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Mit dem Saisonstart sind auch die Schattenseiten des Motorradfahrens zurück: Schwer verletzt wurden bei einem Unfall in der Gemeinde Amt Neuhaus am Wochenende zwei Motorradfahrer. (Foto: Schweinsberg)
Mit dem Saisonstart sind auch die Schattenseiten des Motorradfahrens zurück: Schwer verletzt wurden bei einem Unfall in der Gemeinde Amt Neuhaus am Wochenende zwei Motorradfahrer. (Foto: Schweinsberg)

Keine Frage des Alters

Lüneburg. Der Frühling ist da. Und mit den ersten warmen Sonnenstrahlen sind auch die Motorradfahrer wieder zurück auf den Straßen. Aber es sind vor allem auch viele Ältere – Generation Ü 50 –, die die Lust am Motorrad (wieder)entdecken. „Der Club der greisen Biker“ titelte bereits vor Jahren überspitzt das Nachrichtenmagazin Spiegel.

In der Tat sind die Maschinen von Harley-Davidson und Co. vom „Symbol des Anti-Establishments“ längst zum „Prestigeobjekt und Statussymbol des Establishments“ geworden. Ob Rechtsanwälte, Mediziner, Lehrer, Handwerker oder Angestellter – sie alle finden es cool, den Business-Anzug oder den Blaumann gegen die Lederkluft zu tauschen und mit der Maschine lässig über die Landstraßen zu brettern. Viele in einem Alter, in dem die meisten gerne mit ihrem SUV gemütlich unterwegs sind.

418 922 Motorräder (Stand 1. Januar 2018) sind allein in Niedersachsen zugelassen – Tendenz steigend. Nach Angaben des ADAC sind aktuell bundesweit sogar mehr als vier Millionen Krafträder unterwegs. Doch die „Lust auf zwei Rädern“ birgt auch Gefahren – gerade zu Beginn der Zweiradsaison.

So sind am Wochenende beispielsweise bei Sumte im Amt Neuhaus zwei Motorradfahrer bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt worden. Auf der Bundesstraße 195 hatte ein 69-jähriger Harley-Fahrer die Kontrolle über sein Bike verloren und stürzte in den Gegenverkehr. Ein 32-jähriger Honda-Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen, es kam zum Zusammenprall (LZ berichtete).

Unfälle haben meist schwere Verletzungen zur Folge

Kein Einzelfall: Ob im hessischen Gießen, auf der Autobahn 4, in Römhild (Kreis Hildburghausen) oder im Rhein-Sieg-Kreis kamen Motoradfahrer am vergangenen Wochenende bei Unfällen zu Schaden.

Es ist kein Geheimnis, dass Biker meist schwere Verletzungen davontragen, wenn sie in einen Unfall im Straßenverkehr verwickelt werden. Aufgrund der nicht vorhandenen Knautschzone sind gerade Biker bei einem Verkehrsunfall vor schweren bis tödlichen Verletzungen nicht gefeit. Das Unfallrisiko ist bei einem Motorrad laut Unfallstatistik dreimal höher als bei einem Pkw. Und weiter heißt es: Jedes fünfte Todesopfer im Verkehr ist ein Motorradfahrer.

Die Gründe für die Unfälle sind vielfältig – aber laut Unfallstatistik in nur 28 Prozent (Stand 2015) vom Motorradfahrer selbst verschuldet.

Nichtsdestotrotz ist die Faszination von der „Freiheit auf zwei Rädern“ ungetrübt: Motorradfahrlehrer schätzen, dass die Generation 50plus heute schon etwa 35 Prozent der Fahrschüler ausmachen. Ein kleiner Prozentsatz davon sei sogar schon zwischen 70 und 80 Jahre alt. Doch während Biker an sich immer älter werden, bleibt der Nachwuchs aus. Der durchschnittliche Motorradfahrer ist heute 42 Jahre alt, stellt ein Sprecher des Instituts für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen fest.

Dabei habe fast die Hälfte der neuen Alten noch nie zuvor auf einem Motorrad gesessen. Viele von ihnen waren bislang mit der Karriere, Kindern und der Familie beschäftigt.

Und noch etwas wird beim Blick in die Statistik deutlich: Immer mehr Frauen begnügen sich nicht mehr damit, nur als Sozia den Fahrgenuss zu erleben. Sie wollen selbst am Gashahn drehen: Die Zahl der Motorräder, die auf Frauen zugelassen werden, nimmt daher stetig zu. Auch das ist ein Ausdruck von Emanzipation.

Tipps der Polizei

So fahren Biker sicher

„Mit Umsicht in die Saison!“ lautet das Motto der Aktion, mit der die Polizei auf die beginnende Zweiradsaison aufmerksam macht. Die Beamten raten den Bikern: „Nehmen Sie sich bei Ihrer ersten Ausfahrt Zeit, konzentrieren Sie sich auf ihr Motorrad.“ Denn an die Maschine und die Bewegungsabläufe müsse man sich nach der langen Winterzeit erst wieder gewöhnen. Idealerweise sollten Biker laut Polizei vor dem Start in die Zweiradsaison ein Sicherheitstraining absolvieren.
Auch die Autofahrer müssten im Frühjahr erst wieder registrieren, dass Zweiradfahrer im Straßenverkehr unterwegs sind. Besonders die schmale Silhouette und die starke Beschleunigung können für Biker schnell zum Risiko werden. Dann, wenn sie von den Autofahrern übersehen werden. Die Polizei rät deshalb: Niemals ohne Licht und immer mit Schutzkleidung fahren. Defensiv fahren und das eigene Fahrverhalten dem Zustand der Fahrbahn anpassen.

Von Klaus Reschke

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