Aktuell
Home | Lokales | Löns-Schüler begeistern mit Bach
Stimmgewaltig: Der "Hermann-Löns-Bach-Chor" mit Leiterin Friedhilde Trüün. Foto: t&w

Löns-Schüler begeistern mit Bach

Lüneburg. Der Applaus war eine schöne Belohnung für fünf Tage Arbeit, die aber mächtig Spaß gemacht hatten: Vor vollbesetzten Bänken bewiesen rund 300 Mädchen und Jungen der Hermann-Löns-Schule am Freitagabend bei einem Konzert in der St. Michaeliskirche, dass Johann Sebastian Bach auch bei der Jugend im Jahr 2018 gut ankommt. Zuvor hatten sich die Schüler eine Woche lang mit dem Komponisten und dessen Werken beschäftigt, schließlich hat Bach ja auch in Lüneburg gelebt und Spuren hinterlassen. Einige seiner Werke trugen sie dann – in modernem Gewand und mit Texten versehen – in der Kirche vor. Helena Panteli führte als Moderatorin durch die musikalische Reise.

„Das klappt und wird fantastisch“, war sich Friedhilde Trüün bereits vor dem Konzert sicher. Wer sie erlebt hat, hegte daran keinen Zweifel. Voller Energie und Leidenschaft vermittelt die erfahrene Vokalpädagogin und Kinderchorleiterin den Jungen und Mädchen stimmbildnerische Grundlagen. Förmlich an den Lippen klebt ihr der Nachwuchs, verfolgt jede einzelne Geste, jede Bewegung ihres Mundes mit Faszination. Hier werden auch Musikmuffel zum Mitmachen animiert, denn Friedhilde Trüün hat ein oberstes Gebot: „Es soll einfach Spaß machen.“

Seit 2009 bietet die in Nordhorn geborene Honorarprofessorin das Projekt „Sing Bach!“ für Schulkinder an – in dieser Woche erstmals in Niedersachsen. Ziel ist es, ihnen einen altersgerechten und aktiven Zugang zur klassischen Musik zu vermitteln. Gemeinsam mit den Lehrerinnen lernen die Klassen Lieder und Choräle sowie umgearbeitete Arien des weltberühmten Barock-Komponisten. Nebenbei erfahren sie auch noch jede Menge Hintergrund zu seinem Leben und Wirken. „Ich bin einfach ein ganz großer Bach-Fan“, sagt Friedhilde Trüün und lacht.

Schon mit fünf Jahren hat die heute 57-Jährige ihr Herz an Johann Sebastian Bach verloren: „Ich komme aus einem kleinen Dorf an der holländischen Grenze, mein Vater war Obsthändler und Organist, tauschte irgendwann zwei Schafe gegen ein Klavier.“

Begeisterung färbt auf die Kinder ab

Damit fing alles an. Ohne Noten lesen zu können, nur nach Gehör, spielte sie das Thema der weltberühmten Toccata. Ihre seit damals andauernde Begeisterung für den Künstler will sie an den Nachwuchs weitergeben.

„Gerade für Grundschulkinder ist seine Musik geeignet“, sagt Friedhilde Trüün, „sie enthält sehr viele Wiederholungen und Sequenzen, die den Eindruck erzeugen ‚das kann ich schon‘.“ Kleine Melodien könnten sofort nachgesungen, die Texte dann langsam mit eingearbeitet werden. Das begeistert, strengt aber auch an – zumindest die Chorleiterin: „Kinder sind total ehrlich“, sagt sie, „die sagen einem, wenn ihnen was nicht passt. Deshalb muss ich immer präsent sein, sie bei Spannung halten und sie fesseln.“ Und das gelingt.

Jasmin (7) ist von der Bach-Woche total hingerissen: „So viele Kinderkönnen so wahnsinnig gut singen“, sagt sie, und Leif (9) meint: „Ich finde Singen an sich schon toll, aber hier macht es besonders viel Spaß, weil wir so ganz andere Lieder üben können.“ Tim ist vor allem von Friedhilde Trüün beeindruckt: „Sie schafft es ohne Probleme, die ganzen Kinder immer ruhig und bei der Sache zu halten“, sagt der Zehnjährige.

Das hat Trüün auch in der St. Michaeliskirche bewiesen. Mit Unterstützung des Frank-Schlichter-Ensembles brachte der „Hermman-Löns-Bach-Chor“ die alten Gemäuer zum Schwingen bringen.

Hintergrund

Kontakte vor zwei Jahren geknüpft

Hinter jedem Projekt stehen Menschen und Organisationen, ohne deren Einsatz und finanzielle Hilfe ein derartiges Erlebnis für die Kinder nicht möglich wäre: Vor rund zwei Jahren hatte Musiklehrerin Friederike Guffens den Kontakt zu Friedhilde Trüün geknüpft, um das Vorhaben an die Hermann-Löns-Schule zu holen. Unzählige Mails hatte sie geschrieben, Termine koordiniert, Töpfe angezapft und teilweise geleert. Letztlich konnten mit dem Lüneburgischen Landschaftsverband, der Sparkassenstiftung, der Volksbank, der Bürgerstiftung und dem Schulförderverein genügend Förderer für die Idee begeistert werden.

von Ute Lühr/lz

One comment

  1. Der Artikel liest sich schon hinreissend, das war sicherlich ein prägendes Ereignis für die vortragenden Kinder und stolzen Eltern und Lehrer, klasse.