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Die beiden Zimmerleute Désireé Grebe (l.) und Nikola Ozolins (Mitte) leben seit drei Jahren in ihrem selbstgebauten Pferdefuhrwerk. Für Filmemacherin Vivien Pieper (r.) und ihren Mann der perfekte Stoff für ihre nächste Dokumentation. (Foto: t&w)
Die beiden Zimmerleute Désireé Grebe (l.) und Nikola Ozolins (Mitte) leben seit drei Jahren in ihrem selbstgebauten Pferdefuhrwerk. Für Filmemacherin Vivien Pieper (r.) und ihren Mann der perfekte Stoff für ihre nächste Dokumentation. (Foto: t&w)

In 8,5 Quadratmetern durchs Land

Tangendorf. Morgens gemeinsam aufwachen, gemeinsam essen, geteilte Hausarbeit. Das Zusammenwohnen hat viele schöne Seiten. Und wenn nicht, macht jeder mal die Tür hinter sich zu. Auch Désireé Grebe und Nikola Ozolins aus Eutin in Schleswig-Holstein genießen das Zusammenleben – nur eine Tür zum Zumachen, die haben sie nicht. Das Paar lebt zusammen mit seinen beiden Hunden in einem 8,5 Quadratmeter großen selbstgebauten Wohnwagen aus Holz – der gezogen wird von zwei Pferden. Damit sind die beiden Zimmerleute seit drei Jahren in Norddeutschland unterwegs und halten dort, wo es Arbeit gibt – wie zum Beispiel jetzt in Tangendorf.

Campingklo, Gaskocher, duschen in einer einen Quadratmeter großen Nische zwischen Küchenzeile und Bett – für Désireé Grebe (27) und Nikola Ozolins (32) längst Gewohnheit. Bereits rund 2000 Kilometer haben die gelernte Zimmermannsmeisterin und der Geselle gemeinsam in den vergangenen drei Jahren mit ihrem selbstgebauten, schwedenroten Pferdefuhrwerk mit zwei PS zurückgelegt – von der Nordseeküste ins Münsterland, vom Wendland in die Lüneburger Heide.

Im Moment arbeiten die beiden in Tangendorf in der Samtgemeinde Salzhausen, bauen dort auf einem Hof einen Dachboden aus. „Das spricht sich natürlich im Dorf rum, wenn wir da sind“, sagt Nikola Ozolins. „Wir haben so schon viele Leute kennengelernt.“ Zum Beispiel die beiden Tangendorfer Vivien Pieper und Johannes Bünger – zwei Filmemacher, die so begeistert vom Leben der beiden fahrenden Zimmerleute sind, dass Grebe und Ozolins jetzt die Hauptrolle in ihrem nächsten Film spielen. „Es ist einfach toll, wie selbstständig die beiden unterwegs sind. Auch eine Zimmermannsmeisterin sieht man nicht allzu oft – und so einen tollen, selbst gebauten Wagen schon gar nicht“, schwärmt Filmemacher Johannes Bünger.

Ein Monat Arbeit, ein Monat reisen

Ausgestattet ist das Pferdefuhrwerk mit allem, was das Paar zum Leben braucht: Holzofen, Küchenzeile, Bett, Wasser aus einem Kanister – sogar WLAN. Auch Strom gibt es dank einer Solaranlage – „aber so nach drei Wochen ohne Sonne flackert das Licht schon mal“, sagt Grebe. Nur einen Kühlschrank gibt es nicht. „Daher kochen wir jeden Tag frisch und backen manchmal auch Kuchen in einem Camping-Backofen“, erklärt sie.

Etwa drei Stunden und 15 Kilometer sind Grebe und Ozolins mit ihren beiden Hunden Saby und Gibsy sowie den beiden Pferden Grazia und Padua am Tag unterwegs. Gehalten wird überall dort, wo es für die Nacht eine Wiese für die beiden fleißigen Traber gibt – und am besten Arbeit für die beiden Zimmerleute. „Wir bieten alles an, was ein Zimmermann eben so können muss“, erklärt Grebe. Vom Innenausbau über Reparaturen und Eindeckung am Dach bis hin zum Einbauen von Fenstern und Türen. Und meistens haben die beiden auch gut zu tun, sagen sie. „Wir sind positiv überrascht, wie offen die Leute sind. Das mit den Aufträgen entwickelt sich gut.“

Gearbeitet wird meist etwa einen Monat am Stück, bevor es dann genauso lang wieder auf Entdeckungstour und Auftragssuche geht. Für das Paar ein erfülltes Leben. „Wir sind flexibel und frei. Wir brauchen nicht viel“, sagt Nikola Ozolins. Nur „manchmal vermisse ich das Häusliche, wenn wir auf besonders schönen Höfen arbeiten“, gibt Désireé Grebe zu.

Mit ihrem Beruf hat sich die Meisterin, die aus einer Zimmermannsfamilie stammt, bereits einen Traum erfüllt. „Ich habe immer darauf gewartet, dass mein Papa mir einen Pferdestall baut – das ist nie passiert. Also wollte ich lernen, wie ich das selbst machen kann.“ Um sich einen weiteren Traum zu erfüllen, „machen wir das alles hier“, erklärt Grebe. Nämlich den Traum vom eigenen Haus und Hof, mit angrenzendem Garten, am besten mit vielen Tieren. „Dafür arbeiten wir. Wir wollen Land und Leute kennenlernen, damit wir wissen, wo wir uns mal niederlassen wollen.“

Unterwegs auf Bundes- und Landesstraßen

Eine schönere Reise zu diesem Ziel „können wir uns im Moment nicht vorstellen“, sagt Ozolins. Zwar habe es auch Tage gegeben, „da waren wir sehr verzweifelt, aber die sind selten“, sagt Grebe. Frust komme höchstens wegen unverschämter Autofahrer auf, wenn die Zimmerleute wegen der Pferde auf Asphalt fahren – also auch auf Bundes- und Landesstraßen.

„Wir suchen uns zwar schon immer Uhrzeiten und Tage aus, an denen wir wenige Autofahrer aufhalten – aber manche sind trotzdem echt eilig unterwegs“, erzählt Grebe. Gefährliche Überholmanöver und die Gefährdung von Grebe, Ozolins und den vier Tieren kommen daher immer wieder vor. Schon bald, wenn die Arbeiten beendet sind, rollt die Truppe mit ihrem 8,5 Quadratmeter großen mobilen Zuhause wieder vom Hof in Tangendorf. Und das nächste Ziel steht auch schon fest: Ostfriesland. „Denn Padua ist Allergiker. Da kann er dann durchatmen.“

Die Dokumentation „Zimmerleute unterwegs mit 2 PS“ von Vivien Pieper und Johannes Bünger ist am Donnerstag, 3. Mai, um 18.15 Uhr in der NDR-Reportagereihe „Typisch!“ zu sehen.

Von Patricia Luft

2 Kommentare

  1. Guten Tag,
    ich würde gerne Kontakt zu den beiden aufnehmen. kann mir jemand die email Adresse sagen?