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Mal abschalten vom Musical-Stress: Rebekka Corcodel genießt die wenige freie Zeit in ihrer Heimat Lüneburg. (Foto: t&w)
Mal abschalten vom Musical-Stress: Rebekka Corcodel genießt die wenige freie Zeit in ihrer Heimat Lüneburg. (Foto: t&w)

Als „Chantal“ erobert sie die große Bühne

Lüneburg. Die Ähnlichkeit ist schon da, auch wenn Rebekka sie nur teilweise einräumen will. „Die Begeisterungsfähigkeit und die Euphorie, die haben wir wohl gemein“, sagt die 22-Jährige, die ihrem Kino-Pendant auch optisch nahe kommt. Seit Januar steht Rebekka Corcodel in München auf der Bühne, in dem Musical „Fuck ju Göhte“ spielt sie die Chantal. Es ist das erste feste Engagement der Lüneburgerin – und das kam überraschend.

„Ich hatte gar nicht damit gerechnet“, erzählt Rebekka Corcodel, die im Herbst noch mitten in ihrer Ausbildung an der Schauspielschule in Hamburg stand. Dann kam die E-Mail ihrer Agentur, sie sollte zum Casting kommen, Musical-Macher Stage Entertainment und Kooperationspartner Constantinfilm suchten Kandidatinnen für die Rolle der „Chantal“. Dass es so plötzlich kam, war das eine, dass es ein Musical werden sollte, das andere. Für sie dennoch kein Problem: „Ich war sofort begeistert.“

Offenbar hat die Lüneburgerin in München überzeugt, denn kurz darauf war der Vertrag unterschrieben, wenige Wochen später die ersten Proben. Am 21. Januar dann die Premiere, ein voller Erfolg, wie die junge Frau berichtet, „die Medien haben nur Gutes geschrieben“.

Schauspielerei war eigentlich nicht ihr Ziel

Doch das Leben der 22-Jährigen hat sich seitdem radikal geändert. Acht Mal in der Woche läuft die „Show“, täglich steht sie zweieinhalb Stunden auf der Bühne, sonnabends und sonntags sogar zweimal hintereinander, nur montags hat sie frei. „Es macht unglaublich viel Spaß, es ist ein tolles Team. Aber man muss lernen, mit der wenigen verbleibenden Zeit anders umzugehen.“ Mal entspannen und dem Körper Ruhe gönnen – sonst würde es wohl kaum zu schaffen sein. Ablenkung holt sie sich durch Yoga „und anderen akrobatischen Kram“, wie sie mit einem Lachen hinzufügt. Und dann hat sie auch noch ein Faible für „Adrenalin-Sachen“, Fallschirmspringen zum Beispiel – und wieder schimmert ein bisschen „Chantal“ durch.

Schauspielerin? Nein, das sei eigentlich nie ihr Ziel gewesen, sagt Rebekka Corcodel, die gerade für drei Tage nach Lüneburg gekommen ist. Hier ist sie aufgewachsen, am Johanneum hat sie ihr Abitur gemacht. Doch in den Ferien und der Zeit nach dem Abi hat sie an Schauspiel-Workshops teilgenommen und dort erfahren, „dass das Eintauchen in Figuren und Ausleben von Situationen für mich genau das Richtige ist“. Dass sie Klavier spielt, Tanzen und Singen kann, kommt ihr jetzt natürlich zugute, vielleicht auch das Psychologie-Studium, das sie nebenbei an der Fern-Uni Hagen begonnen hat.

Faible für „Adrenalin-Sachen“

Jeden Tag auftreten und immer perfekt funktionieren, wie passt das zu ihrem Lebensentwurf, sich frei entfalten zu können? „Natürlich muss es jeden Tag sitzen, aber trotzdem ist es immer wieder anders, wenn man auf der Bühne steht, weil auch das Publikum immer wieder anders ist. Darauf reagiert man.“

Noch bis September geht ihr Engagement bei „Fuck ju Göhte“, vielleicht auch länger. An Sonntag, 22. April, wurde in München erstmal die 100. Show gefeiert – ein Erfolg, der ihr sichtlich etwas bedeutet. Jetzt aber steht der Heimatbesuch an, Freunde treffen und auf der Dachterrasse schlafen. „Lüneburg ist so schön!“

Das Vorbild

Erfolg auf der Kinoleinwand

Von „Fack ju Göhte“ gibt es inzwischen drei Teile. Schon der erste Teil der Komödie von Bora Dagtekin mit der absichtlichen Falschschreibung im Titel lockte mehr als sieben Millionen Zuschauer in die Kinos – so viele wie kein anderer Kinofilm in Deutschland im Erscheinungsjahr 2013. Der Film hat mehrere Auszeichnungen gewonnen, unter anderem einen Bambi und einen Deutschen Comedypreis. Die Hauptrollen spielen Elyas M’Barek und Karoline Herfurth, die Rolle der Chantal spielt im Film Jella Haase.

Von Ulf Stüwe