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Noch müssen die Amt Neuhauser zahlen, um mit der Fähre ans andere Ufer in den übrigen Landkreis Lüneburg zu gelangen. Das soll sich ändern, die Fähre für sie in spätestens drei Jahren kostenlos sein. (Foto: A/t&w)

Kostenlos ans andere Ufer

Neuhaus. Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) überraschte die Gäste im Gasthof „Zur Börse“ am Dienstagabend gleich zwei Mal. Erst mit seinem unerwarteten Besuch der Diskussionsveranstaltung zum Thema „25 Jahre Rückgliederung der Gemeinde Amt Neuhaus“, zu der die LZ-Redaktion eingeladen hatte. Und dann mit einem klaren Bekenntnis zu einer unentgeltlichen Fährnutzung für die Bürger der Gemeinde östlich der Elbe. Spätestens bis zum Ende seiner Amtszeit 2021 will er sein Versprechen einlösen, eine erste Preissenkung wenn möglich schon bei den nächsten Haushaltsberatungen umsetzen.

15 Interessierte waren an diesem Abend gekommen, um mit den Redaktionsmitgliedern der LZ über Hoffnungen, Wünsche und Enttäuschungen bei der Integration der Gemeinde in den Landkreis Lüneburg zu sprechen. Und es dauerte nicht lange, bis die Diskussion auf das Thema Elbbrücke kam. Ohne die, sagte Johanna Lange, fühle sie sich auch 25 Jahre nach der Rückgliederung noch immer abgenabelt und abgehängt.

Seit 25 Jahren kämpfen die Amt Neuhauser für eine feste Elbquerung in den übrigen Teil des Landkreises Lüneburg. Bisher allerdings vergeblich. Aufgeben wollen sie die Hoffnung trotzdem nicht. „Eines Tages wird die Brücke gebaut werden“, sagte Erika Levknecht, „die Frage ist, ob wir das noch erleben werden.“

Landrat trifft sich am 30. April mit Verkehrsminister

Weniger optimistisch zeigte sich Landrat Nahrstedt, der offen eingestand: Er glaube nicht mehr daran, dass die Brücke noch gebaut wird. Dennoch will er sich weiter darum bemühen – zum Beispiel bei seiner nächsten Fahrt nach Hannover am 30. April. Dort werde er sich mit Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) treffen, um mit dem Lüneburger Ministeriumschef über dessen Ankündigung zu sprechen, erneut Geld für die Planung der Elbbrücke freigeben zu wollen (LZ berichtete).

Für weitaus realistischer als den Bau einer Elbbrücke hält der Landrat allerdings die Einführung der kostenlosen Fährverbindung für die Neuhauser. Nach und nach wolle er die Kosten auf Null bringen, das sei auch der Wunsch aller anderen Parteien im Kreistag, erklärte Nahrstedt. Für die Menschen in Amt Neuhaus, die den Fährtarif vielfach als „Eintrittspreis“ in ihre eigene Gemeinde empfinden, hätte dieser Schritt eine große Signalwirkung. Johanna Lange versprach dem Landrat gar eine selbst gebackene Torte, sollte sie 2021 die erste unentgeltliche Fährfahrt hinüber in den restlichen Landkreis antreten können.

Geplanter Fährneubau teurer als erhofft

Läuft alles nach Plan, könnte Johanna Lange in Neu Bleckede dann auch an Bord einer ganz neuen Fähre gehen. Denn im Laufe des Jahres 2020 soll die alte „Amt Neuhaus“ durch einen Neubau ersetzt werden. Veranschlagt waren allein für das Schiff bisher zweieinhalb bis drei Millionen Euro (LZ berichtete). Doch wie Nahrstedt am Dienstagabend durchblicken ließ, liegt die neueste Kostenschätzung deutlich darüber.

Tatsächlich rechnen die Planer laut Kreissprecherin Katrin Holzmann aktuell mit Gesamtkosten für das Projekt „neue Fähre“ von neun Millionen Euro. „Eingeplant ist dabei allerdings ein Puffer von rund 30 Prozent“, sagt Holzmann, „allein für die Fähre sind 4,5 Millionen Euro angesetzt“. Dazu kommen die Kosten für Anleger, Infrastruktur und einen möglichen alternativen Antrieb. „Entscheidet sich die Politik für einen Elektro-Motor, sind andere technische Anforderungen und Ladestationen notwendig“, sagt Holzmann. „Und das wäre mit zusätzlichen Kosten verbunden.“ Der Landkreis hofft, bis zu drei Viertel der Gesamtkosten durch Fördermittel abdecken zu können.

Vorgestellt und beraten werden die neuesten Kostenschätzungen am Mittwoch, 30. Mai, von 14 bis 16 Uhr im Wirtschaftsausschuss des Landkreises.

Von Katja Grundmann
und Anna Sprockhoff

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