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Der Verkehr Am Wienebütteler Weg wird durch das Neubaugebiet zunehmen. Die Linken wollen aber zumindest im Baugebiet selbst weniger Fahrten. (Foto: t&w)
Der Verkehr Am Wienebütteler Weg wird durch das Neubaugebiet zunehmen. Die Linken wollen aber zumindest im Baugebiet selbst weniger Fahrten. (Foto: t&w)

Weniger Autoverkehr im Neubaugebiet als Ziel

Lüneburg. Radfahrer, Fußgänger und Busverkehr sollen Vorrang haben gegenüber dem motorisierten Individualverkehr. Das sollte das Ziel für das geplante Neubaugebiet Am Wienebütteler Weg sein, fordert die Fraktion der Linken. In einem Antrag zum Rat plädierte die Fraktion dafür, dass deshalb bestimmte Kriterien wie eine zentrale Parkplatzanlage, Tempo 30 auf der zen­tralen Erschließungsachse sowie verkehrsberuhigte Nebenstraßen in der Erschließungsplanung berücksichtigt werden. Das halten auch andere Ratsfraktionen für diskutabel.

Eine Entscheidung darüber gab es aber nicht. Die Verwaltung hatte darauf verwiesen, dass ein Beschluss in der Sitzung über die angeregten Punkte das Abwägungsergebnis des Bauleitverfahrens vorwegnehmen und so einen Verfahrensfehler darstellen würde. Daher folgte die Politik geschlossen dem Vorschlag der Verwaltung, den Antrag zur Beratung in den Bauausschuss zu überweisen.

Michèl Pauly (Linke) begründete, dass bei vielen Planungen dem Auto immer noch die zen­trale Bedeutung zugemessen werde. Es müsste aber alles unternommen werden, was Fußgänger, Radfahrer und Nahverkehr privilegiere, weil dies ökologisch wie auch ökonomisch sei. Eine zentrale Parkplatzanordnung minimiere zum Beispiel den Verkehr im Viertel. Verkehrsberuhigte Straßen würden zum Lebens- und Aufenthaltsraum, die Infrastrukturkosten seien dafür auch geringer. Weniger Verkehr, Tempolimit und geringere Emissionen seien ein Gewinn für die Lebensqualität und steigerten die Attraktivität des Viertels. Vorschläge und Einwendungen diesbezüglich habe es von Bürgern im Beteiligungsverfahren gegeben, die beim Bebauungsplan berücksichtigt werden sollten.

Straße als Erlebniswelt für die Nachbarschaft

Die Verringerung des Autoverkehrs sei ein gemeinsames Ziel der Politik, machte Jens-Peter Schultz (SPD) deutlich. „Die Straße soll auch Erlebniswelt für Nachbarn sein, da sind wir ganz bei Ihnen“, sagte er in Richtung Pauly. Die Idee mit den zentralen Parkanlagen sei aber nicht neu. Bereits in den 1980er-Jahren sei eine solche im damaligen Neubauviertel Krähornsberg errichtet worden. Die Realtität sei aber so, dass diese nicht so genutzt werde wie gewünscht.

Aus Sicht von Dirk Neumann (AfD) erschwert ein zentraler Parkplatz den Bürgern das Leben, weil sie dadurch längere Wege zum geparkten Auto hätten. Außerdem müssten die Anwohner ihre Häuser und Wohnungen per Auto erreichen können. Die Argumente der AfD seien die, die Überlegungen und Planungen schon im Keim scheitern lassen würden, sagte Birte Schellmann (FDP). Andere Länder wie Dänemark seien, was die Reduzierung des Autoverkehrs angehe, schon viel weiter. Aber sie gab auch zu bedenken, dass im Modellviertel Vauban der Stadt Freiburg, in dem sehr auf autofreies Wohnen geachtet worden ist, das extra gebaute Parkhaus damals nicht angenommen worden ist. Wichtig für die Planung in Lüneburg sei, dass Parkplätze nicht so weit entfernt von der Wohnbebauung liegen.

