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Volkmar Hinz von der Landwirtschaftskammer zeigt bei der Besatzaktion die Glasaale. Foto: phs

107 Kilo Aale für die Elbe

Bleckede. 107 Kilogramm junge Glasaale wurden am Mittwoch in die Elbe gesetzt – und damit etwa 320.000 rund sechs Zentimeter große und 0,3 Gramm schwere Hoffnun gsträger für den Fluss. Zum 13. Mal fand die Besatzaktion von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei statt, die die Zukunft der Aale sichert.

Der Aalbestand in europäischen Gewässern ist in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. Abhilfe leisten zahlreiche Aktionen europaweit. Eine Aktion zum Wiederaufbau des Aalbestandes ist auch die Besatzaktion an der Elbe, die am Mittwoch wieder stattfand – später als in den Jahren zuvor. „In Frankreich sowie an den Küsten und in den Flussmündungen Spaniens und Englands, wo die Tiere gefangen werden, war es noch zu kalt“, erklärte Volkmar Hinz, Leiter des Fachbereichs Fischerei bei der Landwirtschaftskammer.

13 Großverteilerstellen am West- und Ostufer der Elbe

Am Mittwochvormittag aber war es so weit. Gespannt warteten Mitarbeiter der niedersächsischen Landwirtschaftskammer, Fischer und Angler der Gemeinschaftsinitiative Elbefischerei sowie einige neugierige Zuschauer am Fähranleger in Bleckede auf den Transporter, der die kostbare Fracht liefern sollte: junge Glasaale – einen Tag zuvor gefangen an der französischen Atlantikküste.

Nach dem Eintreffen machte sich Volkmar Hinz schließlich direkt an die Arbeit. Er öffnete vorsichtig eine der großen, mit Sauerstoff befüllten Styroporkisten, in denen die winzigen, durchscheinenden Glasaale transportiert werden. Damit stapfte er mit grüner Wathose bekleidet in die Elbe – und gab den Inhalt behutsam ins Wasser. „Man muss darauf achten, dass die Tiere nicht verletzt oder tot sind“, erklärte er. Der Rest der insgesamt 320.000 Tiere wurde schließlich mit einem Boot an insgesamt 13 Großverteilerstellen am West- und Ostufer der Elbe sowie in vielen Nebengewässern von Geesthacht bis Schnackenburg verteilt.

Aale laichen nur in der Sargassosee ab

Rund zehn Jahre werden die etwa zwei bis drei Jahre alten Tiere nun in der Elbe leben, bevor sie geschlechtsreif werden und zum Laichen in ihr Ursprungsgewässer, dem Atlantik, zurückkehren. Noch immer ist man zum Schutz des Aalbestandes auf solche Besatzaktionen angewiesen, erklärte Franz Suhrke, Koordinator für den Fischbesatz an der Elbe: „Man kriegt Aale noch immer nicht in Gefangenschaft gezüchtet – sie laichen nur in der Sargassosee ab. Danach sterben sie.“

Die Kosten für das Projekt übernehmen zu 60 Prozent die EU und das Land. Den Rest zahlt die Gemeinschaftsinitiative Elbfischerei (GI-Elbe). Sie besteht aus Vertretern der Landesfischereiverbände und Elbfischern aus Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Von Patricia Luft

Hintergrund

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Zur Bestandssicherung des Aals hat die EU 2007 eine Aal-Verordnung erlassen. Jeder Mitgliedsstaat erstellte Managementpläne und setzt diese seither um. Das Ziel: den Aalbestand zu stabilisieren und zu vergrößern. Neben Niedersachsen führen auch andere Bundesländer im Einzugsbereich der Elbe Aalbesatzmaßnahmen durch. Die Ergebnisse lassen sich frühestens in einigen Jahren abschätzen. Ein erster Erfolg des langfristig angelegten Bestandsaufbaus: Das Glasaalaufkommen steigt seit 2011, dem Jahr mit dem niedrigsten Wert, wieder an.

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