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In besonders stark frequentierten Schutzgebieten überwachen die Landschaftswarte des Landkreises Lüneburg, dass die Vorgaben aus dem Naturschutzgesetz auch eingehalten werden. (Foto: t&w)

Klare Worte gegen Umweltsünder

Lüneburg. Die Vögel zwitschern, feiner Nieselregen legt sich wie ein Schleier auf das zarte Grün der Ilmenauniederung, am Flussufer putzen Enten ihr Gefieder: Wer in diesen Tagen durch die Naturschutzgebiete in und um Lüneburg streift, der findet sich in einem friedlichen Idyll wieder, wie es Caspar David Friedrich kaum schöner hätte malen können. Doch der Frieden ist zerbrechlich. In der Vergangenheit häuften sich die Beschwerden von Naturschutzverbänden und Erholungsuchenden über laute Radiomusik, die eine oder andere Grillsession und frei laufende Hunde, Wildbader oder rücksichtslose Kanuwanderer auf der Ilmenau. Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt beim Landkreis, fragte sich immer wieder: „Was helfen die besten Regelungen und irgendwelche Verordnungen, wenn sie keiner einhält oder überwacht?“

„Das Tier, an dem der Hund geschnüffelt hat, verreckt elendig.“
Michael Flügge-Munstermann, Landschaftswart

Das soll sich nun ändern: Seit Anfang April kontrollieren erstmals zwei Landschaftswarte die Einhaltung naturschutzrechtlicher Vorschriften. Manch ein Spaziergänger mag sie bereits gesehen haben: Michael Flügge-Munstermann, der große Mann mit Schirmkappe und der Tiroler Bracke „Mumme“ an der Leine, und Siegfried Wagner-Kemper mit dem Fernglas um den Hals. Beide sind in schwarzen Westen mit dem Landkreisemblem – unverkennbar – dienstlich unterwegs. Es ist Sonnabend, kurz vor 11 Uhr. Michael Flügge-Munstermann hat gerade den Wald am Forsthaus „Rote Schleuse“ betreten, da sieht er in der Ferne einen unangeleinten Hund über den Weg traben. Das ist – auch außerhalb der Brut- und Setzzeit – in Naturschutzgebieten verboten.

Worte und Info-Broschüren gegen Unkenntnis

Mit großen Schritten nähert sich der ehemalige Berufssoldat dem Herrchen, das sich dessen offenbar bewusst ist und schnell noch die Leine anlegt. Um Ausreden ist er dennoch nicht verlegen: Er empfinde die Vorschrift als „Bestrafung“ für seinen Hund. Und überhaupt: „Soll ich ihnen mal die Zahl nennen, wie viele Tiere Windkrafträder zerschreddern? Und die landwirtschaftlichen Geräte, was die mit Rehen und so weiter anrichten?“ Michael Flügge-Munstermann, aktiver Jäger, kontert: „Mich interessiert einzig und allein: Verreckt da unter Umständen ein Wildtier, weil mein Hund daran geschnuppert hat?“ Er weiß: Nicht weit vom Weg entfernt herrscht junges Leben: „Genau da ist die Schwanzmeise – in zwei Meter Entfernung vom Weg in der Fichte. Und da ist der kleine Hase abgelegt, drei Meter entfernt vom Wanderweg.“ Das könne er jedem in seinem Revier zeigen. „Ihr Hund geht da dran und das Resultat ist: Das Tier, an dem der Hund geschnüffelt hat, verreckt elendig.“ Da wählt der 63-Jährige gerne klare Worte: „Das verreckt elendig, das verhungert, ist zum Tode verurteilt.“ Der Hundehalter zeigt sich halbwegs einsichtig, zieht mit zwei Info-Flyern weiter des Weges.

Michael Flügge-Munstermann führt das Fehlverhalten der Spaziergänger auf Unkenntnis zurück, in der Regel sei das kein böser Wille. „90 Prozent der Leute oder mehr regen sich ja selbst darüber auf, wenn andere sich in der Landschaft nicht benehmen können“, glaubt auch Bartscht. Immer wieder werden die beiden Landschaftswarte von der Bevölkerung auf ihre Funktion angesprochen: „Prima, wird auch Zeit“, sagen sie dann. Und wenn das mal nicht so ist? Wenn sich jemand weigert, den Grillplatz zu räumen oder seinen Hund anzuleinen? Siegfried Wagner-Kemper hat auch das schon erlebt: „Die Vokabel lautete: ,Ich bin Vollzugsbeamter.‘ Das hat gewirkt.“ Vollzugsbeamte nämlich sind dazu berechtigt, Personalien aufzunehmen. Und ja, auch Bußgeld kann fällig werden. In den ersten Wochen haben sie zu diesem Mittel nicht greifen müssen. „Aber die Hochsaison kommt natürlich. Je wärmer es wird, umso höher wird der Druck in den Schutzgebieten“, weiß Bartscht aus Erfahrung. Wagner-Kemper war mal Biologie- und Chemielehrer, Flügge-Munstermann ist Vorsitzender der Bundeswehrjägerkameradschaft Lüneburg. Dass sie nun bis zum 30. September 20 Stunden pro Monat allein zu Fuß oder mit dem Rad vor allem in den Naturschutzgebieten der Hansestadt sowie in den Samtgemeinden Gellersen und Ilmenau unterwegs sind, ist auch ihrer Naturverbundenheit geschuldet. Zu Pfingsten und Himmelfahrt werden sie – aus Sicherheitsgründen – wohl zu zweit im Einsatz sein: aufklären, ermahnen, den Blick für die Umwelt schärfen.

Zaun soll Uferbereiche der Ilmenau schützen

Im Wald steht ein Mülleimer mit einem Berg aus Plastik und einem Grill obendrauf. „Den haben wir von der Ilmenau hergeschafft, gehofft, der würde jetzt weg sein“, sagt Flügge-Munstermann. Offenbar hat das nicht geklappt. Nicht weit entfernt liegt ein Zaun zertrampelt im Gras. Der wurde dort aufgestellt, wo im Sommer gerne unerlaubt in der Ilmenau gebadet wird. „Gerade Uferbereiche sind Brutplätze zum Teil auch für Wiesenvögel“, sagt Wagner-Kemper. Fischotter, die Flussperlmuschel, Insekten – sie alle könnten gestört werden. Da kommt eine junge Frau mit Berner Sennenhund vorbei – es ist das dritte Zusammentreffen, das zweite Mal mit Leine. Zu Hause habe sie Freunden und Bekannten von den Landschaftswarten erzählt, berichtet sie. „Genau so soll es sein“, sagt Wagner-Kemper und lächelt zufrieden. „Wenn wir gesehen werden, haben wir gearbeitet.“

Von Anna Petersen