Donnerstag , 20. September 2018
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Gestern Linsensuppe, heute Gulasch: Die Feldköche René Folgmann (vorn) und Thomas Hölst bereiten auf dem von Estorff‘schen Hof das Essen für die Soldaten zu. Foto: t&w

Truppe Untermieter auf Bauernhöfen

Lüneburg. Es dampft und brodelt im Kessel. Die Temperaturen –feucht-warm, fast schon wie in den Tropen: Trotzdem ist das der beste Arbeitsplatz, den sich Oberfe ldwebel Stefan Loy (34) und seine Kameraden derzeit vorstellen können. Der nennt sich „TFK 250“ – die Abkürzung steht für Taktische Feldküche, die Zahl für die Personen, die mithilfe der Küche versorgt werden können. Drei dieser Feldküchen stehen seit Anfang der Woche auf dem Gutshof von Christian von Estorff in Barnstedt. Hier befindet sich das Herz der Truppenversorgung. Von hier aus werden rund 600 Soldaten des Aufklärungslehrbataillons 3 „LÜNEBURG“ versorgt, die sich noch bis Mitte nächster Woche im Raum Lüneburg/Bergen im Manöver befinden.

Partner aus Luxemburg und den Niederlanden mit dabei

Das Besondere an dieser militärischen Übung: Die Aufklärer – unterstützt durch Soldaten aus den Niederlanden und aus Luxemburg – sind dieses Mal nicht nur für die Bürger „unsichtbar“ auf Truppenübungsplätzen unterwegs, sondern haben ihre Gefechtsstände auf Bauernhöfen in der Region aufgebaut.

Auf dem Hof von Kreislandwirt Jens Wischmann in Dehnsen ist Bataillonskommandeur Michael Hoppstädter mit seinem Stab in einer Scheune untergezogen. Nur die Posten an der Straße und die wenigen noch sichtbaren, aber mit Netzen getarnten Fahrzeuge erinnern an die Anwesenheit der Aufklärer. „Viel sehen, ohne gesehen zu werden“ lautet das Leitmotiv der Aufklärer – und daran versuchen sich alle zu halten.

Für viele im Dorf ist die Anwesenheit der Soldaten eine willkommene Abwechslung: „Da fühle ich mich doch an alte Zeiten erinnert“, sagt der Dehnsener Landwirt Ernst-Henning Michaelis. Auf seinem Fahrrad ist er zum Gefechtsstand geradelt – und hat Glück. Ein kleiner Plausch mit Soldaten ist möglich. „Früher waren es die Briten, aber die haben bis in die 1990er-Jahre während ihrer Übungen das ganze Dorf belagert“, erinnert er sich. Und die britischen Soldaten hätten auch nicht gefragt – „die sind mit ihren Fahrzeugen einfach auf die Höfe gefahren“. Nur wenige Kilometer weiter Richtung Rehrhof begannen schließlich schon die „Roten Flächen“. Das Übungsgebiet der britischen Rheinarmee in der Lüneburger Heide. Gegen die Anwesenheit der Bundeswehr aber hat Michaelis nichts einzuwenden – im Gegenteil.

Bestens auf- und angenommen von der Bevölkerung fühlen sich auch Major Martin Fomferra und seine Soldaten in Barnstedt. „Das ist schon klasse, was hier alles für uns gemacht wird“, bedankt sich der Chef der Unterstützungskompanie. Nicht nur dass die Barnstedter den Soldaten sehr freundlich gesonnen seien, „die machen auch alles Menschenmögliche für uns“, freut sich der 45-Jährige.

Seinen Gefechtsstand hat er auf dem Anwesen von Karl-Heinrich Meyer eingerichtet. „Der Besitzer hat extra noch einmal für uns den Hof abgeschoben, beim Entladen unserer Fahrzeuge mit seinem Schlepper geholfen und uns sogar in seinem Partyraum einen prima Schlafplatz angeboten. Und die Betonarbeiten in seiner Halle, in der die Aufklärer ihren Gefechtsstand eingerichtet haben, habe Meyer extra vorgezogen. „So haben wir jetzt auch noch einen baulich 1A-Gefechtsstand“, freut sich der Major, der unumwunden zugibt: „Das hätte ich so nicht erwartet“.

Besondere Übung auch für die Soldaten in der Feldküche

Das in einem solchem Umfeld das Kochen für die Truppe noch mal so viel Spaß macht – wen wundert´s: Denn auch auf der anderen Straßenseite, auf dem von Estorff´schen Gutshof, fühlen sich Verpflegungstruppführer Stefan Loy und seine Soldaten pudelwohl. Aber schließlich ist diese Übung für ihn und seine Soldaten auch etwas ganz Besonderes: „Eine Übung außerhalb eines Truppenübungsplatzes, bei der wir insgesamt neun Tage mit der Feldküche kochen, das habe ich in meinen elf Dienstjahren noch nicht erlebt“, sagt Loy – und geht zurück zu seiner Feldküche. 216 Liter Linseneintopf müssen schließlich rechtzeitig fertig werden. Und auf die warten nicht nur hungrige Lüneburger Aufklärer, sondern auch deren Kameraden aus Luxemburg und den Niederlanden, die ebenfalls an dieser Übung teilnehmen.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Schnelle Einsatztruppe

Mit diesem Manöver bereitet sich das Aufklärungslehrbataillon weiter auf den VJTF-Einsatz vor. Hinter der Abkürzung verbirgt sich der Aufbau einer sehr schnellen Einsatztruppe der Nato. Ab 2019 müssen auch die Lüneburger Aufklärer innerhalb von fünf Tagen für Einsätze weltweit einsatzbereit sein. Die Bundeswehr nutzt die jetzige Übung auch dazu, das Bataillon für diese Aufgabe zu zertifizieren.