Dienstag , 18. September 2018
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Jakob Grabow-Klucken vom BUND (r.) und Hans-Georg Grzenia, Leiter Friedhofswesen, mit einem Plan für die Bepflanzung der Mustergräber. Foto: t&w

Blühwiese zwischen Gräbern

Lüneburg. Friedhöfe sind nicht nur Ruhestätten, sondern sie sind auch wichtiger Rückzugsort für Pflanzen und Tiere aufgrund alter Baumbestände und wildwachsende r Farn- und Blütenpflanzen außerhalb gepflegter Grabflächen. Für Insekten und inbesondere Wildbienen, deren Anzahl dramatisch zurückgeht, ein wichtiger Lebensraum. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Niedersachsen (BUND) hat nun das Modellprojekt „Ökologische Nische Friedhof“ angestoßen, um speziell für Wildbienen bessere Rückzugs- und Nahrungsmöglichkeiten zu schaffen. In vier Städten wird es umgesetzt, darunter auf dem Waldfriedhof in Lüneburg in Kooperation mit der Hansestadt.

Bürger für das Thema sensibilisieren

Heiner Baumgarten, Vorsitzender des BUND-Landesverbandes Niedersachsen, machte am Montag noch einmal deutlich: Die Zahl der Insekten ist in den vergangenen Jahren um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Grund dafür seien unter anderem der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft, aber auch, dass in Hausgärten insektenfreundliche Pflanzen fehlen. Und auch Friedhöfe würden häufig so bepflanzt, dass sie für Insekten geringere Bedeutung haben. Mit Blick darauf, dass der Friedhofsflächenbedarf zurückgeht, so auch in Lüneburg (LZ berichtete), haben Jakob Grabow-Klucken und Annika Hennemuth ein Konzept erstellt, wie der Nahrungs- und Lebensraum speziell für Wildbienen auf nicht genutzten Flächen verbessert werden kann. Baumgarten dankte der Stadt, dass sie sich dem Projekt angeschlossen habe. Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf machte deutlich, dass es in Anbetracht des Insektensterbens wichtig sei, für das Thema zu sensibilisieren und es im Bewusstsein der Bürger zu verankern. Er verwies in dem Zusammenhang auch auf die Aktionstage „Schönheit und Vielfalt der Insekten“, die im Museum in Zusammenarbeit mit dem Nabu laufen.

Eisenhut, Taubnessel, Waldstorchschnabel und Waldziest

Bei einem Rundgang über den Waldfriedhof informierte Jakob Grabow-Klucken zum Thema Wildbienen, von denen es zirka 570 Arten – von der Hummel bis zu ganz kleinen Vertretern – gibt. Die Bodennister brauchen ganz unterschiedliche Materialien, um ihre Brutplätze herstellen zu können. Und sie brauchen heimische Pflanzen, deren Pollen Nahrungsgrundlage sind. Als eine erste Maßnahme wurde auch mit Ehrenamtlichen eine Wildblumenwiese auf einem längst ausgelaufenen Grabfeld angelegt, „das von den Mitarbeitern des Waldfriedhofes vorbereitet wurde“, erläutert Hans-Georg Grzenia, Leiter Friedhofswesen bei der Stadt. „Dass der BUND uns angesprochen hat, kam uns sehr entgegen, da wir bereits vorhatten, etwas mit einer Blumenwiese umzusetzen.“

Außerdem wurden vier nicht mehr belegte Doppelgräber pflanzfähig hergerichtet, die unter anderem mit blauem Eisenhut, gefleckter Taubnessel, Waldstorchschnabel und Waldziest bepflanzt wurden. Allen eins gemein: Es sind heimische Pflanzen, deren Pollen der Wildbiene sowie anderen Insekten ausreichend Nahrung bieten. Grzenia erhofft sich darüber hinaus den Effekt, dass die Mustergräber „Nutzungsberechtigten Anreize bieten, ihre Gräber ebenfalls bienenfreundlich zu gestalten“.

Heimische Pflanzen bieten Nahrung

Begleitet wird das Projekt von dem Biologen Uwe Handke aus Delmenhorst. „Er wird ein Jahr lang erfassen, welche Arten von Wildbienen es auf dem Lüneburger Waldfriedhof gibt“, so Grabow-Klucken. Das BUND-Projekt, das außerdem in Göttingen, Hannover und Braunschweig läuft und auch Schulungen und Seminare bietet, wird von der Bingo-Stiftung gefördert.

Weitere Informationen unter www.bund-niedersachsen.de.

Von Antje Schäfer

Imker, Landkreis und Stadt sind aktiv

Biologische Vielfalt fördern

„Lüneburg summt“ heißt das Projekt, das der Landkreis und der Kreisimkerverein auf den Weg gebracht haben, um die Nahrungsquellen für Insekten zu verbessern. Im Fokus ist dabei die Biene. Für sein Engagement wurde der Verein unter Vorsitz von Claudia Kutzick mit dem Nachhaltigkeits-Preis der Sparkassenstiftung geehrt. Auch die Stadt setzt vermehrt auf biologische Vielfalt. Constanze Keuter, Bereich Grünplanung: „Blühstreifen sind unter anderem angelegt worden sowie eine Blühwiese vorm Klinikum-Parkhaus.“