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Die Kranichbestände haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich erholt – auch in der Heide und an der Elbe. (Foto: Sven Kleinert)

Die Kraniche tanzen noch

Niederhaverbeck. Die ersten brüten zwar schon, aber Tausende tanzen noch für die Balz: Die Kraniche sind aus ihren Winterquartieren zurück in Niedersachsen. Hier liegen wichtige Reviere des Zugvogels. Die gute Nachricht: Der Bestand wächst seit Jahren kontinuierlich, dabei war der Kranich in Niedersachsen Anfang der 1970er-Jahre beinahe ausgestorben.

Gerade einmal acht Paare zählten Naturschützer damals noch. „Heute sind es ungefähr 1400“, sagt Thorsten Obracay von der niedersächsischen Landesarbeitsgruppe (LAG) Kranichschutz Deutschland. „Und der Brutbestand steigt weiter an.“ Erfolg zeigen die Schutzmaßnahmen auch bei der Anzahl der Zugvögel, die in Niedersachsen rasten: Mehr als 100 000 waren es in den vergangenen Jahren im Durchschnitt – vor 30 Jahren sind es gerade einmal einige Tausend gewesen.

Angefangen hatte der Kranichschutz in den 70er-Jahren damit, im Gartower Raum im äußersten Osten Lüchow-Dannenbergs die Brutplätze vor Eierdieben zu bewachen. Weiter ging es mit der Wiedervernässung der bekannten ehemaligen Vorkommen im Nachbarkreis. Bis heute sind dort 32 neue Feuchtgebiete entstanden, denn der Kranich braucht es nass. Ihre Nester bauen die Paare in etwa knietiefem Wasser, um sich und ihre Gelege vor Fressfeinden wie zum Beispiel dem Fuchs zu schützen. Wiedervernässte Hochmoore sowie das Elbeeinzugsgebiet sind ihnen daher besonders lieb.

Früher folgen die Vögel bis nach Afrika

Heute bildet den zentralen Ort für Kraniche in Niedersachsen die Diepholzer Moorniederung. Vor genau sechs Jahren gründete sich dort die Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Niedersachsen, heute zählt das Gebiet mit seinen zahlreichen renaturierten Mooren, eigens für den Kranich vernässt, zu den größten Rast- und Brutgebieten der Vögel in Niedersachsen.

Obwohl sie sich die Flächen schon seit Jahrhunderten selbst gesucht hatten, nehmen sie die vom Menschen für sie vorbereiteten Rastplatz sehr gut auf ihrem Weg durch Europa an. Denn die Bedingungen aus nassen, von Landwirtschaft umgebenen Flächen, scheinen ideal zu sein für die Vögel.

So ideal, dass viele von ihnen auch aufgrund des Klimawandels mittlerweile sogar in Niedersachsen überwintern. „Früher flogen sie bis nach Afrika, heute höchstens bis nach Spanien“, sagt Thorsten Obracay von der LAG Kranichschutz mit Sitz in Ströhen inmitten der Diepholzer Moore. „Manche bleiben in Nord- oder Südfrankreich, und manche bleiben auch hier.“ Insgesamt zählt Niedersachsen elf Rastregionen für Kraniche.

300 bis 400 Kilometer schaffen die Vögel am Tag, sie fliegen ein Durchschnittstempo von 40 bis 60 Kilometern pro Stunde. Manche schlafen im Moor, manche ziehen sogar in der Nacht weiter. Wer die Kraniche am Himmel beobachten möchte, erkennt sie an ihren langen Hälsen und ihren, im Gegensatz zu Gänsen, ebenfalls langgestreckten Beinen. „Zu verwechseln sie sind höchsten mit Störchen“, sagt Obracay. „An ihrem Ruf allerdings sind sie wirklich immer zu erkennen.“

„Balzzeit dauert bis etwa Ende April“

Wer den berühmten Tanz der Kraniche erleben will, also die Balz der zukünftigen Paare, der sollte sich in der Dämmerung auf den Weg machen – ob morgens oder abends. „Die Balzzeit dauert noch bis etwa Ende April“, sagt Stefan Wormanns vom Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide. Denn auch in der Heide finden die Vögel feuchte Moorgebiete ganz nach ihren Bedürfnissen. „Einige brüten zwar bereits, aber die Balz geht weiter. Die Vögel singen auch weiterhin, um ihr Revier zu verteidigen.“

Auch im Bereich des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue sind die Kraniche in den vergangenen Jahrzehnten wieder heimischer geworden. Der Großteil der Tiere ist auf dem Weg von Südwesteuropa in Richtung Ostsee, Schleswig-Holstein und Baltikum bereits über die Region hinweggezogen.

„Mehr als 50 Brutpaare sind auch im Landkreis Lüneburg heimisch geworden, die meisten von ihnen in der Elbtalaue“, berichtet der Lüneburger Vogelkundler Heinz-Georg Düllberg. „Die Entwicklung ist positiv“, schätzt er die Situation ein. Noch Anfang der 1990er-Jahre waren es nur einige wenige Brutpaare gewesen.

Die besten Beobachtungsplätze in der Region

In der Heide lassen sich die Vögel im Postmoor bei Bargfeld von einem Aussichtsturm aus beobachten, das Auto lässt sich am Imkerweg in Bargfeld parken. Gleich vier Türme stehen an den Meißendorfer Teichen nahe Winsen/Aller, einen großen Parkplatz gibt es dort am Nabu-Zentrum Gut Sunder. Zu den bedeutendsten Brutplätzen Niedersachsens zählt das Schweimker Moor mit Aussichtsturm an der Schützenstraße in Lüder. Parken: am Ende der Teerstraße an der Informationstafel.

Für den Bereich des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue empfiehlt Vogelkundler Heinz-Georg Düllberg einen Beobachtungsturm am rechten Elbufer, fast genau an der Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern – ideal zur Beobachtung von Vögeln in dem Gebiet. Düllberg betont: „Aber nicht mit dem Auto zu erreichen.“

Unter www.kraniche.de finden sich alle Rast- und Brutplätze Niedersachsens sowie Infos über Beobachtungstürme und Besucherzentren. Für Gebiete in der Lüneburger Heide gibt es Tipps auf www.lueneburger-heide.de/natur/artikel/12364/kraniche.html, fürs Diepholzer Moor auf www.bund-dhm.de.

Von Carolin George