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Frühjahrsarbeit: Die Forstarbeiter Martin Johnsen (l.) und Christian Möller im Lüneburger Stadtwald bei Böhmsholz. Foto: Michael Behns

Stadt verkauft weniger Holz

Lüneburg. Eigentlich hätte es ein richtig gutes Jahr werden können, wenn das Wetter mitgespielt hätte. Doch der extreme Nass-Schnee im Spätherbst 2016 ließ es n icht zu, dass Mitarbeiter des Forstamts Lüneburg den Wald betreten, geschweige denn in ihm arbeiten konnten. Die Folge: 1930 Festmeter Holz, die Hälfte davon wertvolles Laubholz, konnten weniger eingeschlagen werden als ursprünglich geplant. Das Ergebnis spiegelt sich auch im jetzt vorgelegten Forstwirtschaftsbericht 2016 wider.

Knapp 504.000 Euro hat die Stadtförsterei im Jahr 2016 eingenommen und damit deutlich weniger als im Vorjahr, das noch mit Einnahmen in Höhe von 627.000 Euro glänzen konnte. Die höchsten Erlöse wurden wieder durch den Holzverkauf erzielt, der mit rund 465.000 Euro zu Buche schlug. Der zweitgrößte Einnahmeposten entfällt mit 19.362 Euro auf die Erstattung der Arbeiten für Dritte wie etwa Müllsammeln, aber auch der Verkauf von Holzbänken, Saatgut, Schmuckgrün und Weihnachtsbäumen besserte mit 1667 Euro das Ergebnis auf. Hinzu kamen Fördermittel des Landes in Höhe von rund 18.000 Euro.

Einnahmeverlust von rund 143.000 Euro

Den Einnahmen stehen Personal- und Sachkosten gegenüber, die sich auf knapp 532.000 Euro summierten und damit zu einem Jahresverlust von rund 28.000 Euro führten. Würden aber auch nicht verbuchte Einnahmen für Dienst- und Sachleistungen für den Erholungswald in Höhe von rund 75.000 Euro hinzugerechnet, wäre ein Überschuss von rund 47.000 Euro erzielt worden.

„Das Ergebnis wäre noch besser, wenn uns das Wetter nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte“, sagt Stadtförster Michael Stall. Denn durch Mindereinschlag wegen des Nass-Schnees konnten statt der geplanten 7950 Festmeter nur 6020 Festmeter eingeschlagen werden – ein Einnahmeverlust von rund 143.000 Euro. Doch ein Arbeiten im Wald sei nicht möglich gewesen, „viele Bäume hatten noch Laub, die Schneelast war dadurch extrem und die Gefahr durch herabstürzende Äste zu groß“. Viele Wege seien zudem durch umgestürzte Bäume versperrt gewesen.

Doch die Hoffnung, den Mindereinschlag in 2017 ausgleichen zu können, wurde im vergangenen Jahr erneut wetterbedingt getrübt. „Wir hatten im Oktober zwei heftige Herbststürme, dadurch konnte leider nur ein geringer Teil aufgearbeitet werden“, sagt Stall. Einen genauen Bericht über das Forstwirtschaftsjahr 2017 wird er wie gewohnt im Herbst geben. Dass er den Bericht für 2016 erst jetzt vorlegte, sei dem Umstand geschuldet, dass andere Themen in den vo­rangegangenen Sitzungen des Umweltausschusses Vorrang gehabt hätten.

Jährlich 30 bis 40 Waldführungen

Kritik am Zustand des Lüneburger Stadtwalds äußerte Thomas Mitschke bei der Vorstellung des Berichts im Umweltausschuss. „Der Wald ist mir zu aufgeräumt, es fehlt Totholz“, sagte der Lüneburger Nabu-Vorsitzende. Dass sich viele Lüneburger lieber einen aufgeräumten Wald wünschten, sei für ihn „nicht entscheidend“, schließlich sei Totholz wichtig für die Artenvielfalt. „Wir orientieren uns nicht nur am Naturschutz“, entgegnete Stall. Im Übrigen werde lediglich ein Bereich von 25 bis 30 Metern neben den Waldwegen freigeräumt, „würden wir das Holz dort liegen lassen, hätten wir viel Ärger am Telefon.“

Das wollte wiederum Karl Wurm vom Bundesverband Umwelt und Naturschutz (BUND) nicht akzeptieren: „Unterschiedliche subjektive Befindlichkeiten haben keine Relevanz, wir müssen woanders hinkommen.“ Dem konnte sich auch Michael Stall anschließen, der Stadtförster verwies auf jährlich 30 bis 40 Waldführungen, bei denen es um „Tun durch Unterlassen“ gehe. Stadtbaurätin Heike Gundermann erinnerte wiederum da­ran, nicht nur die Stadt, auch die Vereine und Verbände seien aufgerufen, daran mitzuwirken, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, „wie ein ordentlicher Wald heute aussehen muss“.

Von Ulf Stüwe

Daten und Fakten

Forstbilanz 2016

▶ Holzeinschlag gesamt: 6020 Erntefestmeter (Efm)
davon Eiche: 737 Efm
davon Buche und anderes Laubholz: 1136 Efm
davon Fichte: 1963 Efm
davon Kiefer: 2184 Efm

▶ Pflanzarbeiten: Im Rahmen der Neuaufforstungen wurden 29.470 Laubbäume gepflanzt
davon Rotbuchen: 17.375
davon Traubeneichen: 7295
davon Bergahorn: 3100