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So wie hier bei Döhle sind insgesamt fast 60 Eichen in unterschiedlichen Bereichen der Lüneburger Heide für ein Artenschutz-Projekt gefällt worden. Und die Aktion ist noch nicht beendet. Foto: privat

Fällaktion für Wiesenvögel

Döhle. Die Grünen sind entsetzt: Zahlreiche Bäume sind in den vergangenen Wochen im Naturschutzpark Lüneburger Heide gefällt worden, auch in Wilsede erinnern nu r noch glatte Stümpfe an rund 20 alte Eichen und Buchen (siehe Info-Box). „Wer zum Beispiel in Döhle die Auebrücke in Richtung Schafstall überquert ist sprachlos. Das Ausmaß der gefällten Bäume in dem schützenswerten Gehölzstreifen am Wiesental lässt jeden Spaziergänger verwundern“, teilt der grüne Ortsverband Hanstedt/Salzhausen mit. „Dort wurden 56 Eichen, davon 33 mit einem Durchmesser von mindestens 45 Zentimeter, eine große Buche, zehn Kiefern und 15 Erlen und Birken gefällt. Und das mitten im Naturschutzgebiet“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Wiesenvogelschutz-Projekt der VNP-Stiftung Naturschutzpark

Beendet sind die Fällaktionen jedoch noch lange nicht. Insgesamt sollen mehr als 10.000 Bäume in einem rund sechs Hektar großen Bereich im Naturschutzpark Lüneburger Heide fallen. Grund dafür sind jedoch keine Baupläne – sondern paradoxerweise eine Naturschutzmaßnahme. „Dabei handelt sich um ein Wiesenvogelschutz-Projekt der VNP-Stiftung Naturschutzpark“, erklärt Matthias Zimmermann, Geschäftsführer des Vereins Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP). Das Ziel des Projektes sei es, die Bestandsentwicklung der Wiesenvögel wie Kiebitz, Großer Brachvogel oder Bekassine durch Erhaltung und Wiederherstellung des Lebensraumes zu stabilisieren und sich somit vom landes- und bundesweiten Negativtrend abzuheben. Dazu erklärt Steffen Albers, Fachbereichsleiter der VNP-Stiftung: „Wiesenvögel brauchen viel Platz, um Feinde frühzeitig zu sehen. Für Greifvögel, die hoch oben in Bäumen sitzen, sind die Wiesenvögel leichte Beute.“

Gesamtfläche von etwa 600 Hektar

Deshalb soll der Lebensraum verschiedener Wiesenvogelarten optimiert werden – gefördert mit EU-Mitteln. Durch Gehölzentnahmen und Entkusselungsarbeiten sollen großräumig zusammenhängende, offene Flächen geschaffen werden. Im Klartext: Mehr als 10.000 Bäume ab einer Höhe von drei Metern werden gefällt. Die zwei Projektgebiete, in denen die Arbeiten noch bis etwa 2022 umgesetzt werden, umfassen zum einen das „Twißelmoor“ bis zum Tütsberger Grünland sowie die Hörpeler Heide mit den angrenzenden Grünlandflächen mit einer Gesamtfläche von etwa 600 Hektar. Albers verteidigt das Projekt. „Natürlich klingt das erstmal schlimm. Aber man muss immer unterscheiden, aus welchem Grund etwas gemacht wird.“

Kommuniziert worden sind die Pläne aber offenbar nicht gut genug. So heißt es in der Pressemitteilung der Grünen: „Es wird der Eindruck erweckt, dass hierbei nicht der Naturschutz, sondern nur wirtschaftliche Interessen im Vordergrund gestanden haben. Anders kann diese unsensible Maßnahme nicht erklärt werden. Naturfreunde sind über das Vorgehen entsetzt und traurig. Sieht so aus Steuermitteln geförderter Naturschutz aus?“ Auch hätten sich zahlreiche Spaziergänger und Bürger gemeldet und seien empört, berichtet Kathrin Jordan von den Salzhäuser Grünen. Für die Umweltfreunde um ihren Vorsitzenden Joachim Bartels steht der Kahlschlag in der Heide im Widerspruch zum Hauptziel des VNP: dem Naturschutz. „Während einige Ortsräte in den Dörfern überlegen, wie sie für ihre Bürger Anreize schaffen können, alte Eichen und Buchen auf ihren Grundstücken zu schützen und zu erhalten, wird im Naturschutzgebiet außerhalb des Waldes radikal abgeholzt“, kritisieren die Grünen. Das Gespräch mit dem VNP gesucht, haben aber auch die Grünen nicht.

