Dienstag , 18. September 2018
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Der rund 2,3 Millionen Euro teure Anbau an der Grundschule Bardowick sollte eigentlich bis zu den Sommerferien fertiggestellt sein. Jetzt herrscht erst einmal Stillstand. Foto t&w

Pfusch am Bau: Grundschule in Bardowick geräumt

Bardowick. Wegen Pfusches am Bau ist die Grundschule Bardowick bis auf Weiteres geräumt worden. Ursache sind massive Ausdünstungen im entstehenden Anbau des Schulgebäudes. Dort wurde in den Innenräumen für den Boden ein lösungsmittelhaltiger Bitumenvoranstrich benutzt, der eher für den Außenbereich geeignet ist. Als Vorsichtsmaßnahme hat die Samtgemeinde Bardowick als Schulträger den Unterricht für die 302 Schüler in andere Gebäude im Ort verlagern lassen. Ein Fachunternehmen hat den Anbau nun abgesperrt und belüftet ihn maschinell. Nun wird das Ergebnis einer Schadstoffanalyse abgewartet.

Bereits am Dienstagmorgen, noch vor Unterrichtsbeginn, war Schulleiterin Birte Ramm erstmals auf den üblen Geruch aufmerksam geworden. „Wir haben kein Kind ins Gebäude gelassen und haben zusammen mit dem Schulträger nach alternativen Räumen für den Unterricht gesucht.“ Insgesamt 14 Schülergruppen mussten untergebracht werden, beispielsweise im Feuerwehrhaus, in der Turnhalle, der Samtgemeindebücherei oder im Sitzungssaal des Rathauses.

„Wir wollten kein Risiko eingehen“

Arndt Conrad, Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters, sagt: „Wir wollten kein Risiko eingehen.“ Denn bislang steht noch nicht fest, wie gesundheitsschädlich die Ausdünstungen tatsächlich sind. Laut Conrad sei es eigentlich das Ziel gewesen, den Schulanbau möglichst schadstofffrei umzusetzen. Das jetzt auf den Innenböden aufgebrachte Material habe somit auch der Ausschreibung widersprochen.

Architekt Ralf Horn betreut den Bau im Auftrag der Samtgemeinde. Auf LZ-Nachfrage sagt er: „Es geht um einen Bitumenvoranstrich auf der Betonsohle. Der ist entgegen der Ausschreibung mit Lösemitteln.“ Es sei das falsche Produkt geliefert worden, das schließlich vom ausführenden Handwerksunternehmen aufgebracht worden ist. Architekt Horn sagt: „Das hätte eigentlich schon beim Öffnen der Behälter auffallen müssen, dass das Material stark ausgast.“

Der Bitumenvoranstrich stellt eine Verbindung zwischen der Betonsohle und der Dampfsperrschicht her. Die verhindert, dass die normale Bodenfeuchte im Erdreich durch die Betonsohle in den Bodenaufbau eindringt. Dass nun aber das falsche Material genutzt wurde, ärgert Horn doppelt. „Normalerweise entfernen wir bei Altbausanierungen solche Absperrbahnen wegen der Schadstoffbelastung aus den Gebäuden.“

 Juristische Konsequenzen angekündigt

Erschwerend kommt hinzu, dass sich aus dem Sicherheitsdatenblatt zu dem falschen Bitumenvoranstrich „die Zusammensetzung nicht einwandfrei ermitteln ließ“, so Horn. Deshalb wurden die Gutachter von „Wartig Nord Analytik“ aus Hamburg hinzugezogen, um Luft- und Materialproben zu nehmen.

Horn sagt: „Das ist richtig dumm gelaufen. Wir haben jetzt einen Baustillstand und eine ganze Menge Menschen, die in Aufregung sind, wegen einer Leistung, die vielleicht einen Euro auf den Quadratmeter kostet.“ Jetzt dürfte es teurer werden. Conrad betont „Wir geben die Schulräume erst frei, wenn wir sicher sind, dass es keine Gesundheitsgefährdung gibt.“ Zudem kündigt er juristische Konsequenzen an.

Von Dennis Thomas