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Sie halten das Team zusammen: (v.l.) Cora Althusmann, Corinna Krome, Eva Kern und Mark Beelmann. (Foto: t&w)
Sie halten das Team zusammen: (v.l.) Cora Althusmann, Corinna Krome, Eva Kern und Mark Beelmann. (Foto: t&w)

Wenn die Herkunft keine Rolle spielt

Lüneburg. Bei einer Hausführung darf ein Rundgang durch die ­Toilettenräume nicht fehlen, vor allem nicht im neuen „Mosaique – Haus der Kulturen“. Dort sind keine weißen Wände zu bestaunen, keine einfachen Sanitäranlagen. Es sind Tausende bunte Fliesen, die die Räume verzieren, sie zu Kunstwerken machen. Auch Wajeeh Taha hat sich an den lebensgroßen Figuren, die Spiegel und Handtuchhalter umschließen, noch nicht satt gesehen. Und das, obwohl er in den vergangenen Monaten fast täglich bei den Arbeiten mitangepackt hat. „Das ist was ganz Besonderes“, sagt der 24-Jährige, der die Gäste jetzt vor der offiziellen Eröffnungsfeier in kleinen Gruppen durch das Gebäude geführt hat.

700 Quadratmeter Fläche umfasst das Haus der Kulturen an der Katzenstraße. Es möchte nicht nur eine Anlaufstelle für Menschen jeden Alters und jeglicher Herkunft sein, sondern ­Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen das Ausrichten von Veranstaltungen ermöglichen, zudem Geflüchtete beraten und unterstützen.

Wohnraum auf zwei Etagen

Auch bietet das Mosaique auf zwei Etagen Wohnraum: 15 Personen können dort heimisch werden. Taha zählt dazu, der 24-jährige Syrer hat vor einigen Tagen sein Zimmer in einer Vierer-WG bezogen. In der Wohnung ein Stockwerk höher leben bereits vier Mieter aus China, Afghanistan, Deutschland und dem Sudan, ein Zimmer ist noch frei. Auch für Familien und Personen, die alleine leben möchten, gibt es in dem Haus Platz.

Der junge Mann aus Syrien, der sich anfangs auch im Öffentlichkeitsteam des Vereins „Mosaique“ engagiert hat und zurzeit eine Ausbildung zum Koch absolviert, fühlt sich schon jetzt heimisch. „Ich kann jeden Tag herkommen, mich mit vielen Leuten unterhalten, entspannen.“ Im Veranstaltungsraum im Erdgeschoss sei immer etwas los. Gern übernimmt Wajeeh Taha als ehrenamtlicher Helfer mal eine Saalschicht. Denn darauf beruht die Idee von Mosaique.

Mosaique bündelt Organisationen

Den Belastungstest hat die Fläche am Dienstagabend erfolgreich überstanden, rund 200 Menschen haben den Raum bevölkert und sich bei der offiziellen Eröffnung einen ersten Eindruck verschafft. Unter den Gästen waren auch viele junge Leute, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, in Lüneburg ein neues Zuhause gefunden haben. Das Mosaique bündelt Organisationen, die in der Arbeit mit Geflüchteten sehr aktiv sind, bislang aber noch keine gemeinsame Wirkungsstätte hatten. So können dort sowohl die amikeco-Willkommensinitiative und das Welcome and Learning Center angetroffen werden. Sie bieten unter anderem Sprachkurse, Nachhilfestunden, Beratungen und Hilfestellungen bei Alltagsfragen und Behördengängen.

„Die Grundfrage von Mosaique ist sehr alt. Es geht darum, wie wir alle nachhaltig und friedlich miteinander leben können“, sagte Corinna Krome, Initiatorin des Projekts, jetzt zu den Gästen. „Ein Mosaik ist ein Kunstwerk, das nur funktionieren kann, wenn jeder Mensch eine Rolle spielt und etwas beiträgt.“

Die Idee war Corinna Krome vor fünf Jahren gekommen, da hatte sie auch schon Oberbürgermeister Ulrich Mädge angesprochen. Nicht nur deshalb war es ihm ein Anliegen, bei der Eröffnung Glückwünsche auszusprechen. „Hier kann Integration gemeinsam vonstattengehen.“ Das Thema könnten Kommunalpolitiker und Verwaltung nicht alleine stemmen, „wir brauchen Organisationen, die uns dabei helfen“.

Mosaique

Heimat für Initiativen

Nicht nur die amikeco-Willkommensinitiative und das Welcome and Learning Center nutzen die Räumlichkeiten in der Katzenstraße. Die Zahl der Kooperationspartner nimmt stetig zu. Da ist beispielsweise der Kulturverein Culturado, der auch an den Baumaßnahmen einen erheblichen Anteil hat. Verbindungen bestehen unter anderem auch zum Kulturgarten, zur Buchhandlung Lünebuch, zum Lüneburger Theater, zum Salzmuseum und zur Musikschule. Und auch die Leuphana ist beispielsweise über das Bündnis „Hochschule ohne Grenzen“ beteiligt. Ein Kalender, der unter mosaique-lueneburg.de/kalender im Internet zu finden ist, listet die verschiedenen Aktivitäten und Angebote im Mosaique auf.

Montags bis freitags von 14 bis 19 Uhr dient das Haus der Kulturen als offene Begegnungsstätte, vormittags finden angeleitete Kurse/Workshops wie Yoga oder Swing statt, abends können Initiativen und Organisationen den Saal für Veranstaltungen nutzen.

Von Anna Paarmann

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