Ulrich Löb (Grüne) begrüßte die „kluge Idee“ der Linken. „Wir müssen Mut haben, neue Wege zu gehen und den motorisierten Verkehr mehr draußen lassen. Es gibt genug Städte, in denen das schon möglich ist.“

Von Antje Schäfer

3 Kommentare

  1. Es ist von einer zentralen Parkplatzanlage und verkehrsberuhigten Nebenstraßen die Rede. Ist das so zu verstehen dass die künftigen Bewohner ihr Fahrzeug nicht auf ihrem Grundstück abstellen dürften (z.B. Carport oder Garage) und manche überhaupt nicht mit ihrem Fahrzeug in ihre „verkehrsberuhigte“ Straße fahren dürften? – Das wäre für mich der Anfang einer schrittweisen Entmündigung des Bürgers und eine Einengung des Rechtes auf freie Entfaltung. Das würde die Linken und Grünen aber scheinbar gar nicht stören und mich nicht wundern. Ich hoffe dass andere Fraktionen des Stadtrates ihre Stimme dagegen erheben. Wenn die Vorstellungen einiger Stadtratsmitglieder so weitergehen und womöglich auch noch beschlossen werden, entwickelt sich Lüneburg langsam zu einer Auto feindlichen Stadt – sofern es keine Elektroautos sind. Komisch nur das ausgerechnet einige bekannte politische „Kämpfer“ aus Lüneburg die gegen die mit Otto- oder Dieselmotor betriebenen Fahrzeuge kämpfen selbst mit schon etwas betagteren Benzin- oder Dieselfahrzeugen auf den Straßen unterwegs sind. Ob das ein Widerspruch ist…

    • Fred G. Eger

      Sehr geehrter Herr Mertens,
      das muss durchaus kein Widerspruch sein. Mit einem betagten Fahrzeug unterwegs zu sein ist erwiesenermassen sogar extrem ökologisch.

      Rein von den Werten hat z.B. unser Alfasud Sprint (Bj. 1978) einen besseren ökologischen Fussabdruck, als jeder nigelnagelneu gebaute Tesla oder Prius.
      Unser Alfa Spider (Bj. 1990 Euro2) ist möglicherweise sauberer unterwegs als manch Euro5 ff, da die Abgasreinigung dauernd wirksam ist solange der Motor läuft, während etliche „Neufahrzeuge“ ausserhalb bestimmter Temperaturfenster die Abgasreinigung einstellen um „wichtige technische Einrichtungen zu schonen“ – wenn sie nicht gleich nach den „20 Minuten Prüfstand-Zyklus“ ganz abschalten.

      Eines der Probleme ist halt, dass unser Wirtschaftssystem von Wachstum lebt, und Wachstum bekommen sie nur mit einem neu produzierten (und verkauftem) Fahrzeug.
      Da mag der ökologischen Fussabdruck eines Oldtimers noch so schön sein, Profit bringt nur ein verkaufter Neuwagen.

      In der politischen Diskussion wird halt oft „Ökologie“ gesagt, aber „Ökonomie“ gemeint.

      Ganz bigott wird es halt auch, wenn der neue Adel sagt „ich benutze dies und das zur persönlichen Mobilität“, also ist „dies und das“ gut, alles andere ist böse.
      Aber Ideologie war bislang selten tolerant…

  2. Fred G. Eger

    Solange den künftigen Bewohner im Vorfeld bewusst ist, auf welche Wohnsituation sie sich da einlassen, ist gegen solch eine Art der Stadtplanung nichts einzuwenden.
    Und gut gemacht – nicht nur gut gemeint – kann das eine prima Sache werden.

    Allerdings habe ich das Gefühl, dass obige Forderungen wenig, wenn nicht gar nix mit Planung im Wortsinn zu tun haben.
    Sonst käme es nicht zu solcher Sprachverschmutzung, Zitat: „Radfahrer, Fußgänger und Busverkehr sollen Vorrang haben gegenüber dem motorisierten Individualverkehr.“
    E-Bike und Pedelec sind ebenfalls „motorisierten Individualverkehr“.
    Wenn „verkehrsberuhigt“, dann auch kein „Busverkehr“.
    Klingt alles nach klientel-orientierte Forderung, statt überlegtes (überlegenes?) Konzept.

    Dass das Konzept verkehrberuhigtes Wohnen funktionieren kann, zeigt z.B. das Antigone in Montpellier. Da kann man jetzt den Stil mögen oder ablehnen, das ändert allerdings nichts an der konzeptionellen Funktion.