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Auf dem Gelände des ehemaligen Kalksandsteinwerks in Häcklingen will die Sandabbau Häcklingen GmbH künftig Geschäfte machen. Das Unternehmen hat nun ein für die Genehmigung wichtiges Gutachten vorgelegt. Foto: t&w

Nächste Runde beim Sandabbau

Lüneburg. Seit gut anderthalb Jahren hat man von der Sandabbau Häcklingen GmbH nichts mehr gehört, doch wer glaubte, das Unternehmen habe seine Pläne für die Fo rtsetzung des Sandabbaus auf dem Gelände des früheren Kalksandsteinwerks in Häcklingen wieder begraben, wurde jetzt eines Besseren belehrt. Im jüngsten Umweltausschuss des Lüneburger Stadtrats informierte die Verwaltung, dass von dem Unternehmen zwischenzeitlich ein für die Genehmigung wichtiges Gutachten vorgelegt worden sei. Im Ausschuss sorgte der Umgang der Verwaltung mit dem Dokument für Missstimmung.

„Warum haben wir noch keine Einsicht in das Gutachten bekommen?“, fragte Dr. Monika von Haaren (Grüne), und nicht nur sie war sichtlich verärgert, als sie erfuhr, dass die Verwaltung auch weiterhin nicht beabsichtige, den Ausschussmitgliedern das Dokument vorzulegen. Auch ihr Fraktionskollege Ralf Gros ebenso wie Frank Soldan (FDP) und Karl Wurm vom BUND äußerten ihr Unverständnis über das Gebaren der Stadt.

Ausschussmitglieder fordern Einsichtnahme

„Wir sind in einem laufenden Verwaltungsverfahren“, begründete Umweltdezernent Markus Moßmann die Haltung der Verwaltung. Hinzu komme, dass die Stadt das Gutachten – eine sogenannte Konfliktanalyse – an den Landkreis als Untere Naturschutzbehörde (UNB) zur Stellungnahme weitergeleitet habe. Diese hatte es im Zuge der geplanten Wiederaufnahme des Sandabbaus von der Sandabbau Häcklingen GmbH angefordert. Wie berichtet, soll mit der Konfliktanalyse dargelegt werden, wie trotz der auf dem Gelände vorgefundenen geschützten Tierarten ein Abbau möglich sein soll.

„Wir können ja nicht jeden Vermerk vorlegen“

Erst wenn die UNB ihre Stellungnahme abgegeben habe, werde sich auch die Verwaltung dazu äußern, machte Moßmann deutlich, „wir sind auf die Aussagen der Fachleute angewiesen“. Doch das dürfte vermutlich dauern, denn auch die UNB will sich ihrerseits zunächst fachlichen Rat bei Vogelschutz- und Amphibien-Experten in Hannover holen, wie Umweltamtsleiter Volker Schulz in der Sitzung erklärte. Das 115-seitige Gutachten werde diese Woche nach Hannover gehen.

„Dennoch hätten wir uns gern vorab selbst ein Bild von dem Gutachten gemacht“, hakte von Haaren nach, stieß damit bei Moßmann aber erneut auf Widerstand: „Dann müssen Sie Akteneinsicht beantragen. Wir können ja nicht jeden Vermerk vorlegen.“

Unternehmen hält Abbau weiterhin für wirtschaftlich

Ob die Behörden das Vorhaben stoppen können, dazu wollte Schulz keine Prognose abgeben. „Wo wir jetzt stehen, kann ich noch nicht sagen.“ Weiter seien alle vier Optionen offen: „Es passiert nichts, es wird stillgelegt, es gibt ein neues Verfahren oder eine Änderungsgenehmigung.“

Auf eine Änderungsgenehmigung setzt Dr. Tillmann Quensell, Geschäftsführer der Sandabbau Häcklingen GmbH. „Wir haben auf Basis der Erkenntnisse aus der artenschutzrechtlichen Kartierung mit der jetzt erstellten Konfliktanalyse ein neues Abbaukonzept vorgelegt.“ Danach sei zwar nun nicht mehr die gesamte Fläche des Areals nutzbar, „wirtschaftlich ist der Abbau aber nach wie vor vertretbar“. Deshalb gehe er auch von einer Genehmigung aus. Mit der Wiederaufnahme des Sandabbaus rechne er aber „wohl erst in der zweiten Jahreshälfte“. Sorge, dass die Pläne des Unternehmens durch langwierige Verfahren oder Klagen doch noch zu Fall gebracht werden könnten, habe er nicht. Quensell: „Wir gehen so ein Projekt nicht an, wenn wir nicht überzeugt sind, dass es auch erfolgreich ist. Und wir haben einen langen Atem.“

„Wir wir werden die Hürden sehr hoch hängen“

Leicht wird es Quensell aber auch mit der Stadt nicht haben. Zwar werde man dem Unternehmen „keine Stöcker in den Weg werfen“, wie Moßmann erklärte, „aber wir werden die Hürden sehr hoch hängen“. Auf den Vorschlag einer Lüneburgerin in der Sitzung, die Stadt könne das Grundstück doch als Ausgleichsfläche erwerben, ging Volker Schulz ein. „Dies ist bereits eine Fläche auf hohem ökologischen Niveau. Sinn macht es nur, wenn man sie als Ersatz für eine andere in Anspruch genommene Fläche aufwerten könnte.“

Mächtig verärgert verließ Nabu-Experte Thomas Mitschke die Ausschusssitzung. Er konnte seine Anmerkungen nicht mehr anbringen, weil auf Antrag von Frank Soldan mehrheitlich ein Ende der Debatte beschlossen wurde. Mitschke: „Da fragt man sich, warum man an diesem Ausschuss eigentlich noch teilnimmt.“

Von Ulf Stüwe

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