Dienstag , 25. September 2018
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Die Bekassine hat sich erstmals wieder im Naturschutzpark Lüneburger Heide gezeigt. (Foto: Lars Lachmann - stock.adobe.com)
Die Bekassine hat sich erstmals wieder im Naturschutzpark Lüneburger Heide gezeigt. (Foto: Lars Lachmann - stock.adobe.com)

Platz da für Bekassine und Co.

Döhle. Stark in der Kritik stand in den vergangenen Wochen der Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP). Der hatte für ein Wiesenvogelschutzprojekt im Naturschutzpark tausende gesunder Bäume fällen lassen – für viele ein Widerspruch zu den Zielen im Naturschutz. Auch elf große Buchen auf einer Wiese des Heidemuseums in Wilsede mussten zudem dran glauben, „aus Gründen der Verkehrssicherheit“. VNP-Geschäftsführer Mathias Zimmermann möchte nicht länger am Pranger stehen und hat deshalb gestern zum Pressegespräch nach Döhle eingeladen – um die Fällaktionen zu erklären und deren erste Erfolge zu verkünden.

Nur noch vereinzelte Bäume

Auf einer etwa 340 Hektar großen Fläche mitten im Naturschutzpark Lüneburger Heide sind weit und breit nur noch vereinzelte Bäume zu sehen, hier und da noch ein paar Wacholdersträuche. Das war vorher anders. Denn Tausende Kiefern, Birken und Erlen hat der VNP hier entfernt – oder auch „weggepflegt“, wie Mathias Zimmermann es nennt.

Die Fällaktionen hatten für Entsetzen bei Besuchern und Politik gesorgt, Zimmermann aber verteidigt die Maßnahmen. Denn „es gehört eben zum Naturschutz und zur Landschaftspflege dazu, auch mal Bäume rauszunehmen“.

Grund dafür sei zum einen, dass andere Bäume sich so besser entwickeln könnten. „Das Fällen einzelner Bäumen macht die bestehenden zukunftsfähig. Es ist notwendig, um diese zu erhalten“, sagt er. Zum anderen ginge es darum, „auch Offenlandflächen in dieser Kulturlandschaft hier zu pflegen“.

„Wir hauen hier jedes Jahr zehntausend Bäume weg. Wegen ein paar machen wir da noch lange keinen Terz.“ Mathias Zimmermann, Geschäftsführer VNP

Zugute kommen soll das vor allem den Wiesenvögeln. „Denn die sind in Deutschland sehr bedroht“, sagt Zimmermann. Vor allem die Bekassine sei vom Aussterben bedroht. Um den seltenen Vögeln wie Kiebitz, Großer Brachvogel oder Bekassine im Naturschutzpark ein Zuhause zu bieten, gibt es seit zwei Jahren ein spezielles Wiesenvögelschutzprogramm der VNP-Stiftung Naturschutzpark, das mit EU-Mitteln gefördert wird. Da Wiesenvögel vor allem viel Platz und daher Offenlandflächen brauchen, um Feinde frühzeitig sehen zu können, „mussten die Bäume eben hier weichen, vor allem die ab einer Höhe von sechs Metern“, erklärt Zimmermann.

Für ihn kein herber Verlust. Eher Alltagsgeschäft. „Wir hauen hier jedes Jahr zehntausend Bäume weg. Wegen ein paar machen wir da noch lange keinen Terz.“ Schließlich habe der VNP „auch die Verantwortung für das Arteninventar – schon alleine weil wir EU-Vogelschutzgebiet sind“. Trotz aller Kritik ist Zimmermann stolz auf das Wiesenvogelschutzprojekt: „Denn am 17. April hat ein Ornithologe im Rahmen eines Monitorings erstmals wieder ein Bekassinenpaar bei der Balz beobachtet.“ Zimmermann selbst sei das zuletzt 1999 gelungen. „Das ist ein großer Erfolg – und zeigt, dass sich das Projekt lohnt.“

Auf der Fläche entsteht ein Bauerngarten

Auch die Fällung von elf Buchen auf der Wiese des Heidemuseums „Dat ole Huus“ in Wilsede hatte für Ärger gesorgt. Zimmermann dazu: „Die waren teils verfault und vom Sturm beschädigt. Beim nächsten Unwetter hätten die auf die Straße krachen können – dann wäre das Geschrei groß gewesen und es hätte geheißen, warum wir das nicht haben kommen sehen.“ Dieses Risiko habe man nicht eingehen wollen. „Ich bin froh, dass wir sie gefällt haben – das waren tickende Zeitbomben“, sagt Zimmermann. Auf der Fläche solle nun ein Bauerngarten mit Obstbäumen angelegt werden.

Von Patricia Luft