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Immer weniger geeignete Blüten stehen Bienen bei der Nahrungssuche zur Verfügung. (Foto: Haase)
Immer weniger geeignete Blüten stehen Bienen bei der Nahrungssuche zur Verfügung. (Foto: Haase)

„Bienen die Nahrung vom Teller gezogen“

Bleckede/Alt Garge. Aufregung in Bleckede: Arbeiter des Bleckeder Bauhofes waren gestern dabei, blühende Weiden entlang des alten Elberadweges, Abschnitt Bleckede/Alt Garge, zu fällen, beziehungsweise zurückzuschneiden. Nicht nur für Petra Westermayer aus Alt Garge ein Umweltfrevel: Mit dem Rückschnitt werde den Bienen „das ohnehin noch schmale Futterangebot noch weiter verknappt“, empört sich die Imkerin. Zudem habe der Kettensägeneinsatz im Biosphärenreservat stattgefunden, im Gebietsteil C „Große Marsch mit Bauersee“ – eine Region, die eine herausragende Bedeutung für den Naturschutz und das Natur­erleben habe. Darauf weisen entsprechende Hinweistafeln im Biosphärenreservat hin.

„Warum müssen solche Arbeiten ausgrechnet jetzt zur Blütezeit ausgeführt werden?“, will Westermayer wissen. Den Rückschnitt hätte man genauso gut vor oder nach der Blüte durchführen können“, ist sie überzeugt.

Verkehrssicherung geht vor

Das sieht auch Peter Schubert so: „Vor wenigen Wochen ließ Bleckedes Bürgermeister Jens Böther einen halben Kilometer Hecke zerstören. Jetzt reißt er tausenden Bienen die erste Nahrung vom Teller!“, macht der Bleckeder gegenüber der Landeszeitung seinem Unmut Luft.

Es handelte sich um eine Maßnahme im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht“, hieß es gestern aus dem Bleckeder Rathaus. Und der Landkreis sagt auf LZ-Anfrage: „Sicher wäre es im Interesse der Bienen gewesen, wenn die Stadt Bleckede die Rückschnittarbeiten vor der Blüte durchgeführt hätte“, pflichtet Kreissprecherin Katrin Holzmann Petra Westermayer und ihren Mitstreitern bei. Einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz aber habe die Stadt mit dem Rückschnitt auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht begangen, da die Arbeiten im Zuge von Verkehrssicherungsmaßnahmen durchgeführt worden seien. Denn die hätten Priorität – am Ende auch gegenüber dem Naturschutz. kre

2 Kommentare

  1. Traurig, das Vorgehen der Bleckeder Verwaltung, aber die Meldung passt in diesem Frühling gut ins Bild: Zwar ist die Problematik des Bienen- und Insektensterbens allseits bekannt, aber in vielen Gemeindeverwaltungen scheint es dennoch keinerlei Sensibilität für Umweltbelange zu geben,- dafür ist man mit Rechtfertigungen für Abholzungen und Radikal-Rückschnitte umso schneller bei der Hand. Im Kontext denke ich gerade an diese diese LZ-Meldung:
    https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/bienenbuettel/1523642-kettensaege-contra-fallobst
    Und selbst in „fachlich versierten“ Kreisen hat man offensichtlich nicht verstanden, dass viele Eingriffe der Natur mehr schaden als nutzen. Der LZ-Artikel erwähnt zurecht auch die (grotesken) Kettensägeneinsätze im Biosphärenreservat Elbtalaue, bei denen zahlreiche Weiden gefällt werden, mit der Begründung „der Verbuschung“ müsse Einhalt geboten werden und nur so könne der „Abfluss der Elbe“ verbessert werden. Dafür reicht es offensichtlich aus, wenn das ein „Dipl. Ing.“ am Computer so durchgerechnet hat.
    Parallel dazu streift dann eine berittene Polizei- und Ranger-Staffel durchs Biospähren-Reservat und weist erholungssuchende Senioren darauf hin, dass sie ihren Zwergpinscher an die Leine nehmen müssen, – während auf dem Wasser, keine 30 Meter weiter, die Jet-Boats röhrend ihre Furche durchs Wasser ziehen und die Biber Reißaus nehmen … Vielleicht müssen wir unsere Grünflächen-, Reservats- und Naturschutzkonzepte doch noch mal überdenken? Bedingungsloses Grundeinkommen für alle, und dann, statt ABM-Maßnahme und Arbeitseinsatz im Gehölz-Rückschnitt, die Natur einfach mal in Ruhe lassen? Gründe, an der Vernunft und am Sachverstand berufener Stellen und Institutionen zu zweifeln, gibt es in diesen Tagen m. E. jedenfallls mehr als genug: https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/1546802-faellaktion-fuer-wiesenvoegel

  2. Marion Bansemer

    Liebe Frau Westermayer,
    ihren Unmut kann ich verstehen.Jeden Tag erscheinen Berichte über das Erhalten unserer Bienen,Schmetterlinge,Vögel,Kröten usw.Die Nabu und der BUND geben sich wirklich Mühe,wie z.B. das Blumenpflanzen auf den Friedhöfen oder in unseren heimischen Gärten.
    Die Gemeindeverwaltungen schneiden und sägen ohne nachzudenken,denn einige Vögel haben sich schon Brutplätze gesucht und auch die Bienen und Hummeln sind schon aktiv.Ich kenne die Elbtalaue sehr gut und bin
    entsetzt,was passiert ist Die Schneide und Sägeaktion kann doch wohl im Oktober erledigt werden und nicht im Frühjahr,wo alles zum Leben erwacht.Ich kann die Kommunen nur bitten,an unsere Zukunft zu denken.
    Freiflächen in den Gemeinden kann man sehr gut nutzen,um Wiesenblumen einzusähen,sieht schön aus und
    kostet nicht viel.