Donnerstag , 20. September 2018
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Julius Finks ist seit Januar dabei, Linda Macfalda ist nur noch kommissarisch als AStA-Sprecherin im Amt. (Foto: t&w)
Julius Finks ist seit Januar dabei, Linda Macfalda ist nur noch kommissarisch als AStA-Sprecherin im Amt. (Foto: t&w)

Kaum Zeit fürs Studium

Lüneburg. Eigentlich wird ein Sprecher für ein Jahr gewählt, ein Jahr, in dem er sich für die Belange der Studenten einsetzen kann. Er hält den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), der an der Leuphana Universität insgesamt 15 Referate umfasst, zusammen. Das war zuletzt keine einfache Aufgabe, innerhalb eines halben Jahres ist gleich ein komplettes Kollektiv zurückgetreten. Damit der AStA nicht ohne Sprecher dasteht, gibt es die Regelung, dass man erst dann ausscheidet, wenn Ersatz gefunden ist. Doch die Bewerbungen häufen sich nicht gerade, es ist allgemein bekannt, dass die Arbeitsbelastung stetig zunimmt. Eine neue Arbeitsgruppe widmet sich derzeit diesem Problem.

60 Stunden kamen in sieben Tagen zusammen

Kevin Kunze (26) ist der neue AStA-Sprecher, er wurde in der Woche vor Ostern bestätigt. Von Gründonnerstag an hat er sieben Tage lang einen Stundenzettel geführt – 60 Stunden kamen zusammen. Ein Ehrenamt ist der Job des Sprechers nicht, er wird mit einer Aufwandsentschädigung honoriert. Doch die Summe rechtfertigt nicht die Stundenzahl, die laut Satzung nicht viel mehr als die Hälfte betragen soll.

Linda Macfalda wurde im Juli vergangenen Jahres in die Position gewählt. Das Kollektiv mit Léa Oltmanns und Laura Steck hatte gerade einmal drei Monate Bestand, dann folgte der erste Rücktritt, kurz darauf der zweite. Die Arbeitsbelastung war eine Komponente, die Macfalda dazu gebracht hat, vorzeitig zurückzutreten. „Wenn es um die Erreichbarkeit geht, landet man gut bei 50 Stunden pro Woche“, sagt die junge Frau, die im Laufe der Zeit gemerkt hat, dass es ihr immer schwerer fiel, sich nebenbei noch auf ihr Studium zu konzentrieren.

Wie viel hier und da so anfällt, weiß auch Kevin Kunze nur zu gut. „Ich schreibe mir keine Stunden auf, wenn ich in einer Vorlesung über AStA-Sachen nachdenke oder irgendwo auf dem Flur Nachfragen beantworte. Tatsächlich kommt das aber andauernd vor.“

100 ehrenamtlich Aktive und 40 Angestellte beim AStA

Den Rücktritt von Laura Steck im November hatte das Studierendenparlament, kurz StuPa, zum Anlass genommen, um eine Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen. Zwei Mal haben sich die acht Mitglieder, darunter auch Kevin Kunze als Koordinator, bislang getroffen. „Es geht darum, Optionen aufzuzeigen, wo Veränderungen stattfinden können.“ Ziel der Arbeitsgruppe sei es, die Arbeitsbelastung der Sprecher zu verringern. „Dazu gehört auch, dass man es mal deutlich kommuniziert, wenn etwas ausfallen muss, weil man es einfach nicht hinbekommt.“

Die Arbeitsgruppe hat auch ein Dokument angelegt und aufgeschrieben, was Kann- und Soll-Aufgaben sind und was vielleicht anderweitig vergeben werden könnte. Knapp 120 Punkte sind insgesamt zusammengekommen. Kunze glaubt, dass es auch sinnvoll sein könnte, die Hauptlast anders zu verteilen. So müsse das Sprecherkollektiv beispielsweise nicht zwingend das AStA-Sommerfest durchorganisieren. „Es ist aber finanziell verantwortlich und muss deshalb den Überblick behalten.“ Die Lösung sei aber nicht, Aufgaben einfach den Referaten aufzudrücken. „Die arbeiten freiwillig und unbezahlt, es muss also genau abgesprochen werden, ob ausreichend Kapazität vorhanden ist.“

Interessenten sollen besser vorbereitet werden

Macfalda und Kunze sind sich einig, dass zukünftige Bewerber auch genauer darüber informiert werden sollten, was sie erwartet. „Man muss das Amt so darstellen, wie es ist. Bei einer Ausschreibung mit vier Stichpunkten fällt ein neuer Sprecher ins kalte Wasser.“

Die Meinung teilt auch Julius Finks, er ist im Januar in das Team von AStA-Sprechern gestoßen. „Es fallen viele Aufgaben an, die ich so intensiv nicht erwartet hätte“, sagt der 21-Jährige, der aber glaubt, durch sein vorheriges Engagement beim AStA und StuPa schon gute Vorstellungen von dem Job gehabt zu haben. „Ich mache es immer noch mit Freude.“

Von Anna Paarmann