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Der Brockwinkler Weg, der Lüneburg mit Reppenstedt verbindet, wird jetzt schon von vielen Autofahrern genutzt. Ein Ausbau würde noch mehr Verkehr ziehen, kritisiert die Initiative Brockwinkel. Sie plädiert für eine Fahrradstraße. Die Stadt sagt, dass das aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist. (Foto: Behns)
Der Brockwinkler Weg, der Lüneburg mit Reppenstedt verbindet, wird jetzt schon von vielen Autofahrern genutzt. Ein Ausbau würde noch mehr Verkehr ziehen, kritisiert die Initiative Brockwinkel. Sie plädiert für eine Fahrradstraße. Die Stadt sagt, dass das aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist. (Foto: Behns)

Radfahrer sollen Vorfahrt haben

Lüneburg. Immer wieder gibt es Klagen über Radwege in Lüneburg. Im vergangenen Dezember hatte die Verwaltung der Hansestadt im Verkehrsausschuss Vorschläge zur Verbesserung gemacht. Dazu gehörte auch die Verbreiterung des Brockwinkler Weges um zwei Meter. So könnten vom Ortsausgang Lüneburg bis zum Ortseingang Reppenstedt auf jeder Seite Fahrradschutzstreifen entstehen. Kritik kommt nun von der Initiative Brockwinkel. Und auch die Fraktion der Grünen im Stadtrat spricht sich gegen einen Ausbau aus.

Die Initiative meldet sich zu Wort, weil der Kreisausschuss für Wirtschaft, Touristik, Verkehrsplanung und ÖPNV heute über die Mittel des Kommunalen Strukturentwicklungsfonds aus dem Haushalt 2018 berät. Darin enthalten auch der Posten von 100 000 Euro für den Ausbau des Brockwinkler Weges. Insgesamt sind dafür rund 245 000 Euro veranschlagt.

Durchgangsverkehr nimmt stark zu

Grundsätzlich begrüße man, dass das Radwegenetz ausgebaut werden soll, heißt es seitens der Initiative. Doch der Durchgangsverkehr über den Brockwinkler Weg von Lüneburg nach Reppenstedt habe inzwischen bereits erheblich zugenommen. Laut einer Verkehrszählung der Initiative im Herbst 2016 habe er schon damals um 40 Prozent zugelegt. Ein Ausbau der Straße werde das noch weiter forcieren. „Wird nun durch das Vorhaben der Errichtung eines Fahrradschutzstreifens die Straße Brockwinkler Weg außerorts verbreitert, erhöht sich die Attraktivität dieses Schleichweges nur noch zusätzlich“, warnt Beate Friedrich. Und sie sieht auch die Gefahr, dass Autos dann mit 70 km/h an den Radfahrern vorbeipreschen.

Um wirksam Sicherheit für Radfahrende zu erreichen, bedürfe es entweder einer baulich getrennten Streckenführung für Radfahrende oder, wenn dies nicht möglich sei, einer deutlichen Geschwindigkeitsreduzierung für den Kfz-Verkehr. Besser noch einer Reduzierung des Kfz-Aufkommens. Beides erreiche man aber nicht mit einem Ausbau der Straße. Die bessere und kostengünstigere Lösung aus Sicht der Initiative Brockwinkel wäre allerdings eine „Fahrradstraße auf dem gesamten Brockwinkler Weg und dann weiter bis nach Reppenstedt“, so Beate Friedrich. Eine solche wäre laut Johannes Plotzki Kfz-benutzungsfrei. Aber dann gilt dort Tempo 30 und Radfahrer haben Vorfahrt.

Rechtliche Hürden

Eine Fahrradstraße sieht auch die Fraktion der Grünen im Stadtrat als die „optimale Lösung, die den motorisierten Individualverkehr dämpft“, macht der Fraktionsvorsitzende Ulrich Blanck deutlich. Angesichts des geplanten Baugebietes Wienebütteler Weg seien Maßnahmen, die zu mehr Verkehr führen, das falsche Signal. „Es gibt ohnehin große verkehrliche Probleme bei der Realisierung des Baugebietes.“ Er verweist auch darauf, dass das Thema Ausbau des Brockwinkler Weges eigentlich in der März-Sitzung des Verkehrsausschusses diskutiert werden sollte. Dort hätten die Grünen ihre Position deutlich gemacht. Doch der Ausschuss sei 20 Stunden vor Sitzungsbeginn abgesagt worden. Da es keinen Beschluss vom Rat zum Ausbau gebe, sei eine Diskussion über die Vergabe von Mitteln aus dem Strukturentwicklungsfonds der falsche Zeitpunkt.

Laut Stadt ist eine Fahrradstraße dort aus rechtlichen Gründen nicht möglich, weil es ein Gemeindeverbindungsweg ist. Die Ausbaupläne stünden im Zusammenhang mit der Erschließung des Baugebietes Wienebütteler Weg „und gehen auf Anregungen aus der Bürgerschaft zurück. Geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen werden Bestandteil der Feinplanung sein, die auch öffentlich vorgestellt wird“, erklärt Pressesprecherin Suzanne Moenck.

Von Antje Schäfer

3 Kommentare

  1. Es reicht eben nicht ein Neubaugebiet nach dem anderen zu erschließen. Infrastruktur .. spricht u.a. Verkehrsanbindung gehört auch dazu. Das wird in Lüneburg aber gerne vergessen. Man siehe auch nur die Verbindung (Öffis & Auto) nach HH. Immer mehr Pendler (durch immer mehr Neubaugebiete in/um LG) .. und investiert wird nichts.

  2. Lüneburg-Lover

    Fahrradstrasse? So ein Blödsinn. Ebenso Blödsinn ist die Zunahme des Verkehrs dort. Ich zähle immer max. 10 entgegenkommende Autos. Und daß man mit 70 km/h an den Radfahrern vorbeipreschen kann, ist ebenso Murks. Die Überholmanöver finden alle sehr langsam statt, weil die asphaltierte Strasse doch sehr schmal ist. Die Autofahrer meiden zudem die Pfützen (Lüneburger Seenplatte) bzw. die Schlaglöcher am linken und rechten Rand. Ich befürworte den Ausbau auf eine zweispurige Strasse ohne Radwege. Denn die gibts es auf der LüLa ein paar 100m weiter südlich. Und nebenbei: Was ist mit dem Ho-Chi-Minh-Pfad zwischen Reppenstedt und Vögelsen? Der muß dringenst asphaltiert werden.

    • Joachim Rosenthal

      Stimmt genau, ich frag mich eh schon die ganze Zeit, was dieses unnütze Zwischendings zwischen den Straßen überhaupt für´n Sinn hat. Wäre es nicht viel besser, wenn die Häuser eher so auf einer Art Verkehrsinseln gebaut werden und drumherum nur die Straße? Also komplett nur Straßenbelag (guter Asphalt und bitte kein Schotter mit Pfützen und Dreck). Oder noch besser, so wie beim Autoscooter, also ganz ohne Straßen, nur noch Fahrbahn. Und darin dann die Verkehrsinseln mit den Häusern. Das sollen die mal vorschlagen.

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