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„Bald ist auch von dieser Hecke gar nichts mehr übrig“, befürchtet Wilfried Riegel aus Brietlingen. (Foto: dth)

Wo sind all die Hecken hin?

Brietlingen. „Und auch diese Hecke wurde einfach abrasiert.“ Wenn der Brietlinger Wilfried Riegel durch die Felder und Wiesen in der Elbmarsch wandert, verfinstert sich seine Miene zusehends. Anhand historischer Fotos zeigt er, wo vor Jahrzehnten noch zahlreiche Hecken aus Weiß- und Schwarzdorn, Buche und Eberesche die Feldränder säumten. Und heute? Verschwunden, verkümmert oder zu monotonen Baumreihen aufgewachsen. „Hecken in der Landschaft sind Schutzzonen und damit eine Art Arche zum Überleben“, sagt der gelernte Gärtner. Einen flächendeckenden Rückgang von Hecken und Feldrandgehölzen verneinen zwar Landwirte wie Behörden. Dagegen beklagen aber Naturschützer einen Verlust der fachgerechten Heckenpflege.

Naturnahe Gebüsche, Feldgehölze und Hecken im Außenbereich gelten als „gesetzlich geschützte Landschaftsbestandteile“. Vereinzelte Fälle von unsachgemäßer Pflege oder gar Wegnahme seien dennoch schon vorgekommen, bestätigt Stefan Bartscht von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg. Aber: „Von Seiten des Fachdienstes Umwelt finden keine Kontrollen statt, vielmehr gehen wir Hinweisen nach. Bei festgestellten Ordnungswidrigkeiten wird die Wiederherstellung angeordnet.“

„Drakonische Strafen“ für Rückschnitt

Der Brietlinger Wilfried Riegel vermutet, dass es dann vielleicht gar nicht auffällt, wenn ein Landwirt in einem Jahr mal hier und mal dort ein paar Meter verschwinden lässt. Dem widerspricht Lüneburgs Kreislandwirt Jens Wischmann.

Wischmann: „Ein Zurückschneiden und Entfernen von Feldgehölzen ist nicht erlaubt. Wenn ein Landwirt das machen würde, könnte das auf den Luftbildern der Landwirtschaftskammer auffallen. Das ist seit rund zehn Jahren mit drakonischen Strafen belegt.“ Wenn ein Landschaftselement weggenommen wird, sei das ein sogenannter Cross-Compliance-Verstoß, also ein Verstoß gegen Verpflichtungen, die mit der Zahlung von EU-Mitteln in Verbindung stehen. Wischmann: „So kann es im Ernstfall zu kompletten Rückforderungen von Ausgleichszahlungen kommen.“ Aber er will nicht ausschließen, dass es schwarze Schafe gibt, denen es wichtiger ist, mit ihrem Schlepper besser auf dem Feld zu rangieren.

Andererseits sind Hecken von Vorteil, wenn Landwirte fünf Prozent ihrer Ackerflächen als ökologische Vorrangflächen nachweisen müssen: Feldrandgehölze könnten anderthalbfach und Hecken doppelt angerechnet werden, sodass sich die Landwirte weniger Gedanken über Brachen machen müssten, heißt es bei der Landwirtschaftskammer.

Hecken verschwinden, Baumreihen bleiben stehen

Die LZ hat Fotos der Brietlinger Hecken einem Experten der „Stiftung Kulturlandpflege“ in Hannover gezeigt. Die Stiftung setzt sich landesweit auch für den Erhalt von Heckenstrukturen ein. Geschäftsführer Björn Rohloff sagt: „Man sieht schon, dass der Landwirt versucht, den Überhang zu reduzieren, das ist auch sein gutes Recht: Aber schon die Ausgangsvoraussetzungen der Hecke sind schlecht. Was da steht, ist als Hecke zu schmal, um eine gute ökologische Wirkung zu entfalten, beispielsweise als Nistplatz für Vögel.“ Seine Empfehlung in solchen Fällen: „Die ganzen Sträucher einheitlich auf 60 bis 80 Zentimeter auf den Stock setzen, die buschige Form behalten und in den Lücken nachpflanzen.“

Laut Rohloff gehe die fachgerechte Heckenpflege im Prinzip einher mit den Anforderungen der Landwirtschaft. Rohloff: „Ich sehe aber das grundsätzliche Problem in dem Abbruch der Heckenpflegetradition. Was dabei die Hecken vor allem in Bedrängnis bringt, ist der starke Baumwuchs, der die heimischen Sträucher verschattet.“ Als Resultat verschwindet über die Zeit die eigentliche Hecke und es bleiben Baumreihen stehen.

Von Dennis Thomas

2 Kommentare

  1. und dann wird von brut und setzzeit gefaselt. als ob es da noch tiere geben würde.

  2. Naja, die „aufmerksamen Spaziergänger“ – um das Wort ahnungslos zu vermeiden – schreien halt lauter wenn sie einen gestutzten Baum sehen. Eine eingehende Hecke fällt da nicht so auf, das merkt keiner.
    So macht der Landwirt halt lieber nix. Zumal er bei Baumbeschneiden wahrscheinlich erstmal trölf Gremien, Verbände und Ämter fragen müsste – vom Arbeitsaufwand mal ganz abgesehen. Zumal „wir überlassen alles der Natur“ ja auch Gemeindedoktrin ist.
    Da wird dann lieber über den Rückgang von Insekten und Singvögel lamentiert.
    „Kulturlandschaft“ ist out, „Naturlandschaft“ ist in. Somit geliefert wie bestellt.
    Tja, kein Vorteil ohne Nachteil, kein Nachteil ohne Vorteil.