Mittwoch , 26. September 2018
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Sie protestierten gegen die Verwendung von Tropenholz bei der Brückensanierung in Deutsch Evern (v. l.): Judith Sievers, Karin Nikolaus, Beate Beckedorf, Martina Börstling, Eva Harrion und Thilo Clavin von Greenpeace. (Foto: t&w)

Protest gegen Brückensanierung

Deutsch Evern. Lange wurde darüber diskutiert, heute soll es mit den Arbeiten losgehen – aber nicht allen gefällt, mit welchem Material die hölzerne Fußgängerbrücke über die Bahnstrecke Hamburg – Hannover in Deutsch Evern saniert werden soll: Gestern protestierten Mitglieder der Lüneburger Gruppe der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen die Verwendung von tropischem Bongossi-Holz.

Insgesamt elf Kubikmeter des Holzes, das wegen seiner Härte und Widerstandsfähigkeit unter anderem beim Holzbrückenbau gern eingesetzt wird, sollen an der Brücke verbaut werden. Die wurde 1984 errichtet, auch damals schon aus Bongossi-Holz, und ist mittlerweile arg in die Jahre gekommen.

Eine zwischenzeitlich erwogene Sanierung der Brücke unter Verwendung von glasfaserverstärktem Kunststoff sei wieder verworfen worden, erklärt Deutsch Everns Gemeindedirektorin Stephanie Buntrock auf Nachfrage. „Das funktioniert hier nicht.“

Gemeindedirektorin: Eiche keine Alternative

„Unsere Forderung ist, dass die Gemeinde Deutsch Evern noch einmal prüft, ob wirklich Bongossi-Holz verbaut werden muss“, sagt Karin Nikolaus, Sprecherin der Gruppe, die gestern mit Transparenten angerückt war. Im besten Fall solle die Gemeinde das Holz zurückschicken. Holz aus heimischen Wäldern sei ebenso für die Sanierung der Brücke geeignet, etwa Eiche, sagt Nikolaus. In jedem Fall wolle man aber mit der Aktion das Bewusstsein für die Problematik der Verwendung von Tropenholz wecken. Karin Nikolaus: „Damit so etwas in Zukunft nicht wieder passiert.“

Gemeindedirektorin Bunt­rock sieht das anders. Sie ist überzeugt davon, dass es für die Arbeiten an der Brücke keine Alternative zum Bongossi-Holz gibt. Eiche sei etwa sei nicht geeignet. „Damit wäre die Statik nicht mehr gegeben.“

In einer Presseerklärung hatte Greenpeace auch kritisiert, dass die Bitte um die Zusendung des FSC-Zertifikats von Seiten der Kommune unbeantwortet geblieben war. „Das Zertifikat lag auch uns noch nicht vor, und was wir nicht haben, können wir nicht zusenden“, erklärte Gemeindedirektorin Buntrock. Sie geht davon aus, dass die ausführende Baufirma das entsprechende Papier mit dem heutigen Baubeginn vorlegen werde.

Bongossi-Baum vom Aussterben bedroht

FSC steht für „Forest Stewardship Council“ und ist ein internationales Zertifizierungssystem für Waldwirtschaft. Verschiedene Prinzipien garantieren, dass damit ausgezeichnete Holz aus „verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern“ stammt. Gründungsmitglied des FSC war auch Greenpeace, allerdings hat die Organisation ihre Mitgliedschaft nicht erneuert. Thilo Clavin von Greenpeace: „Für deutsche Wälder ist das Siegel sinnvoll, in tropischen Wäldern lässt sich das nicht kontrollieren.“

Auch der Hamburger Verein Regenwald hat sich in die Diskussion um die Sanierung der Brücke in Deutsch Evern eingeschaltet. Er verweist darauf, dass der Bongossi-Baum auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten steht, fordert unter anderem die „Lokale Aktionsgruppe LEADER-Naturparkregion Lüneburger Heide“ auf, ihren Zuschuss zurückzuziehen.

Von Ingo Petersen