Von Patricia Luft

Sturmschäden

Bäume fallen in Wilsede

Nicht zum Schutze von Wiesenvögeln, dafür aber zum Schutze des Menschen diente die Fällung von mindestens 20 ortsbildprägenden, zum Teil 200 Jahre alten Eichen und Buchen in der denkmalgeschützten Ortsmitte in Wilsede. Grund für diese Maßnahme waren laut VNP-Fachbereichsleiter Steffen Albers die Stürme im vergangenen Sommer. „Die Bäume, die in Wilsede entnommen wurden, standen alle direkt an der Straße. Manche von ihnen waren bereits schief. Sie wurden gefällt, da die Gefahr bestand, dass sie bei starkem Wind auf die Fahrbahn stürzen und jemanden verletzen.“ Für Hilke Beer von den Salzhäuser Grünen dennoch ein Verlust: „Diese Eichen haben viele Generationen erlebt und könnten Geschichten erzählen, die jetzt verstummen.“

3 Kommentare

  1. Was für eine hahnebüchene Begründung! Die beleidigt den Verstand eines Jeden!

    Wer noch halbwegs Zugang zu seinem Herz hat, erkennt, daß dies eine unhaublich böswillige Aktion ist.

    Bitte erzählt allen davon und helft, dieses groteske Unheil abzuwenden!

    Der Wald ist das Herz unseres Landes! Und ja: es ist UNSER Land!

  2. Ich komme aus Hörpel und war beim letzten Spaziergang durch die Heide erschrocken, enttäuscht, wütend und auch traurig. Das war auf so vielen Wegen Falsch!

    Die nahe gelegene A7 hallt nun ungeschützt in die Heideflächen, es ist laut. Die Wege sind von den Maßnahmen zur Unkenntlichkeit zerstört (aus Erfahrung mit den anderen Wegen um Hörpel ist auch nicht zu erwarten, dass das wieder hergestellt wird) und alles, was sie nicht verkaufen oder selbst verheizen konnten, wurde einfach wie Kraut und Rüben liegen gelassen. Baumstümpfe überall. Selbst die Bäume ums Saarloch – weg. Die Heideflächen dienen ja auch der Erholung und nicht zuletzt dem Tourismus. Wen lockt man mit Harvesterstraßen und Straßenlärm denn in die Heide?

    Hier wurde sinnlos ohne Gefühl für die Landschaft gewaltet und, daran zweifeln die wenigsten, zur Bereicherung des VNPs. Ich halte die Maßnahme für sinnlos, da nicht alle angrenzenden Waldflächen auch dem VNP gehören. Zudem erwarte ich von einem sogenannten Naturschutzverein Ausgleichsflächen und für unsere Heide eine Lärmschutzwand. Die natürliche haben sie uns ja genommen.

  3. Die denken wohl der Bürger glaubt auch an den Weihnachtsmann. Unsägliche Begründung für die Fällaktionen in Döhle und Wilsede und im Naturschutzgebiet. („Wiesenvogelprojekt“, deshalb soll der Lebensraum verschiedener Wiesenvogelarten optimiert werden – das Ganze gefördert mit EU-Mitteln? Unglaublich!)

    Der Verein wird aus dem Staatssäckel gefördert, und hier werden munter 200 Jahre alte Eichen gefällt.

    Ein Schelm wer Böses dabei denkt! Holz ist zur Zeit sehr gefragt. Wer da dran verdient sei noch dahingestellt.

    Aber sie sägen am eigenen Ast, die Region ist bei den Touristen wegen ihrer Ursprünglichkeit beliebt, besonders die kleinen Heideorte.

    Aber man muss immer unterscheiden, aus welchem Grund etwas gemacht wird. (Zitat VNP) Das leuchtet mir ein.