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Seit Jahren beschäftigt die Sanierung des Schierenweges die Gemeinde Brietlingen. Jetzt soll der zweite Abschnitt folgen. (Foto: t&w)
Seit Jahren beschäftigt die Sanierung des Schierenweges die Gemeinde Brietlingen. Jetzt soll der zweite Abschnitt folgen. (Foto: t&w)

Dicke Luft am Schierenweg

Brietlingen. Der Ausbau des Schierenwegs beschäftigt seit Jahren die Gemeinde Brietlingen. Und sorgt regelmäßig für Ärger. 2012 wurde der erste Abschnitt erneuert. Nun soll der zweite folgen – das steht für den Gemeinderat fest. Er stützt sich dabei auf ein Gutachten zum Zustand der Straße. Zahlreiche Anwohner hingegen sehen keinen Grund für eine aufwändige Sanierung bis in tiefere Schichten. Dennoch werden sie über die Straßenausbaubeitragssatzung zur Kasse gebeten. Betroffen waren zunächst nur 34 Grundstückseigentümer, jetzt wurden weitere 24 einbezogen – völlig unerwartet. Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung bei einem Info-Abend in dieser Woche im alten Schulhaus in Lüdershausen.

Ursprünglich geplant hatte die Gemeinde Brietlingen die Sanierung des Schierenweges von der Einmündung der Bundesstraße 209 bis zum Stettiner Ring. Das hatte der Rat 2012 so beschlossen. Unterteilt war der Sanierungsbereich in zwei Bauabschnitte: von der B 209 bis zur Lycker Straße einschließlich des Buswendeplatzes (Abschnitt eins) und von der Lycker Straße bis zum Grundstück Stettiner Ring 72 (Abschnitt zwei). Erledigt ist der Ausbau des ersten Abschnittes bereits seit Ende 2013. Kosten: rund 490 000 Euro, die Arbeiten am zweiten stehen noch aus. Der Bereich östlich des Grundstückes Stettiner Ring 72 wurde bereits vor etwa zehn Jahren im Rahmen der Erschließungsarbeiten zum Bebauungsplan Moorburg-Ost ausgebaut.

Anwalt bemängelt Bildung der einzelnen Bauabschnitte

Ende 2017 konsultierte die Gemeinde einen Anwalt, da sie fürchtete, die Frist für die Erhebung von Anwohnerbeiträgen könnte ablaufen. Zwar gab der Jurist Entwarnung, weil eine Frist von vier Jahren erst dann laufe, wenn die gesamte Maßnahme abgeschlossen sei. Doch stellte der Anwalt auch fest, dass die Bauabschnitte nicht korrekt gebildet worden seien.

So gelte der westliche, an die B 209 angrenzende Teil des Schierenweges bis zur Wohnbebauung als „Außenbereich“, der nicht anteilig auf die Anwohner umgelegt werden könne. Lediglich zwei Waldbesitzer müssten dafür zahlen. Allerdings zählt laut dem Anwalt der gesamte Schierenweg zu der Maßnahme. Also auch der Teil, der gar nicht mit saniert wird. Somit endet der beitragspflichtige Bereich nicht wie ursprünglich vorgesehen am Stettiner Ring, sondern kurz vor der Straße Alt-Moorburg.

Dementsprechend haben vor etwa zwei Wochen weitere 24 Grundstücksbesitzer Post bekommen – und erfahren, dass sie sich am Straßenausbau beteiligen müssen. Die Kosten für den zweiten Abschnitt belaufen sich auf rund 475 000 Euro. 40 Prozent, also etwa 190 000 Euro, müssen die Anwohner tragen. Für den einzelnen Hausbesitzer bedeutet dies: Pro Quadratmeter Grundstücksgröße muss er 4,50 Euro bezahlen. Kritisiert wird, dass Anwohner angrenzender Straßen, wie die Thorner Straße, nicht bei der Abrechnung berücksichtigt worden seien, ebenso wenig wie ein landwirtschaftlicher Betrieb am östlichen Ende des Schierenweges.

Vor allem die jetzt nachträglich einbezogenen Anwohner werfen der Gemeinde vor, die Pläne nicht transparent genug gemacht zu haben. Einige haben nach eigenen Angaben sogar direkt bei der Gemeinde angefragt, ob irgendwelche Maßnahmen in dem Bereich anstünden. Dies sei von der Gemeinde nicht klar beantwortet worden. „Hätten wir das gewusst, als wir unser Haus vor einem Jahr gekauft haben, hätten wir das in den Kreditantrag eingerechnet. Wir haben drei Kinder, wie sollen wir das jetzt machen?“, fragte eine Anwohnerin.

Arbeiten sollen Mitte bis Ende Mai beginnen

Gemeindedirektor Laars Gerstenkorn verwies darauf, dass die neuen Erkenntnisse erst seit November 2017 bekannt seien. Er versuchte bei der Informationsveranstaltung immer wieder, die Gemüter zu beruhigen. „Man mag die Entscheidung nicht mögen, das kann ich sogar verstehen. Aber die Kritik, dass wir uns nicht genug mit dem Thema befasst haben, ist nicht angebracht“, verteidigte Gerstenkorn den Gemeinderat.

Ausgeschrieben ist die Maßnahme, ein Unternehmen beauftragt jedoch noch nicht. Ist dies geschehen, sollen die Bagger rollen. Das könnte etwa Mitte/Ende Mai der Fall sein. Veranschlagt sind für die Baumaßnahme etwa zehn bis elf Wochen.

Von Patricia Luft

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