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Haben gemeinsam einen Baum im Entdeckergarten gepflanzt: Obstbauer Eckhart Brandt, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg Stefan Zimmer, Gudrun Hofmann (BUND Hamburg) und Dr. Olaf Anderßon (Lüneburger Streuobstwiesen Verein, von links). (Foto: plu)
Haben gemeinsam einen Baum im Entdeckergarten gepflanzt: Obstbauer Eckhart Brandt, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg Stefan Zimmer, Gudrun Hofmann (BUND Hamburg) und Dr. Olaf Anderßon (Lüneburger Streuobstwiesen Verein, von links). (Foto: plu)

Der Brasilianer aus dem Amt

Amt Neuhaus/Rosengarten. Lange Zeit galt der „Rote Brasilienapfel“ als verschollen, heute ist er im Amt Neuhaus zu Hause – und extrem selten. Gerade einmal rund 15 Altbäume dieser Sorte. Gepflanzt zwischen 1920 und 1950, gibt es heute noch auf der rechtselbischen Seite des Landkreises Lüneburg. Rund 30 Jungbäume kamen erst vor wenigen Jahren neu in die Erde. Jetzt wurde der „Rote Brasilienapfel“ zum Apfel des Jahres gekürt – und ein junges Bäumchen dieser seltenen Sorte zur Eröffnung des Gartenjahres 2018 im Entdeckergarten des Freilichtmuseums am Kiekeberg im Landkreis Harburg gepflanzt.

Etwa 10 000 Obstbäume stehen an den Straßen in Amt Neuhaus, darunter Zwetschgen-, Birnen- und Apfelbäume. Etwa 200 Apfelsorten befinden sich darunter. Und auf den „Roten Brasilienapfel“ kann die Region ganz besonders stolz sein. „Der rote Brasilienapfel fällt durch seine rote Farbe auf. Er ist eigentlich mehr ein Wirtschafts- als ein Essapfel“, erklärte Dr. Olaf Anderßon vom Lüneburger Streuobstwiesen Verein bei der feierlichen Pflanzung. „Die meisten nutzen ihn, um Mus zu kochen.“

Neben der Farbe der Früchte, sei auch die Höhe der Bäume besonders: Bis zu 15 Meter können diese hoch werden, „somit gehört der Rote Brasilienapfel zu den höchsten Sorten“, erklärte Obstbauer Eckhart Brandt.

Gekonnter Baumschnitt

Er hatte für die feierliche Pflanzung ein Bäumchen aus seiner Baumschule mitgebracht– und pflanzte dieses nach einem gekonnten Baumschnitt in die Erde im Landwirtschaftlichen Entdeckergarten am Kiekeberg ein. Gemeinsam mit Gudrun Hofmann vom BUND Hamburg, Stefan Zimmermann, dem Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg, und Dr. Olaf Anderßon. „Das ist ein Beitrag zur Förderung von alten Sorten – und die ist besonders wichtig“, betonte Brandt.

Den „Roten Brasilienapfel“ und weitere historische Apfel­sorten und Obstbäume bieten Händler auf dem traditionellen Pflanzenmarkt im Freilichtmuseum am Kiekeberg am Sonnabend und Sonntag, 14. und 15. April, an. Zwischen 10 und 18 Uhr können Besucher dort Stauden, Kräuter, heimische Gewächse und Raritäten an den zahlreichen Ständen entdecken. Der Eintritt kostet neun Euro, für Besucher unter 18 Jahren ist der Besuch frei.

Hintergrund

Robust gegen Wasser

Der „Rote Brasilienapfel“ zeichnet sich aus durch seine Farbe , die dunkelrot bis intensiv bordeauxrot ist. Er ist mittelgroß und weinsäurig im Geschmack. Pflückreif ist der „Rote Brasilienapfel“ etwa Mitte September bis Mitte Oktober, gegessen werden kann er bereits ab der Ernte, eingelagert hält er sich etwa bis Weihnachten.
Seinen Namen erhielt der „Rote Brasilienapfel“ vermutlich vom Brasilholzbaum. Er bildet sehr große Bäume und benötigt frischen, feucht-nährstoffreichen Boden. Er übersteht auch mehrwöchige Überflutungen. Der „Rote Brasilienapfel“ ist gefährdet, wird heute im Amt Neuhaus angebaut und steht vereinzelt in Mecklenburg-Vorpommern.

Von Patricia Luft