges besiegelte. Der Komplex steht seit 2007 unter Denkmalschutz. Die Eigentümer Manfred und Felicitas Schulte hatten dort 2012 mal über ein Café nachgedacht, doch das ließ der Bebauungsplan nicht zu. Daraufhin legten sie Gutachten vor. Daraus ging hervor, dass eine Sanierung und Renovierung rund 2,5 Millionen Euro kosten würde – das rechne sich nicht mehr. Sie beantragten den Abriss. Die Prüfung dauert derweil immer noch an. Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagte in der Versammlung: „Wir vertreten die Auffassung, dass die Villa nicht abgerissen werden soll. Gastronomie ist zwar vom Tisch, Wohnungen oder eine Bildungseinrichtung wären dort aber möglich. Und Eigentum verpflichtet ja auch.“ Einmal die Woche schaue die städtische Bauaufsicht vorbei, wie es um das Gebäude bestellt ist und ob die Eigentümer möglicherweise Sicherungsmaßnahmen ergreifen müssen. Bis sich der Zustand ändert, dürfte noch viel Zeit vergehen. Denn die Entscheidung der Stadt werde dann im Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Hannover geprüft.

Zugang zum Gymnasium

Wie berichtet, haben Stadt und Kreis eine neue Vereinbarung getroffen. Danach sollen sich Kinder aus Häcklingen eher zu anderen Gymnasien als zum nächstgelegenen in Oedeme orientieren. Eine Mutter, deren Kinder zum Johanneum gehen, weil sie in Oedeme keinen Platz bekommen hatten, mahnte an, die Busverbindungen zu verbessern. Mittags halte der Bus drei Minuten nach Schulschluss am Johanneum, dadurch müssten die Kinder zur Haltestelle hetzen, zudem sei der Bus dann oft schon voll mit IGS-Schülern, die zum Bahnhof wollen. Moßmann sagte zu, mit der KVG sprechen zu wollen, ob nicht zumindest ein Gelenkbus auf der Strecke zur Mittagszeit eingesetzt werden könne.

Ausbau der Grundschule

Für 3,47 Millionen Euro wird sie seit März vergangenen Jahres zur Ganztagsschule ausgebaut. Bildungsdezernentin Pia Steinrücke sagte: „Durch die Insolvenz des Rohbauers gab es eine Verzögerung.“ Der Neubau soll im Herbst fertig sein, der Umbau der Klassen im bestehenden Gebäude Anfang 2019. Frühester Start des Ganztagsbetriebes sei im Februar nächsten Jahres, wobei die Teilnahme am Nachmittag für die Schüler freiwillig sei. In den nächsten Jahren sprächen die Schülerzahlen für eine Zwei- bis Dreizügigkeit, nur etwa eine Handvoll Kinder pro Jahrgang habe keine deutsche Staatsangehörigkeit.

Kita- und Krippenplätze

Die Versorgungsquote der Plätze für Ein- bis Dreijährige liegt für Häcklingen bei 245 Prozent (Krippenplätze und Tagespflege) und damit weit höher als in der gesamten Stadt (69 Prozent). In der Krippe und bei den Tagesmüttern und -vätern werden viele Kinder auch aus anderen Stadtteilen betreut. Die Quote bei den Drei- bis Sechsjährigen (Kita) liegt bei 132 Prozent.

Windräder

Die fünf knapp 200 Meter hohen Windräder, die im vergangenen Jahr bei Häcklingen aufgestellt wurden, stören einige Anwohner. Sie seien zu laut, manche sind auch genervt vom Dauerblinken. Stadtrat Markus Moßmann informierte: „Wir haben seit Herbst sechs Beschwerden wegen Lärmbelästigung bekommen. Mitte März sind die Ergebnisse der technischen Nachmessungen eingegangen, nun wird der Landkreis bis Ende des Monats darüber entscheiden, wie damit umgegangen wird.“

