Mittwoch , 26. September 2018
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Helga Kamphaus und DRK-Kursleiter Peter Schneemann, der Senioren mit Rollator schult. (Foto: t&w)
Helga Kamphaus und DRK-Kursleiter Peter Schneemann, der Senioren mit Rollator schult. (Foto: t&w)

Bremsen ist das A und O

Lüneburg. Bordsteinkanten, Gullydeckel, sogar Elektrokabel unter einem Wohnzimmerteppich können ein Hindernis oder eine Falle werden. Dies wissen alle, die häufig mit einem Rollator unterwegs ist. Gerade ältere Menschen stehen dann häufig hilflos vor dem Problem. Wie man mit dem vierrädrigen Begleiter in schwierigen Situationen richtig umgeht und worauf man bei der Benutzung der Gehhilfe achten soll, darüber informierte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bei seinem ersten Rollator-Training für Senioren.

Vorsichtig tastet Helga Kamp-haus sich mit ihrem neuen Rollator an den Bordstein heran. Sie weiß, dass die Kante eine echte Hürde für sie ist. Seit zwei Monaten besitzt sie das neue Gefährt. Noch immer aber fühlt sie sich nicht sicher damit, gerade in Situationen wie dieser. „Sie müssen mit beiden Rädern an den Bordstein heranfahren und dort zunächst mal bremsen“, hilft Peter Schneemann, der sich neben sie gestellt hat und ihr zeigt, wie es geht. Auch für den DRK-Mitarbeiter ist die Situation neu, der Kursus, den er zusammen mit anderen ins Leben gerufen hat, gab es in Lüneburg beim DRK bislang noch nicht.

Tückische Gullyspalten

„Wir haben gemerkt, dass einige nicht mehr zu unseren Seniorennachmittagen kommen, weil sie sich mit dem Rollator nicht heraustrauen“, sagt Peter Schneemann, „das möchten wir ändern und Hilfestellung geben.“ Er ließ sich daraufhin zum Kursleiter fürs Rollator-Training ausbilden und bereitete das erste Treffen vor. In dem großen DRK-Veranstaltungsraum legte er einen „Rollator-Hindernis-Parcours“ aus, an vier Stationen lernen die Senioren, wie sie mit ihrem Gerät richtig über einen welligen Teppich fahren oder sich allein aus einer Gullyspalte, in die sie mit dem Rollatorrad geraten sind, befreien können. „Bei schönem Wetter gehen wir auch nach draußen und üben dort“, sagt der Kursleiter.

„Jetzt kann ich endlich wieder rausgehen.“ Helga Kamphaus (74), Trainings-Teilnehmerin

Neben den Trainingselementen gibt es aber auch Tipps für den richtigen Umgang, zum Beispiel zur Nutzung des Sitzes oder der Einstellhöhe für die Handgriffe, aber auch zum Auf- und Einklappen des Rollators oder zur nachträglichen Anbringung von Front- und Rückleuchten. „Das ist wichtig, um im Dunkeln gesehen zu werden“, erläutert Schneemann. Auch die Körperhaltung nimmt der DRK-Mitarbeiter dabei in den Blick: „Viele stützen sich mit ihren Armen regelrecht auf dem Rollator ab und gehen dann krumm. Das belastet den Rücken noch mehr.“

Hilfestellung bietet auch Cornelia Sensenhausen. Als ehrenamtliche Übungsleiterin für Seniorengymnastik macht sie mit den Teilnehmern leichte Übungen im Sitzen und Stehen, „es geht darum, die Feinmotorik zu schulen und wieder ein Gefühl für Balance und Gleichgewicht zu bekommen“.

Gefühlvoller Umgang mit der Bremse

Helga Kamphaus hat unterdessen aufmerksam zugeschaut, besonders erstaunt ist sie, dass man die Rollatorbremse nicht nur zum Feststellen nutzen, sondern sie durch leichtes Anziehen und Lösen auch gezielt einsetzen kann. „Jetzt kann ich endlich wieder rausgehen“, sagt die 74-Jährige und strahlt. Ob sie noch den Rollator-Führerschein machen wird, den das DRK ebenfalls anbietet, ließ sie offen. „Ich habe schon zwei Führerscheine, den letzten habe ich mit 55 fürs Motorrad gemacht.“

Für Interessierte bietet das DRK den kostenfreien Kursus immer freitags von 10 bis 11 Uhr an, Treffpunkt ist im Erika-Lindemann-Haus, An den Reeperbahnen 1A. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Rollator-Nutzung

Tipps und Tricks

Richtiges Gehen:

  • Gehen Sie im und nicht hinter dem Rollator.
  • Die Füße sollen sich stets zwischen den Rädern befinden.
  • Locker bleiben! Den Rollator nicht verkrampft schieben. Er rollt von allein und begleitet Ihre Schritte.
  • Auch bei einer Drehung sollen die Füße immer zwischen den Rädern bleiben.

Bordsteine überwinden:

  • Vorderräder bis an die Bordsteinkante fahren.
  • Einen Fuß nach hinten stellen.
  • Handbremsen anziehen und die vorderen Räder anheben – den Rollator kippen, indem die Griffe zum Körper gezogen werden.
  • Bremsen lösen. Die Hinterräder rollen jetzt wie von selbst nach vorn bis an die Kante; damit sind die Vorderräder automatisch „drüber“.
  • Vorderräder auf dem Bordstein absetzen, Hinterräder anheben und nachsetzen, Bremse betätigen und „nachsteigen“.

Von Ulf Stüwe