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Schule und Studium erledigt Marc Sommer quasi nebenbei. Denn der 19 Jahre alte Student der Lüneburger Universität investiert viel Zeit in ehrenamtliche Aktivitäten. (Foto: t&w)
Schule und Studium erledigt Marc Sommer quasi nebenbei. Denn der 19 Jahre alte Student der Lüneburger Universität investiert viel Zeit in ehrenamtliche Aktivitäten. (Foto: t&w)

Der Tausendsassa

Lüneburg. Als Marc Sommer drei Jahre alt war, haben ihn Spielzeugautos, Bauklötze und Legosteine nicht sonderlich interessiert. Seine Aufmerksamkeit galt schon da Computern. Heute, 16 Jahre später, verdient der Adendorfer längst sein Geld als selbstständiger Webentwickler. Überhaupt verlief seine Jugend anders als die der meisten Altersgenossen. Er war 14, als er mit seiner Mutter beim Jugendgericht eine Genehmigung erwirkte, um ein eigenes Gewerbe anzumelden. Denn das ist in dem zarten Alter eigentlich noch nicht erlaubt. Inzwischen studiert er Wirtschaftsinformatik an der Leuphana. Und zwischen Webdesign und Studium fand er jetzt auch noch Zeit, um an einer Latein-Akademie in Rom über Philosophie zu sprechen.

Früh Führungsverantwortung übernehmen

Jährlich erreichen mehrere Hundert Bewerbungen die young leaders GmbH, der Organisator des einwöchigen Programms setzt sich für junge Menschen im Alter von 15 bis 22 Jahren ein, die früh Führungsverantwortung übernehmen. Einmal im Jahr erhalten 20 Jugendliche und junge Erwachsene die Möglichkeit, sich in Rom intensiv über ein Thema auszutauschen. Jetzt stand mit Thomas von Aquin einer der einflussreichsten Philosophen und Theologen der Geschichte im Fokus.

Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern und Professoren, die zum Teil aus den USA angereist waren, Passagen eines seiner Werke zu übersetzen, war für Marc Sommer keine große He­rausforderung. Er hat das große Latinum. „Es geht um Gut und Böse, um sittliches Handeln“, erzählt der 19-Jährige. „Wir haben auch über den Bezug zum heutigen Leben diskutiert.“

Jede Menge Posten und Funktionen

175 Euro musste er aus eigener Tasche bezahlen, den Hauptanteil hat jedoch die Stiftung politische und christliche Jugendbildung übernommen. Bei der Frage, was ihn eigentlich für die Teilnahme qualifiziert hat, holt Sommer einen Laptop aus seinem Rucksack. Nebenbei zählt er einige Stationen in seinem noch jungen Leben auf: Chefredakteur der Schülerzeitung, die er mitgegründet hat, Jahrgangssprecher, Kassenwart und Protokollant im Schülerrat, Arbeitsgemeinschaften, eine Schülerfirma, Workshop-Leiter bei verschiedenen Events. „Lange Zeit habe ich im Altenheim Bewohner betreut, auch bei der Lüneburger Kindertafel mitgeholfen“, fügt er noch hinzu. Ein Blick auf den Bildschirm verrät, dass das Engagement des Studenten so vielfältig ist, dass die Zeit gar nicht ausreicht, alle Punkte aufzuzählen.

Sein Abitur hat Sommer quasi nebenbei gemacht. Auch die Selbstständigkeit ist nichts, womit sich der gebürtige Winsener rühmen möchte. Nur auf Nachfrage erwähnt er, dass er heute Vereine, Start-ups, kleinere Unternehmen und auch die Leuphana bei IT-Projekten berät.

Schon mit zwölf eine Millionen-Reichweite

Die meisten seiner Freunde wüssten nicht, dass er sich bereits als Zwölfjähriger mit mehreren Facebook-Seiten in kürzester Zeit eine Millionen-Reichweite aufgebaut und seine ersten Einnahmen mit Werbeanzeigen generiert hatte. Nur zwei Jahre später hatte sich der Gymnasiast gemeinsam mit einem Mitschüler für das Zwischenfinale des bundesweiten Online-Wettbewerbs „Jugend gründet“ qualifiziert. Die Idee: Ein Automat, der rund um die Uhr warme und kalte Mahlzeiten anbietet.

Heute engagiert sich Sommer als Mentor und Ansprechpartner für aktuelle Wettbewerbsteilnehmer. Warum er das macht und sich ehrenamtlich engagiert? „Ich lerne viel über den Umgang mit anderen Menschen, über mein eigenes Leben“, nennt er seine Motivation. „Am Ende habe ich lächelnde Leute vor mir, die dankbar sind.“

Von Anna Paarmann