Verkehr

Radfahrer beklagten den holprigen Zustand des Alten Hessenweges und monierten, dass beim Radweg In der Süßen Heide Bäume und Büsche in den Weg hineinragten, sodass man gerade bei Regen oft nass werde. Der Rad- und Gehweg an der Hasenburg sei zudem zu schmal. Die Stadt will sich den Hessenweg nochmal anschauen, den Grünschnitt anmahnen und den Weg an der Hasenburg 2019 verbessern, kündigte Moßmann an. Anwohner des Gebietes Langenstücken beklagten, dass viele Autofahrer im Gebiet die Spielstraßen-Beschilderung nicht beachten, sondern schneller fahren. Auch werde der Embser Kirchweg oft verbotenerweise als Abkürzung genutzt. Hier will sich die Stadt die Situation vor Ort noch einmal genau ansehen.

Von Alexander Hempelmann

4 Kommentare

  1. Was soll der Quatsch mit der Möllringvilla? Das Himmlerhaus in der Uelzener Straße 31 interessiert heute auch keinen mehr. Irgendwann sollte mal Zeit für etwas Neues kommen. Nach dem Zeitraum ist das langsam mal eine Randnotiz.

  2. Hätten die Eigentümer aus dieser Bruchbude etwas Gastronomisches machen dürfen, wäre ich als „Neubürger“ da bei einem Besuch mal über die geschichtliche Relevanz – wenn es denn eine geschichtliche Relevanz gibt – unterrichtet worden. Chance verpasst.
    So steht diese Bruchbude unter Denkmalschutz und Leute, die keinerlei (finanzielle) Verantwortung übernehmen müssen, wollen und dürfen über Nutzung und Aussehen mitreden. Tolle Wurst. Soll doch das Denkmalamt die Restaurierung bezahlen, wer anschafft zahlt auch die Zeche.
    Mal davon abgesehen, dass Denkmalschutz, so wie er im Regelfall betrieben wird, Willkür in Reinform ist. Es wird irgend ein Datum in der Zeitleiste festgelegt. Davor interessiert nicht, danach auch nicht. Konsequenter Denkmalschutz würde für Lüneburg bedeuten, die gesamte Stadt abzureissen, da ursprünglich ja wahrscheinlich nur ein paar Reisighütten rund um den Kalkberg standen.

    Lustig wenn dann ausgerechnet eine dieser Gemeindebehörden mit „Eigentum verpflichtet“ ankommt.
    Verwahrloste Wälder, Entwässerungsgraben die nicht gepflegt werden, ein See mitten in der Stadt in dem man „aus Sicherheitsgründen“ nicht baden kann, weil Müll der letzten Jahrhunderte darin versenkt ist. Und da ist der knöchelbrechenden Marktplatz und die öffentlichen Wege bis in die Randgebiete noch gar nicht aufgeführt. Also, da sage ich nur „wer im Schlachthaus sitz, sollte nicht mit Schweinen werfen“.

    Das Pfeifen der Züge könnte mit einer Schranke für 250T abgestellt werden? Im Preis enthalten wäre da noch eine höhere Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer.
    Tja, vielleicht sollte man unter die Ortsschilder von Häcklingen einfach ein Schild mit der Aufschrift „Friedhof. Betreten nur für Angehörige“. Das wäre billiger.
    Kannste dir alles gar nicht ausdenken…

    PS.
    Liebe LZ-Redaktion. Ich weiss, Ihr finanziert auch über Werbeeinblendungen. Aber die Banner über die Kommentarfunktion zu legen, dass man kaum seinen Namen schreiben kann und der Absendebutton zu einem 4 Pixel grossen Vabanquespiel wird, ist jetzt eher so mittel bis unterirdisch – ausser das ist absichtlich so, dann verstehe ich das natürlich…

    • Moin, Herr Eger. Keine Absicht. Die Banner sind unterschiedlich groß, können aber in jedem Fall mit dem Schließen-X (rechts oben) weggeklickt werden. bol/LZonline

  3. Villa ist schon witzig für den Kotten. Aber solange es die Stadt nichts kostet – Denkmal.
    Man sollte sich lieber um die Brandruine am Handwerkerplatz und so asoziales Besitztum
    wie im Rotenbleicher Weg kümmern. Oder wird das erste jetzt zum Denkmal gegen
    Assad erklärt?