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Am Übungsdeich in Bleckede ist Wasser ausgetreten. Bärbel Dieminger und Markus Wolter (2.v.r.) bauen mit ihren Kameraden einen Fangedamm aus Sandsäcken. (Foto: phs)
Am Übungsdeich in Bleckede ist Wasser ausgetreten. Bärbel Dieminger und Markus Wolter (2.v.r.) bauen mit ihren Kameraden einen Fangedamm aus Sandsäcken. (Foto: phs)

Hochwassereinsatz am Deich

Bleckede. Mehrere Tonnen Sandsäcke wurden gefüllt, geschleppt und zur Deichsicherung verbaut – übungsweise: Der erste Pilotlehrgang „Deichverteidigung“ für die Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Lüneburg hat am Sonnabend in Bleckede seine Premiere gefeiert. Rund 30 Teilnehmer lernten auf dem Gelände der Feuerwehr Bleckede, dass es aber alleine nicht ausreicht, nur Sandsäcke auf einen Deich zu legen, um ihn gegen den Druck eines Jahrhunderthochwassers zu sichern. Ganz im Gegenteil: Denn zuviele Sandsäcke an der falschen Stelle können erst recht dazu führen, dass die Barriere im Ernstfall bricht. „Man muss den Deich lesen können“, sagt Ortsbrandmeister Lorenz Reimers.

Bleckedes Feuerwehrsprecher Carsten Schmidt sagte: „Wir haben jetzt vier Mal Jahrhunderthochwasser in Bleckede gehabt und wir haben vier Mal die Elbe vor dem Deich gehalten. Aber wir können noch besser werden, wenn wir mehr Einsatzkräfte fundiert ausbilden, wie der Deich funktioniert und wie Sandsäcke gefüllt und verlegt werden. Dann können wir effektiver arbeiten und sind für künftige Hochwasser gewappnet.“ Hartmut Burmester, Deichhauptmann des Art­lenburger Deichverbands sagt: „Wir hoffen, dass der Lehrgang auf breiter Basis angenommen wird. Er steht allen Feuerwehren des Landkreises offen.“

Fangedamm aus Sandsäcken

Nach einer theoretischen Einführung wurde körperlich schwer gearbeitet. Dafür stand auf dem Gelände ein Sandlager in Form eines Übungsdeiches bereit. Durchzogen von Schläuchen wurde der Übungsdeich später unter Wasser gesetzt, damit die Teilnehmer unter realistischen Bedingungen einen Fangedamm aus Sandsäcken bauen konnten.

An der Übung nahmen vor allem Einsatzkräfte aus Bleckede teil. Viele von ihnen sind bereits erfahren in mehrfachen Hochwassereinsätzen. So gaben neben den Ausbildern auch die Kameraden ihre Kenntnisse untereinander weiter. So berichtete Burkhard Popp, Ortsbrandmeister in Wendewisch, was passieren kann, wenn zuviele Sandsäcke zur Verstärkung des Deichfußes eingesetzt werden.

„Die Erde muss drinbleiben, das Wasser raus.“ Lorenz Reimers, Ortsbrandmeister Bleckede

Popp erinnerte an Helfer der Bundeswehr, die 2013 einen Deichabschnitt palettenweise mit Sandsäcken quasi versiegelten und schließlich einen Großteil wieder abräumen mussten. Denn auch bei einem Deich muss das Wasser durchfließen können. Popp: „Der Deich bläht sich sonst auf wie ein Pilz und dann macht es irgendwann plupp!“ Denn Wasser sucht sich seinen Weg. Und wenn die Sandsäcke am Deichfuß zu dicht liegen, steigt die sogenannte Sickerlinie innerhalb des Deichkörpers nach oben. Und irgendwann bricht das Wasser dann an einer oberen Stelle heraus, wo weniger Gegendruck herrscht. Ortsbrandmeister Lorenz Reimers bringt es auf die Formel: „Die Erde muss drin bleiben, das Wasser raus.“

Für die fachlichen Fragen wird der Lehrgang neben dem Deichverband auch vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz) unterstützt. Als einer von zwei Beobachtern war Heiko Warnecke von der Geschäftsstelle Lüneburg dabei. Der Dezernent für „Planung und Bau“ sagte: „Der neue Lehrgang ist eine sehr gute Gelegenheit, die Feuerwehren, Deichverband und den NLWKN zusammenzubringen, um gemeinsam als Netzwerk für die gute Deichverteidigung sorgen zu können.“ Zwei weitere Mitarbeiter des Landesbetriebs nahmen mit den Feuerwehrleuten an dem praktischen Lehrgang teil.

Sandsackabfüllmaschine kommt zum Einsatz

An drei Stationen wurde die Sandsackproduktion geprobt. Zum Einsatz kam eine Abfüllmaschine des Landkreises. Über ein Förderband wurden Zug um Zug 800 Liter Sand in das Rührwerk der Maschine geworfen. Marko Wolter von der Feuerwehr Walmsburg legte den Hebel der Schüttöffnung um. Das Material fiel in den von Bärbel Dieminger (Rosenthal) bereitgehaltenen Sack. Der wurde über eine Menschenkette weitergereicht, zugenäht und auf Paletten verstaut. Initiiert hat den Lehrgang Bleckedes ehemaliger Stadtbrandmeister Henning Banse. „Ich bin sehr zufrieden. Die Kameraden und die Ausbilder sind hochmotiviert. Ich bin froh, dass das alle so gut angenommen wird, auch in der Hoffnung, dass kein Hochwasser mehr kommen möge.“

Von Dennis Thomas