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Pflanzhelfer Konstantin Linder erklärt den Teilnehmern, worauf sie beim Pflanzen achten müssen. Foto: t&w

„Eine kleine Tat mit großer Wirkung“

Boltersen. Eigentlich hätten Amrei Hübner und Katharina Elster „eher Netflix geguckt, gelernt oder sich mit Freunden getroffen“ – wäre da nicht ihr Lehrer Björn Petzold gewesen. Da der elfte Jahrgang der Herderschule derzeit das „Ökosystem Wald“ im Unterricht behandelt, nahm Petzold die nunmehr 13. Pflanzaktion LZ-Blätterwald zum Anlass, „Unterricht mal anders zu machen“. Bio-Lehrer und 20 Schüler griffen beherzt zur Schaufel – ebenso wie etwa 200 weitere Teilnehmer, die auf einer 7000 Quadratmeter großen Fläche in einem Waldstück bei Boltersen junge Bäume einpflanzten – und sich so für mehr Laubbäume, mehr Trinkwasser und eine bessere Zukunft engagierten.

Der Tag stand ganz im Zeichen des Naturschutzes – international sowie in Boltersen. Zum einen, weil Tag der Erde war, bei dem es jährlich darum geht, ein Bewusstsein für einen umweltbewussten und nachhaltigen Lebensstil zu schaffen und für Umweltprobleme zu sensibilisieren. Zum anderen wegen des jährlichen Pflanzfestes zur Aktion LZ-Blätterwald.

Auf die Idee, den Sonntag mit Bäumepflanzen zu verbringen, „wären wir allein wahrscheinlich nicht gekommen“, erzählen die beiden Lüneburgerinnen Amrei Hübner (17) und Katharina Elster (18), während sie mit ihren Schaufeln ein Loch im Boden ausheben, um eine Esskastanie einzupflanzen. „Wir sind eher Stadtmädels“, sagen sie lachend. Jetzt aber, nachdem ihr Lehrer sie und den Rest des Bio-Kurses für den LZ-Blätterwald angemeldet hatte, „und wir hier mit mehreren Leuten zusammen pflanzen, ist es doch ganz lustig“, gibt Amrei zu. „Es ist ja auch eine sinnvolle Sache – und bei dem Wetter macht es auch Spaß“, findet Katharina.

„Nur was man kennt, das schützt man auch“ – Björn Petzold, Lehrer

Für eine „sinnvolle Sache“ hält Lehrer Björn Petzold den LZ-Blätterwald schon lange. „Ich war bis auf ein einziges Mal jedes Jahr mit dabei – von Anfang an“, sagt er. Die aktuelle Pflanzaktion sei „eine super Gelegenheit für meine Schüler, das Ökosystem Wald hautnah kennenzulernen“ – denn Petzold ist überzeugt: „Nur das, was man kennt, das schützt man auch.“

Einen Beitrag zum Schutz des Waldes leistet der Blätterwald seit 2007 – da haben die LZ und der Verein Trinkwasserwald die Aktion ins Leben gerufen. Unterstützt werden sie dabei seit Jahren von den Lüneburger Partner-Unternehmen DBL Marwitz Textilpflege und Bockelmann Holz. Erstmals hat sich in diesem Jahr auch Coca-Cola mit einer größeren Spende engagiert. Unterstützt haben das Pflanzfest 2018 zudem die Feuerwehr Boltersen, die DRK Kreisbereitschaft, die Bleckeder Kleinbahn und die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg sowie Baronesse Erlebniscatering.

Mehr als 2800 Baumpaten konnten seit 2007 bei zwölf Pflanzfesten, von Amelinghausen über Lüneburg bis Bleckede, gefunden, und mehr als 85 100 neue Bäume in der Region gepflanzt werden. Etwa 3300 kamen gestern hinzu, darunter Roteichen, Esskastanien und Buchen – Laubbäume, die künftig zu einer besseren Grundwasserbildung beitragen. „Damit ermöglichen wir jährlich die Produktion von zusätzlichen 600 000 Liter Trinkwasser“, erklärte der Vorsitzende des Vereins Trinkwasserwald, Heiner Rupsch.

Gemeinsam mit LZ-Chefredakteur Marc Rath eröffnete er das Pflanzfest, ehe „Frau Wasser“ und „Herr Wald“ an der Reihe waren, die beiden Schauspieler machten – wie in den Vorjahren – auf die Bedeutung von Wald, Wasser und der Pflanzung von Bäumen aufmerksam.

Anreise erstmals mit dem Heide-Express

Dann ging es an die Arbeit für die zahlreichen Teilnehmer, die in diesem Jahr erstmals auch von Lüneburg aus mit dem Heide-Express zum Pflanzfest fahren konnten. Freiwillige Pflanzhelfer des Vereins Trinkwasserwald, der Landesforsten und der Nabu-Kreisgruppe zeigten wie es geht. Ebenfalls neu in diesem Jahr: Neben Laubbäumen wurden auch Sträucher wie Salweiden, Weißdorn und Schlehe am Waldrand gepflanzt – „eine willkommene Gegenbewegung zum derzeitigen Insektensterben“, erklärte Rupsch. „Denn diese Straucharten werden von vielen Insektenarten genutzt – vor allem von Bienen.“

Einen Beitrag zum Schutz des Waldes leisten möchten an diesem Tag auch Andreas und Julia Müller mit ihrem zweijährigen Sohn Carl Ole. „Wir sind selbst viel im Wald und finden es daher wichtig, dass Wald nachwächst und nicht nur gerodet wird“, sagt Andreas Müller, dem beim Schaufeln bei sonnigen 23 Grad der Schweiß von der Stirn tropft. „Ja, das Pflanzen ist anstrengend“, gibt er zu. Aber die Anstrengung lohne sich. „Eine kleine Tat mit großer Wirkung.“ Die Lüneburger Familie ist in diesem Jahr zum ersten Mal mit dabei und schon jetzt sicher: „Wir kommen nächstes Jahr wieder.“

von Patricia Luft

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