Donnerstag , 20. September 2018
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Im Umfeld des Uni-Standorts in Volgershall ist ein Gebiet für Wohnraum und Gewerbe geplant. Insgesamt sollen auf der 20 Hektar großen Fläche zwischen Lüneburg und Reppenstedt drei Baugebiete entstehen. Foto: phs

Reppenstedt rückt näher an Lüneburg

Lüneburg. Im Westen könnte Lüneburg weiter wachsen, ebenso wie Reppenstedt im Osten. Es geht um 20 Hektar zwischen beiden Orten. Die Überlegungen, die Stadt, Landkreis und Samtgemeinde Gellersen jetzt vorstellten, hängen mit der Hamburger Bionic Production AG zusammen. Das Unternehmen, das dort einen Campus für 3D-Druck einrichten möchte, hatte Ende 2017 die Räume der alten Fachhochschule in Volgershall bezogen und einen Mietvertrag über fünf Jahre mit der Leuphana geschlossen.

„Wir haben hier eine Vision“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Er machte deutlich, dass die Rahmenbedingungen an dem Standort nicht die günstigsten seien, man aber gemeinsam mit Reppenstedt ein Konzept erarbeiten wolle. Auch wenn die Bezeichnung „Silicon Valley“ sicher zu hoch gegriffen sei. Was dort genau entstehen soll und auf welchen Flächen, skizzierte Stadtbaurätin Heike Gundermann. Gemeinsam mit ihren Mitarbeitern hat sie untersucht, wie das Gebiet ausgehend vom Uni-Campus entwickelt werden kann. „Entlang dem Kalkbruchsee hin zum Baugebiet Brockwinkler Weg soll ein ,Urbanes Gebiet‘ entstehen“, sagte sie. Dabei handelt es sich um eine Kategorie, die erst im Mai 2017 in die Baunutzungsordnung eingeführt wurde. Sie ermöglicht Städten eine höhere bauliche Dichte und Nutzungsmischung. „Wir möchten dort Wohnen und Dienstleistungen nebeneinander entwickeln.“

Verbindungswege für Fußgänger und Radfahrer

Sie unterstrich, dass der Grüngürtel West erhalten bleiben soll: „Es ist vorgesehen, dass zwischen den Stadtteilen Mittelfeld und Jüttkenmoor ein 200 Meter breiter Abstand bleibt.“ Auf Höhe der Uni-Flächen sei sogar ein 350 Meter breiter Streifen vorgesehen, darauf sollen lediglich Verbindungswege für Fußgänger und Radfahrer entstehen. „Wir möchten dort eine Campus-Atmosphäre sichern, Treffpunkte ermöglichen“, sagte Gundermann. Sie ging auch auf die Frischluftzufuhr für die Innenstadt ein, die aus dem Nordwesten gespeist wird. Die Schneise soll unbebaut bleiben.

Ein weiteres Urbanes Gebiet soll entlang der L216 auf Lüneburger Boden entstehen, ein Zugang über Kreisverkehre erschlossen werden. Zudem seien Quartiersparkplätze geplant. Auf Reppenstedter Seite sei eine neun Hektar umfassende Wohnbaufläche geplant, allerdings gegliedert durch Grünzüge. Im Hinblick auf das gesamtstädtische Klimagutachten, das zurzeit entwickelt wird, betonte Gundermann, dass das Baugebiet gemeinsam mit dem Gutachter entwickelt werden soll.

Es gibt keine Alternativ-Flächen

Insgesamt müssten also drei Bebauungspläne auf den Weg gebracht werden. „Diese sollen parallel in den Gremien entwickelt werden, wir werden uns gemeinsam einen Bauleitplaner suchen“, sagte die Stadtbaurätin, die von einer Herausforderung sprach. Dass es aber keine Alternativ-Flächen gibt, machte Mädge deutlich. „Beim Bilmer Berg bekommen wir das nicht hin.“ Auch sei im Westen der Stadt, eben zwischen Lüneburg und Reppenstedt, kein Gewerbegebiet geplant, sondern eine Durchmischung.

In der Samtgemeinde Gellersen hätten die Parteispitzen bereits viel Wohlwollen signalisiert, sagte Bürgermeister Josef Röttgers, der in der Idee von Wohnen und Arbeiten nah beieinander selbst einen „tollen Ansatz“ sieht. „Den möchten wir gern auf Augenhöhe mitentwickeln.“ Auch Susanne Stille, Gemeindedirektorin aus Reppenstedt, betonte, wie wichtig es sei, Arbeitsplätze dorthin zu holen. „Wir können die Leute nicht in dem Gebiet wohnen und sie dann zum Bahnhof fahren lassen, damit sie ihre Arbeitsstelle in Hamburg erreichen.“

Von Anna Paarmann

Campus für 3D-Druck

Erhoffte Magnetwirkung

Allein 150 Arbeitsplätze möchte die Bionic Production AG langfristig schaffen, die Vertreter der Kommunen hoffen aber, dass die Firma weitere Start-ups, kleine und mittelständische Unternehmen in den Lüneburger Westen lockt.

Wie wichtig es ist, sich dem 3D-Druck zu widmen, machte Jürgen Enkelmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, deutlich. „Diese Fertigungstechnologie wird die Branche revolutionieren.“ Sein Wunsch ist, dass die Entwicklungen in bestehende Unternehmen rübergespielt werden. „Man konstruiert völlig anders, das haben Hochschulen bisher nicht gelehrt.“

Demnach sollen an der Leuphana weitere Studiengänge und Professorenstellen geschaffen werden. Enkelmann setzt auch auf internationale Ansiedlungen. „Im Fertigungsbereich werden die Karten gerade neu gemischt, Lüneburg hat da gute Chancen.“