Aktuell
Home | Lokales | Willkommene Entlastung
Lange nur eine Aufgabe der Polizei: Beamte begleiten einen Schwertransport. Doch übernehmen diese Arbeit auch Transportunternehmen, die dafür sogenannte Hilfspolizisten einsetzen. (Foto: A/dpa/rnd)

Willkommene Entlastung

Lüneburg. Das Ergebnis schaut auf den ersten Blick paradox aus: Die Polizei begleitet mehr Großraum- und Schwertransporte (GST) und fühlt sic h gleichzeitig entlastet. Denn sie setzt dabei seit zwei Jahren auf sogenannte Hilfspolizisten, die vor allem bei der Fahrt von Windrädern zum Bestimmungsort zur Seite stehen. 2014 registrierte die Polizeidirektion Lüneburg in den acht zu ihr gehörenden Landkreisen im Nordosten Niedersachsens 1886 solcher Fahrten, 2016 waren es 2936, im vergangenen Jahr 5872, von denen 64 Prozent von der Hilfspolizei eskortiert wurden.

Das Innenministerium unterstützt das Ganze im Rahmen eines landesweiten Forschungsprojekts. Innenminister Boris Pistorius hatte eine positive Bilanz gezogen: „Monatlich konnten durchschnittlich bis zu 66 Prozent der begleitungspflichtigen GST durch Hilfspolizeibeamte begleitet werden. Die Streifenwagenbesatzungen, die bisher zum Teil über mehrere Stunden für eine Begleitung gebunden waren, konnten wieder ihre originären Aufgabenbereiche wahrnehmen. Das dringend benötigte Personal der Polizei konnte wieder zurück auf die Straße gebracht werden.“

Aufstockung ist geplant

In der Polizeidirektion Lüneburg bilanziert Sprecher Michael Heinrich: „Durch den Einsatz der Hilfspolizei ist die Zunahme an Transportbegleitungen für die Polizei lediglich abgemildert worden. Im Vergleich 2014 zu 2017 wurden so 228 Transporte mehr durch die Polizei übernommen.“ Die Zunahme der Transporte resultierte zum großen Teil aus der Entwicklung beim Auf- und Ausbau von Windenergieanlagen. „Im Bereich der Polizeiinspektion Stade ist eine Zunahme von GST aus dem Airbus-Werk in Richtung Hamburg-Finkenwerder zu verzeichnen. Die polizeiliche Begleitung erfolgt dort ausschließlich durch Hilfspolizeibeamte.“ Heinrich erklärt, dass die Zahlen allerdings nur einen Teil der Entwicklung widerspiegelten: „Der Umfang spielt eine Rolle. Mal bedeutet eine Begleitung für die Kollegen nur einen geringen Aufwand, in anderen Fällen sind sie über viele Stunden gebunden.“ Das werde aber nicht separat erfasst. Generell müssten Transporte bei den jeweiligen Polizeidirektionen beantragt werden, die entschieden, ob Hilfs- oder reguläre Polizei eingesetzt werde.

Als das Projekt begann, hatte die Polizei 74 Hilfspolizisten aus gut einem Dutzend Firmen geschult. Sie waren mit der Rechtslage und der Technik vertraut gemacht worden, fuhren begleitend im Konvoi mit, sicherten ihn entsprechend mit Fahrzeugen und flackerndem Einsatzlicht. Die Zahl der Hilfspolizisten sank fast um ein Drittel. Als Grund nennt Heinrich „Fluktuation, es ist aber eine Aufstockung geplant“.

Von Carlo Eggeling