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Anleger kauften Frachtcontainer und von der Firma P & R. Diese vermietete die Boxen weiter und zahlte fest vereinbarte Mieteinnahmen an die Investoren. (Foto: A/be)
Anleger kauften Frachtcontainer und von der Firma P & R. Diese vermietete die Boxen weiter und zahlte fest vereinbarte Mieteinnahmen an die Investoren. (Foto: A/be)

Schiffbruch mit den Seecontainern

Lüneburg. Das Geschäftsmodell der Münchener Anlagefirma P&R Container-Investments war einfach und schien lukrativ. Anleger kauften über bei Banken und Vermittlern abgeschlossene Verträge Frachtcontainer von der Firma. Das Unternehmen vermietete diese weiter und zahlte fest vereinbarte Mieteinnahmen an die Anleger. P&R verpflichtete sich, am Ende der Laufzeit die Schiffscontainer zum Zeitwert zurückzukaufen. Das ging über Jahre gut. Zeitweise erhielten die Anleger Mieteinnahmen von bis zu acht Prozent des investierten Geldes pro Jahr. Doch jetzt haben drei von vier Gesellschaften des Unternehmens das Insolvenzverfahren beantragt. Damit droht Tausenden Anlegern ein finanzieller Verlust.

„Um mögliche Ansprüche zu sichern, sollten sich Anleger, die über Banken und Vermittler Schiffscontainer gekauft haben, dringend fachlichen Rat holen“, sagt Sabine Oppen-Schröder von der Verbraucherzentrale in Lüneburg: „Unbedingt zu beachten ist die dreijährige Regelverjährung, um Schadensersatzansprüche geltend zu machen – möglicherweise auch wegen Falschberatung von Banken oder Vermittlern.“

Mit 50 000 Kunden der größte Anbieter am Markt

Wer direkt bei P & R gekauft hat, sollte allerdings abwarten. Denn das Geschäft läuft unter der Kontrolle eines Insolvenzverwalters weiter. Forderungen können erst nach Eröffnung des Verfahrens angemeldet werden.

Die Unternehmensgruppe ist nach eigenen Angaben mit rund 50 000 Kunden und einem Investmentvolumen von 3,5 Milliarden Euro der mit Abstand größte Anbieter von Direktinvestments in Schiffscontainer. P&R lieferte rund fünf Prozent des weltweiten Containerbestandes aus. Selbst während der im Jahr 2008 begonnenen Schifffahrtskrise – bei der viele Anleger, auch aus Lüneburg, mit ihren Einlagen für Schiffe baden gingen – lief das Geschäft mit den Containern gut.

Sogar der Totalverlust des Geldes ist möglich

Das Handelsblatt mutmaßt als Hauptproblem für die P&R-Insolvenz: „Es fließt immer weniger Geld herein, die Altkunden aber müssen ausbezahlt werden.“ Das Blatt nennt Zahlen: „Den größten Verkaufserfolg erzielte die Gruppe 2013, als sie rund eine Milliarde Euro einnahm. Danach ging es bergab. 2016 verkaufte P&R nur noch Container im Wert von 740 Millionen Euro, 2017 waren es gerade einmal 442 Millionen Euro.“ Container, die die Gruppe in der Hochphase 2013 verkauft hat, seien nun zur Rücknahme fällig – „ohne dass der Anbieter mögliche Finanzierungslücken mit frischem Kundengeld ausgleichen kann“.

Haftungsrisiken sind laut Verbraucherschützerin Sabine Oppen-Schröder nicht auszuschließen. So könne es beispielsweise am Ende nicht zum Rückkkauf der Container kommen: „Der Anleger als Eigentümer müsste sich dann selbst um den Container-Verkauf kümmern, was mit zusätzlichen Folgekosten etwa durch Standortgebühren oder Entsorgungskosten in Häfen weltweit verbunden sein kann. Alles kann dazu führen, dass der Anleger mit Totalverlust seines Geldes rechnen oder im schlimmsten Fall Privatinsolvenz anmelden muss.“

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bietet für betroffene Anleger Rechtsberatung zu Kapitalanlagen an, Termine können unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/beratung/hannover vereinbart werden. rast