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Dieselabgase belasten die Lüneburger Luft. Wie soll die Stadt damit umgehen? (Foto: A/t&w)
Dieselabgase belasten die Lüneburger Luft. Wie soll die Stadt damit umgehen? (Foto: A/t&w)

Stadt möchte lieber Taxis tauschen

Lüneburg. „Die Schadstoffbelastung ist deutlich unterhalb des Grenzwerts. Für ein Fahrverbot in Lüneburg gibt es keine Veranlassung.“ Mit dieser Botschaft versuchte Umweltdezernent Markus Moßmann im Umweltausschuss, Bedenken auszuräumen. Wie berichtet, hatten Messungen der Deutschen Umwelthilfe in der Innenstadt Stickstoffdioxidkonzentrationen nur knapp unterhalb des Grenzwerts ergeben. Bei den Ausschussmitgliedern stießen die Beschwichtigungsversuche auf begrenzte Akzeptanz.

„Es ist doch eindeutig, dass die Belastung an der Scholze-Kreuzung höher ist als am Flugplatz“, sagte Ralf Gros von den Grünen. Die Messungen der Umwelthilfe hätten eine „Warnfunktion“, die von der Stadt nicht ignoriert werden dürfe. Im März waren Werte von 39,2 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ermittelt worden, der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. Auch Dr. Monika von Haaren (Grüne) monierte den „nicht repräsentativen Standort“ der Messstation am Flugplatz. „Ist die Situation in der Stadt tatsächlich so, wie sie berechnet wird? Was ist mit dem Lkw-Verkehr und den an einer Ampel stehenden Autos?“

Hotspot-Ermittlung

Von Haaren bezog sich damit auf Ausführungen des Umweltdezernenten. Danach hätten die Messungen am Flugplatz Jahresdurchschnittswerte zwischen 15 und 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ergeben. Für Moßmann hat der Standort seine Berechtigung, da laut Verkehrszählung aus dem Jahr 2016 die nahe Ostumgehung mit 46 500 Fahrzeugen pro Tag deutlich stärker als andere viel befahrene Stellen in der Stadt frequentiert werde. Und auch diese Verkehrspunkte würden durch die sogenannte Hotspot-Ermittlung in den Blick genommen. Dabei werden Schadstoffe aufgrund des Verkehrsaufkommens berechnet. Aus den daraus ermittelten Werten sei die Aufstellung eines Luftreinhalteplans oder Fahrverbots nicht abzuleiten.

„Fahrverbote erzeugen ohnehin nur Verdrängungseffekte“, gab Moßmann zu bedenken. Der Verkehr der Willy-Brandt-Straße etwa würde in die Nebenstraßen ausweichen. Das könne nicht das Ziel sein. Gleichwohl nehme die Stadt die von der Umwelthilfe ermittelten Daten ernst, ergreife auch Maßnahmen, die zu einer Senkung der Emissionen führen sollen. So gebe es Gespräche mit der Süderelbe AG und Logistikunternehmen über ein innerstädtisches Lieferkonzept. Auch sei man mit Taxi-Unternehmen im Austausch über den Einsatz von Hybrid- oder E-Fahrzeugen. Ferner soll mit dem Landkreis eine Frist für die Einführung von Elektrobussen vereinbart werden. „Und wir werden die Ausnahmegenehmigungen für die Befahrung der verkehrsberuhigten Innenstadtbereiche unter die Lupe nehmen und gegebebenfalls herunterfahren“, kündigte Moßmann an.

Messungen an neuralgischen Punkten

Ralf Gros schlug vor, einen Gutachter für weitere Messungen „an neuralgischen Punkten“ zu beauftragen. Zumal es durch die von Moßmann selbst angesprochenen geplanten Bauarbeiten an der Bleckeder Landstraße und für die A 39 an der Ostumgehung zu erheblichen zusätzlichen Emissionen kommen werde. Der Gutachter könne dann auch die Wirkung der von der Stadt eingeleiteten Maßnahmen prüfen. „Oder sollen wir warten, bis ein Bürger klagt?“, fragte Gros.

Bei Dr. Gülbeyaz Kula (SPD) stieß die Gutachter-Idee auf Kritik: „Quantität ersetzt keine Qualität. Wir brauchen geeichte Geräte“, sagte die Ausschussvorsitzende. Mit „Hobby-Untersuchungen“ käme man zu keinen belastbaren Ergebnissen. Dem schloss sich Stefan Minks (SPD) an, der das Land und nicht die Stadt bei dem Thema in der Pflicht sieht.

Weitere Messstation?

Handlungsbedarf bei der Stadt sieht Frank Soldan (FDP). Statt eines Gutachters schlug er die Errichtung einer weiteren Messstation vor, „da­rüber sollte mit dem Land gesprochen werden“. Der Anregung von Andrea Amri-Henkel (Linke), in Lüneburg vorsorglich eine Umweltzone einzurichten, erteilte Moßmann indes eine Absage: „Das ist laut Gesetz gar nicht zulässig.“

Die Deutsche Umwelthilfe hat unterdessen erklärt, ihre Messungen an der Scholze-Kreuzung in Lüneburg fortzusetzen. Seit Sonntag für weitere vier Wochen. Wegen der gestiegenen Temperaturen geht sie auch von höheren Stickoxidkonzentrationen aus als bei der ersten Messreihe.

Von Ulf Stüwe