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Häufig bringen Landwirte zu viel Dünger auf ihre Felder, die Folge ist Nitrat im Grundwasser. (Foto: phs)

Besser als an anderen Orten

Lüneburg. Viele landwirtschaftliche Betriebe düngen mehr als sie müssten. In Niedersachsen sind es laut Umweltministerium in Hannover rund 35 Prozent, die dem Boden zu viel Stickstoffe zufügen. Das Problem: Was zu viel ausgebracht wird, landet über kurz oder lang im Grundwasser. Wie die Situation im Bereich des Trinkwasser-Gewinnungsgebietes Lüneburg aussieht und was hier gegen die Nitratbelastung des Grundwassers getan wird, darüber ließ sich jetzt der Umweltausschuss informieren.

Die gute Nachricht überbrachte Annette Menke gleich zu Beginn: „Mit 5 Milligramm pro Liter liegt Lüneburg weit unterhalb des Grenzwerts“, sagte die Mitarbeiterin der INGUS Ingenieurdienst Umweltsteuerung GmbH aus Lüneburg. Im Auftrag des Wasserversorgers Purena ermittelt das Institut belastbare Daten über Stoffeinträge in Landschaften und berät Landwirte bei der richtigen Ausbringung von Düngemitteln und unterstützt bei Maßnahmen zur Verringerung sogenannter Nitratauswaschungen.

Landwirte müssen gut beraten werden

Maximal 50 Milligramm Nitrat dürfen laut EG-Richtlinie im Grundwasser enthalten sein. Zwar ist das Lüneburger Grundwasser davon weit entfernt, doch ohne aktives Gegensteuern wäre die Nitratbelastung vermutlich höher, wie Annette Menke und ihr Kollege Christian Reinert in der Sitzung deutlich machten. Denn noch 2008 lag der Anteil des Nitrats im oberflächennahen Sickerwasserbereich bei 101 Milligramm pro Liter, inzwischen ist er im Zeitraum 2011 bis 2017 auf einen Durchschnittswert von 72 Milligramm gesunken. Warum im Grundwasser in rund 200 Meter Tiefe dennoch nur 5 Milligramm nachgewiesen werden, ist laut Menke auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Zum einen ist das Lüneburger Grundwasser viele hundert Jahre alt, Eintragsstoffe aus der modernen Landwirtschaft gelangen nur langsam in den Grundwasserkörper. Außerdem werden die – teilweise als Gülle – auf der Oberfläche ausgebrachten Nitrate auf ihrem Weg ins Grundwasser in andere Stoffe umgewandelt. Doch dieser Prozess der „Denitrifikation“ sei nicht unendlich fortsetzbar, da die dafür benötigten Eisensulfide im Boden kontinuierlich abgebaut würden. „Wie lange dies noch geht, ist schwer zu sagen, vielleicht einhundert Jahre, vielleicht länger“, erklärte die Agrar-Diplomingenieurin.

Wichtig sei es daher, Landwirte intensiv über den richtigen Einsatz von Düngemitteln zu beraten, „auf freiwilliger Basis“, wie die INGUS-Mitarbeiterin erklärte. Das wird offenbar gut angenommen, von den 42 landwirtschaftlichen Betrieben im Bereich das Trinkwassergewinnungsgebietes Lüneburg nehmen 41 das Angebot wahr.

„Traumgebiet“ Lüneburg

Das Institut sieht aber auch Verbesserungsbedarf. „Die Ausstattung mit Messstellen ist noch nicht optimal“, antwortete Annette Menke auf eine Frage von Dr. Monika von Haaren (Grüne). Die Politikerin zeigte sich zudem irritiert, dass der Wasserversorger über die Anzahl der Messstellen befindet, „immerhin haben sie ja die Funktion eines Frühwarnsystems“.

Stefan Minks (SPD) wollte wissen, ob die Region Lüneburg durch sogenannte Gülletransporte gefährdet ist und ob diese einer Genehmigung bedürften. „Es wird uns nicht massiv überrollen“, sagte Menke. Allerdings sei Lüneburg „ein Traumgebiet im Vergleich zu anderen Regionen, in denen der Grenzwert deutlich überschritten ist“. Eine Genehmigung sei nicht erforderlich, ein Verbot von Transporten sei im Rahmen der Düngemittelverordnung nicht möglich.

Als wertvoll für die Reduzierung der Nitratkonzentration bezeichnete Annette Menke Maßnahmen wie die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen als „Dauer-Grünland“. Aber auch Aktionen wie „Blätterwald“ bezeichnete sie als „sehr hilfreich“.

Umweltdezernent Markus Moßmann bescheinigte den Aktivitäten zwar noch „Luft nach oben“ zu haben, „akuten Handlungsbedarf“ sehe er aber nicht.

Lüneburgs Grundwasserkörper

7321 Hektar umfasst das Gebiet des Grundwasserkörpers links und rechts der Ilmenau, aus dem die Purena GmbH ihren Rohstoff für die Trinkwasserversorgung in Lüneburg bezieht. Die Fläche erstreckt sich über das südliche Lüneburg über Vastorf und Melbeck bis kurz vor Bienenbüttel. Rund ein Drittel davon (2324 Hektar) werden landwirtschaftlich genutzt, der überwiegende Teil entfällt auf Forstwirtschaft (3406) sowie Siedlungen und Verkehrsinfrastruktur (1591).

Von Ulf Stüwe