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GfA-Mitarbeiter Stefan Roßdeutscher freut sich über den Abschluss: „Ich bin zufrieden damit. Es könnte etwas mehr sein, aber man muss auf dem Boden bleiben. Es muss ja auch finanziert werden.“ (Foto: be)

Gemischtes Echo auf Tariferhöhung

Lüneburg. Mit durchschnittlich 7,5 Prozent mehr Lohn in drei Schritten wurde jetzt der Tarifstreit im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen beigelegt. Doch während sich die Verhandlungspartner auf beiden Seiten zufrieden mit dem erzielten Ergebnis zeigten, stößt die Tarifeinigung in der Region auf ein gemischtes Echo.

Als „eindeutig zu hoch“ bezeichnete Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der für die Arbeitgeberseite in Potsdam mit am Tisch gesessen hatte, den Abschluss. „Gerade die Kommunen, in denen der Haushalt auf Kante genäht ist, werden da in Schwierigkeiten kommen und letztlich die Gebühren erhöhen müssen.“ Das gehe zu Lasten aller Bürger. Die Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber hänge nicht allein an der tariflichen Vergütung, betonte Mädge, auch Faktoren wie Sicherheit des Arbeitsplatzes, Familienfreundlichkeit und Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zählten dazu.

Lüneburg muss 1,4 Millionen mehr zahlen 

Wie berichtet, soll der neue Tarifvertrag rückwirkend zum 1. März beginnen und eine Laufzeit von 30 Monaten haben. Die drei Erhöhungen machen 3,19 Prozent rückwirkend zum 1. März 2018 aus, zum 1. April 2019 dann 3,09 Prozent und zum 1. März 2020 weitere 1,06 Prozent. Für die unteren Einkommen gibt es mit Wirkung vom März eine Einmalzahlung von 250 Euro. Das betrifft unter anderem Müllwerker, die heute bis zu 2629 Euro verdienen.

Für die Stadt Lüneburg bedeute der Abschluss zusätzliche Personalkosten von zunächst rund 1,4 Millionen Euro im Jahr 2018 und 2019 von nochmals 1,5 Millionen Euro. Weil die Stadt selbst aber lediglich mit Tarifsteigerungen in Höhe von 2,5 Prozent gerechnet hatte, fehlten für 2018 vorerst rund 400 000 Euro und für 2019 nochmals rund 500 000 Euro. Dieser Betrag werde sich aber noch erhöhen, da im Laufe des Jahres noch weitere Mehrausgaben für Beamte und Erzieherinnen hinzu kämen, teilte die Stadt mit.

100 000 Euro zu wenig eingerechnet

Landrat Manfred Nahrstedt hielt sich mit einer Kommentierung des Abschlusses zurück. Zu den Auswirkungen sagte er: „Der Landkreis Lüneburg hat für 2018 mit einer etwa dreiprozentigen Lohnerhöhung gerechnet und rund 600 000 Euro in den Haushalt eingestellt – 100 000 Euro zu wenig. Wir werden versuchen, das im Gesamtergebnis dieses Jahres aufzufangen.“

Überrascht über die Lohnsteigerung zeigte sich Norbert Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Ostheide und Kreisvorsitzender des Städte- und Gemeindebundes. Für die öffentlichen Haushalte sei dies „eine relativ hohe Belastung“. Wegen der guten Steuereinnahmen sei aber auch ein etwas höherer Tarifabschluss als in den Vorjahren zu erwarten gewesen. Für die Samtgemeinde Ostheide, die für 2018 eine Lohnsteigerung von 2 Prozent eingerechnet hatte, bedeutet der Tarifabschluss Mehrausgaben von fast 150 000 Euro, die von der Samtgemeinde aber verkraftet werden könnten.

Von Ulf Stüwe