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Richard Meier, Vorsitzender des Luftsportvereins, steht auf der Ausgleichsfläche, die auf dem Flugplatz hergerichtet wurde. Foto: t&w

Haubenlerche im Anflug

Lüneburg. Anflugsort für Segel- und Motorflieger ist der Lüneburger Flugplatz seit Jahrzehnten. Lebensort soll das Areal nun auch für die Haubenlerche werden, d ie auf der Liste der bedrohten Arten steht. Die Stadt hat dort eine Ausgleichsfläche angelegt, die im Bebauungsplan für die Errichtung des Libeskindbaus festgesetzt ist. Dem Luftsportverein Lüneburg (LVL), der den Flugplatz im Auftrag der Stadt betreibt, ist die Haubenlerche ein willkommener Nachbar. Auch weil der Verein hofft, dass aufgrund der Ausgleichsfläche der Pachtvertrag über 2020 hinaus verlängert wird, verdeutlicht der Vorsitzende Richard Meier. Die Stadt winkt da aber ab. Das ruft Naturschützer auf den Plan, sie fürchten, dass dort ein Gewerbegebiet entsteht.

Inzwischen ist die Stadt aktiv geworden

Wie berichtet, waren auf dem Areal der Leuphana zwei Haubenlerchen-Pärchen gesichtet worden, als der Libeskindbau errichtet werden sollte. Ohne Ausgleichsflächen wäre da nichts gelaufen. Die Uni nahm erhebliche Summen in die Hand, um das Dach der Bibilothek und Dächer der Hörsäle mit einer Trockenrasenmischung zu versehen, die den Bedürfnissen des Vogels entspricht. Angelegt wurden die Flächen mit Nabu-Unterstützung. Deren Vorsitzender Thomas ­Mitschke hatte im vergangenen Herbst kritisiert, dass es kein Monitoring gebe, ob die Flächen überhaupt noch ihren Zweck erfüllten. Gleichzeitig bemängelte er, dass die im Bebauungsplan beschriebene Ausgleichsfläche am Flugplatz immer noch nicht umgesetzt worden sei.

Inzwischen ist die Stadt aktiv geworden, nördlich und südlich des Rollfeldes sind 3000 Qua­dratmeter Sandflächen entstanden. Im nördlichen Bereich angrenzend gibt es eine 13.000 Quadratmeter große Fläche, „die laut den Hinweisen des Fachberaters Karl Wilhelm Kirsch schon in den letzten Jahren haubenlerchengerecht gepflegt und unterhalten wurde“, erläutert Suzanne Moenck, Pressesprecherin der Stadt. Die beiden unterschiedlichen Flächen sollen nun dem Vogel zur Nahrungssuche und Brut dienen.

„Gewerbliche Nutzung wäre ein Drama“

Der Luftsportverein muss laut Betreibervertrag nicht nur die Flugleiterdienste gewährleisten, sondern ist auch zur Pflege und Wartung des Platzes verpflichtet. Dazu gehöre, dass die 13 000 Quadratmeter einmal pro Jahr gemäht werden – pro Jahr aber nur ein Drittel, damit Wildstauden, die zwei bis drei Jahre brauchen, um Samen zu bilden und abzuwerfen, genug Zeit haben. „Das Schnittgut wurde stets zu Rottehaufen aufgeschüttet, die ebenfalls Lebensraum für Vögel bieten“, sagt Meier. Damit habe der Verein einen Beitrag zur Erhaltung der ökologischen Vielfalt geleistet.

Für ihn stellt sich nun die Frage mit Blick auf die Ausgleichsfläche, ob sein Verein tatsächlich nach Vertragsende weichen muss, weil die Stadt dort Gewerbeflächen realisieren möchte. Oberbürgermeister Ulrich Mädge hatte im Vorfeld der Pachtverlängerung gesagt, die Schaffung von Gewerbeflächen habe Vorrang vor den Interessen der Sportflieger. Die Politik hatte er dabei hinter sich.

Fläche des Flugplatzgeländes beträgt zirka 19,5 Hektar

Aus dem Rathaus heißt es jetzt: „Unabhängig von der Diskussion über die Haubenlerche gilt der Ratsbeschluss vom Oktober 2014, dass der Pachtvertrag für den Sonderlandeplatz Ende Oktober 2020 ausläuft. Kommt es danach zu einer anderen baulichen Nutzung, können die Ansprüche der Haubenlerche dennoch weiter berücksichtigt werden. Die Fläche des Flugplatzgeländes beträgt zirka 19,5 Hektar, 1,6 Hektar Ausgleichsfläche sind also nur ein kleiner Teil der Gesamtfläche. Eine bauliche beziehungsweise gewerbliche Nutzung des Geländes ist daher nicht ausgeschlossen. Es wird in dem Fall auch eine ökologische Baubegleitung geben.“ Außerdem sei die Haubenlerche ein „Baustellenvogel“, der von Bautätigkeiten profitiere. Das hatte Stadtbaurätin Heike Gundermann im Bauausschuss erklärt.

„Eine gewerbliche Nutzung des Flugplatzes wäre ein Drama, denn dort ist inzwischen ein hochwertiger ökologischer Lebensraum entstanden“, sagt Thomas Mitschke. Inzwischen hätten sich dort viele Vogelarten angesiedelt, die auf der Roten-Arten-Liste stehen wie Feldschwirl, Feldlerche, Bluthänfling, Neuntöter, Rohrweihe, Schwarzmilan und Wiesenpieper. Bei den Planungen würden „Probleme und Kollisionen mit Natur- und Artenschutz zwar gewogen, in der Folge aber weggewogen. Dabei ist Lüneburg Mitglied im Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt.“

Von Antje Schäfer

Kleiner Vogel, große Probleme

Bestand drastisch gesunken

Seit 1985 ist die Zahl der Haubenlerchen-Brutpaare in Niedersachsen von 1200 Brutpaaren auf zirka 60 gesunken. Ursachen sind unter anderem Nahrungsmangel, Intensivierung der Landwirtschaft, Versiegelung der Landschaft und Verlust breiter, unbehandelter Ackerrandstreifen. Dadurch fehlen Wildkräuter, die für die Samennahrung wichtig sind. Gleichzeitig besteht kein ausreichendes Insektenangebot mehr. 2015 wurde das Modellprojekt „Haubenlerche in den Kreisen Lüneburg und Uelzen“ gestartet mit dem Ziel, Schutzmaßnahmen und Lebensraumbedingungen zu verbessern.

One comment

  1. Dieter Müller

    Geschützt bis die Politik das grosse Geld für Gewerbetreibende riecht.
    Wieviel Ausgleichsflächen sind bei dem rasanten Flächenverbrauch der letzten Jahre eigentlich geschaffen worden, und wer kontrolliert das?