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Am 30. Juni 1993 werden, wie hier in Darchau, die Ortsschilder in der Gemeinde Amt Neuhaus mit dem Zusatz Landkreis Lüneburg beklebt. (Foto: A/be)
Am 30. Juni 1993 werden, wie hier in Darchau, die Ortsschilder in der Gemeinde Amt Neuhaus mit dem Zusatz Landkreis Lüneburg beklebt. (Foto: A/be)

25 Jahre Rückgliederung – eine Erfolgsgeschichte?

Neuhaus. Vor fast 25 Jahren feierten die Bürger des Amt Neuhaus ihre Rückkehr in den Landkreis Lüneburg. Der einzigartigen Geschichte seiner Rückgliederung nach Niedersachsen und den damit verbundenen Hoffnungen der Menschen widmen die LZ-AutorInnen Katja Grundmann, Anna Sprockhoff und Klaus Bohlmann jetzt eine multimediale Themenwoche, die zum Jubiläum im Juni in der Landeszeitung und auf LZonline erscheinen wird. Dafür ist das LZ-Trio in diesen Wochen verstärkt im Amt Neuhaus unterwegs und möchte möglichst viele Stimmen aus der Bevölkerung einfangen. Ende April laden sie Interessierte zum Gesprächsabend bei Hildegard Schweinsberg in den Gasthof „Zur Börse“, bei dem die LZ-Autoren mit Menschen aus der Region über Erlebnisse, Erfolge und Enttäuschungen bei der Rückkehr des Amt Neuhaus nach Niedersachsen diskutieren wollen.

Für viele der 6100 Bewohner des Amt Neuhaus war die deutsche Wiedervereinigung nicht 1990, sondern erst drei Jahre später vollkommen. Am 30. Juni 1993 besiegelte der Staatsvertrag zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern nach über 45 Jahren Trennung die Rückkehr der Ortschaften Haar, Kaarßen, Neuhaus, Stapel, Sumte, Sückau, Tripkau, Bohldamm, Stiepelse, Neu-Bleckede und Neu-Wendischthun vom Landkreis Hagenow nach Lüneburg. Zusätzlich wurde der mecklenburgische Ort Niendorf der Gemeinde Amt Neuhaus und damit Niedersachsen zugeordnet. Dem Amt gelang damit, was sonst keiner schaffte: Knapp zehn weitere Gemeinden an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze strebten nach der Wiedervereinigung von Ost nach West, doch allein das Amt Neuhaus fand den bürokratisch aufwendigen Weg zurück ins Altbundesland.

„Lassen Sie uns zurück in das Land unserer Väter.“ Klaus Rintelen, Bürgermeister 1990

Die Verbindung mit Niedersachsen ist historisch gewachsen. Schon 1689 kaufte Herzog Georg-Wilhelm von Lüneburg-Celle für 733 330 Taler das Herzogtum Lauenburg, zu dem das Gebiet Amt Neuhaus gehörte. Es ging damit an Lüneburg und später an Hannover. Mit dieser welfischen Tradition brachen nach dem Zweiten Weltkrieg die Kriegsmarschälle Schukow und Montgomery. Sie gaben das Gebiet an die sowjetische Besatzungszone. Zu groß waren die Bedenken, den Landstrich östlich der Elbe ohne Brücke versorgen zu können. Seitdem waren die Neuhauser als unfreiwillige Bürger der DDR und Zugehörige Mecklenburgs doppelt fremd im eigenen Land.

Als die Mauer fiel, dauerte es daher nicht lange, bis der Wunsch nach einer Rückgliederung in das Altbundesland laut wurde. „Lassen Sie uns zurück in das Land unserer Väter“, bat der Bürgermeister von Amt Neuhaus, Klaus Rintelen, der schon 1990 gemeinsam mit den gewählten Räten der Gemeinden des Amtes eine Resolution an den Landkreis Lüneburg überreichte, die die Rückgliederung forderte. Ihre Hoffnungen galten nicht nur der Heimkehr zu historischen Wurzeln, sondern ebenso dem Zugang zu westlichen Geldern und nicht zuletzt einer Brücke über die Elbe. Ende Juni 1993 reiste der niedersächsiche Innenminister Gerhard Glogowski schließlich persönlich ins Amt Neuhaus, um die erfolgreiche Heimkehr zu besiegeln.

25 Jahren später leben nur noch 5200 Menschen im Amt Neuhaus. Viele ihrer Hoffnungen von damals haben sich erfüllt, andere nicht. Noch immer führt keine Brücke über die Elbe. Wer abends ins Kino oder ins Theater gehen möchte, fährt daher lieber nach Schwerin als nach Lüneburg. Dafür wurden Sporthallen und Kindergärten neu gebaut, Hausbesitzer konnten auch mit Hilfe von Fördergeld ihre Häuser instand setzen. Für andere Lebensbereiche wie die schulische oder die ärztliche Versorgung gelten Sonderregelungen zwischen den beiden Bundesländern. Die Landeszeitung fragt nun die Menschen im Amt Neuhaus: Sind Sie im Landkreis Lüneburg angekommen?

Termin

Gesprächsabend

Wann und wo? Am Dienstag, 24. April 2018, ab 19 Uhr im Gasthof „Zur Börse“, Kirchplatz 1, 19273 Amt Neuhaus
Sie haben Fragen oder Anregungen? Bitte senden Sie eine Mail an: Katja.Grundmann@landeszeitung.de

Von Katja Grundmann

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