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Der Platz Am Sande ist nach dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) am Bahnhof, der zweitwichtigste Anlaufpunkt für die Busse aus Stadt und Landkreis Lüneburg. (Foto: t&w)
Der Platz Am Sande ist nach dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) am Bahnhof, der zweitwichtigste Anlaufpunkt für die Busse aus Stadt und Landkreis Lüneburg. (Foto: t&w)

Stadtbusse sollen länger fahren

Lüneburg. Um 20.43 Uhr fährt nach dem zurzeit gültigen Fahrplan an Wochentagen der letzte Bus der Linie 5014 vom Platz Am Sande in Richtung Kreideberg. In zwei Jahren sollen auch eine Stunde später noch Busse verkehren. Ähnliches gilt auch für andere Linien im Lüneburger Stadtbusverkehr. Auf der anderen Seite sollen weniger frequentierte Linien im Landkreis künftig als Rufbusse angeboten werden, die nur noch bei Bedarf fahren.

Das und noch vieles mehr ist Inhalt des „4. Nahverkehrsplans 2018 – 2023“ für den Landkreis Lüneburg, der den Plan für die Jahre 2009 bis 2013 ablösen soll. Teile davon stellte jetzt Thorsten Heitmüller von der Verkehrsgesellschaft Nord-Ost-Niedersachsen (VNO) im Kreistagsausschuss für Wirtschaft, Touristik, Verkehrsplanung und ÖPNV vor. Die VNO ist eine Planungsgesellschaft für den Nahverkehr mit Sitz in Stade. Acht Landkreise sind Gesellschafter der VNO. Ende 2019 soll der Plan, der noch nicht komplett vorliegt, umgesetzt werden.

Die Landkreise sind nach dem „Niedersächsischen Nahverkehrsgesetz“ zur Aufstellung eines Nahverkehrsplans für jeweils fünf Jahre verpflichtet. Der in den letzten Monaten erarbeitete Plan basiert auf dem „Integrierten Mobilitätskonzept“ (IMK). Es ist seit Herbst 2016 für den Landkreis Lüneburg aufgestellt worden. Verkehrsexperten, Verwaltung, Politik und zahlreiche Bürger waren daran beteiligt (LZ berichtete).

In drei „Raumtypologien“ wurde der Landkreis Lüneburg im Zuge der Erstellung des Nahverkehrsplans aufgeteilt, erklärte Heitmüller: 1. Das Stadtgebiet Lüneburg mit dem Stadtbusverkehr. 2. Die Hauptverkehrsachsen im Landkreis mit den regionalen Hauptlinien, zum Beispiel zwischen Lüneburg und Bleckede. 3. Die „Achsenzwischenräume“ im ländlichen Raum mit den regionalen Nebenlinien.

Stadtbusverkehr

Hier sieht der künftige Nahverkehrsplan weitestgehend den Erhalt der vorhandenen Linien vor. Neu vorgesehen ist die Einbeziehung von Deutsch Evern und Wendisch Evern. „Das muss von der Politik aber noch beschlossen werden“, erklärt Merle Rahmann von der Kreisverwaltung.

Die Betriebszeiten sollen erweitert werden. Gefahren werden soll montags bis freitags von 5 bis 22 Uhr, samstags von 6 bis 21 Uhr sowie sonn- und feiertags von 9 bis 20 Uhr. Die Busse sollen alle 15 oder 30 Minuten fahren, bei geringer Nachfrage, etwa sonntags, alle 60 Minuten.

Regionale Hauptlinien

Die bestehenden Linien sollen weitgehend erhalten werden. Neu ist: Die aus dem östlichen Landkreis verkehrenden Linien enden am ZOB, fahren nicht zum Platz Am Sande. Die Betriebszeiten werden erweitert und vereinheitlicht: montags bis freitags von 5 bis 21 Uhr (alle 60 Minuten), samstags von 6 bis 20 Uhr (alle 60 oder 120 Minuten), sonn- und feiertags von 9 bis 20 Uhr (alle 120 Minuten).

Regionale Nebenlinien

Auf „nachfragestarken“ Strecken und „nachfragestarken“ Zeiten, etwa bei der Schülerbeförderung, soll das bestehende Angebot beibehalten werden. Teilweise können neue Linien dazu kommen.

Umstellen müssen sich Busnutzer in schwach genutzten Bereichen. Dort soll, so berichtete VNO-Mitarbeiter Thorsten Heitmüller, ein „flexibler Rufbusverkehr“ eingerichtet werden. Gefahren werden soll montags bis freitags von 5 bis 21 Uhr sowie samstags von 7 bis 19 Uhr. Wer fahren will, muss sich telefonisch anmelden. Auch für diese Fahrten soll der reguläre HVV-Tarif ohne Zuschlag gelten.

Für alle geplanten Maßnahmen berechneten die Experten der VNO auch die Kosten. So werden für die Ausweitung der Betriebszeiten im Stadtbusverkehr Mehrkosten von 200 000 Euro pro Jahr geschätzt, für die Einbeziehung von Deutsch Evern und Wendisch Evern 460 000 Euro pro Jahr. Den Mehrkosten stehen Einsparungen und Mehreinnahmen in anderen Bereichen gegenüber.

Ziel ist es, den kompletten Nahverkehrsplan am 5. November 2018 im Kreistag zu verabschieden. Bis dahin steht unter anderem noch ein achtwöchiges Beteiligungsverfahren an, bei dem Behörden, Inistitutionen und Verbände, aber auch Bürger, Stellungnahmen abgeben können.

Anmerkungen zu den Planungen gaben im Ausschuss schon die Kreistagsmitglieder ab. So forderte Günter Dubber (CDU), nicht nur auf die Aus- sondern auch auf die Einpendler nach Lüneburg zu achten. Detlef Schulz-Hendel (Grüne) fragte sich, ob die Busse aus dem westlichen Landkreis nicht den Sand auslassen und direkt den ZOB anfahren können. Als „Arbeitspapier“ sieht Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer den Entwurf des Nahverkehrsplans, „der Punkt für Punkt noch diskutiert werden muss, um ihn am Ende politisch zu beschließen“.

Testbetrieb in drei Bereichen

Amt Neuhaus macht den Anfang

Der „4. Nahverkehrsplan 2018 – 2023“ soll ab Ende 2019 für den Landkreis Lüneburg greifen, der dort und im „Integrierten Mobilitätskonzept“ vorgesehene Rufbusverkehr für die ländlichen Bereiche soll aber schon ab diesem Sommer in Pilotprojekten getestet werden.

Start ist im Amt Neuhaus , wo mit dem Fahrplanwechsel der Busverkehr nach Anforderung ausprobiert wird – Fahrplanentwürfe der Verkehrsbetriebe Ludwigslust-Parchim liegen bereits vor.

Zum Fahrplanwechsel im Dezember soll die Stadt Bleckede folgen, wo die Kraftverkehrsgesellschaft (KVG) Partner ist. Eine Samtgemeinde mit einer anderen Struktur forderte Günter Dubber für die CDU. „Dann lasst uns einen dritten Bereich nehmen“, schlug Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) vor. Die Wahl fiel auf die Samtgemeinde Ilmenau – die Empfehlung erfolgte einstimmig.

Von Ingo Petersen