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Um den Rückbau des Kernkraftwerks Krümmel vorzubereiten, soll zusätzlich zum Standortzwischenlager ein weiteres Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingerichtet werden. (Foto: tja)
Um den Rückbau des Kernkraftwerks Krümmel vorzubereiten, soll zusätzlich zum Standortzwischenlager ein weiteres Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingerichtet werden. (Foto: tja)

Atommüll am Ufer der Elbe

Geesthacht. Die vom Bund gegründete neue „Gesellschaft für Zwischenlagerung GmbH“ (BGZ) übernimmt zum 1. Januar 2019 die Zuständigkeit für das Standortzwischenlager (SZL) am Kernkraftwerk Krümmel. Auch die geplante zusätzliche Atommülllagerstätte am Elbufer, das „Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Zwischenlager“ (LasmAaZ) soll unter die Zuständigkeit der BGZ fallen. Das berichtete Kraftwerksleiter Torsten Fricke im Rahmen der Dialogveranstaltung „Perspektive Krümmel“ zum Rückbau des ehemals leistungsstärksten Siedewasserreaktors der Welt.

Bund übernimmt Verantwortung für Krümmel

Nach der Neuordnung der Zuständigkeiten für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle hatte das Bundesumweltministerium auch den Betrieb von atomaren Zwischenlagern neu geordnet. Diese bisher von den Atomkonzernen wahrgenommene Aufgabe fällt jetzt in die Verantwortung des Bundes. Zum Geschäftsfeld der BGZ gehören bereits die zentralen Zwischenlager in Gorleben und Ahaus, ab 2019 auch die zwölf dezentralen Zwischenlager. Anfang 2020 wird sie zudem auch die Verantwortung für die zwölf geplanten Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle übernehmen.

Das ist eine Folge des 2017 in Kraft getretenen „Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung“. Darin wurde neu geregelt, wer für die Stilllegung und für den Rückbau der Atomkraftwerke sowie für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle verantwortlich ist. Während die Kraftwerksbetreiber nach dem Gesetz für die Abwicklung und Finanzierung von Stilllegung, Rückbau sowie die fachgerechte Verpackung der radioaktiven Abfälle zuständig bleiben, liegen Durchführung und Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung jetzt in der Verantwortung des Bundes. Gut 24 Milliarden Euro wurden von den beteiligten Energiekonzernen dafür in einen Fonds eingezahlt.

„Was über 2046 hinaus geht, wird der neue Eigentümer klären müssen.“ Torsten Fricke, Kraftwerksleiter

Das Krümmeler Standortzwischenlager wird bereits baulich so hergerichtet, dass es künftig autark von den Sicherheitseinrichtungen des Kernkraftwerkes betrieben werden kann. Bis 2046 hat das Zwischenlager, in dem aktuell 41 Castorbehälter mit abgebrannten Brennelementen stehen, eine Betriebsgenehmigung. „Was über 2046 hinaus geht, wird der neue Eigentümer klären müssen“, sagte Fricke. Hintergrund: Ein Endlager für Atommüll wird erst etwa 2080 seinen Betrieb aufnehmen. „Die Übergabe an die BGZ beschäftigt uns aktuell ganz erheblich“, berichtete Fricke. Vermutlich werden auch Mitarbeiter zu der neuen Gesellschaft wechseln, die gerade für junge Menschen eine längere berufliche Perspektive bietet als das Kraftwerk.

Rückbau dauert 15 Jahre

Fricke rechnet für 2020 mit der Genehmigung zum Rückbau des Siedewasserreaktors, der bis dahin auch frei von jedem atomaren Brennstoff sein soll. Die Atomaufsichtsbehörde arbeite „mit Hochdruck“ an der Genehmigung, so Fricke. Etwa 15 Jahre werde es dann dauern, das Kraftwerk zurückzubauen.

Im SZL und im LasmAaZ sowie in der Landessammelstelle für schwachradioaktive Abfälle auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums in Sichtweite bleibt der strahlende Müll jedoch noch auf Jahrzehnte in Geesthacht liegen. Unklar ist derweil noch, wann das Schiedsgericht in Amerika, vor dem Vattenfall die Bundesregierung auf Schadenersatz verklagt hat, seine Entscheidung trifft. „Das Schiedsgericht hat von den Prozessparteien noch einmal Stellungnahmen angefordert“, berichtete Christian Seyfert von Vattenfall. Ursprünglich sollte das Urteil bereits im März bekanntgegeben werden, jetzt könnte es im Mai kommen.

Der Abtransport gestaltet sich schwierig

Im September will Vattenfall zudem 48 der Brennelemente aus dem Trockenlager per Lastwagen in eine Brennelementefabrik nach Lingen fahren. Dort sollen sie zerlegt werden, um das enthaltene Uran wieder für neue Brennelemente für andere Kernkraftwerke nutzen zu können. Zwölf Brennelemente, die schon im Nasslager standen und deshalb äußerlich mit Kobalt 60 belastet sind, sollen abgespült und in einem speziellen Transportbehälter in die USA verschifft werden. Hintergrund: Eine Fabrik in Richland (Bundesstaat Washington) hat die Genehmigung, solche Elemente zu verarbeiten. Der Abtransport der 154 Sonderbrennstäbe gestaltet sich komplizierter. 68 davon sind defekt. Aktuell läuft das Genehmigungsverfahren für einen Spezialköcher, in den sie verpackt werden sollen. Der wiederum würde dann in einen Castorbehälter kommen und der soll voraussichtlich Ende 2019 in das Standortzwischenlager (SZL) gebracht werden – dann wäre das Kraftwerk brennstofffrei.

Die Planungen laufen

Neue Halle für Zwischenlager soll gebaut werden

Um den Rückbau des Kernkraftwerks Krümmel starten zu können, ist das „Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am Zwischenlager“
29 (LasmAaZ) notwendig. In der Planung ist eine Halle mit 56 Metern Länge, 60 Metern Breite und 23 Metern Höhe hinter dem bestehenden Standortzwischenlager.
Technische Einbauten sollen Zu- und Abluft regeln, außerdem muss ein Platz für Dekontaminationen betroffener Mitarbeiter vorgehalten werden. Zweck der Halle ist es, den anfallenden schwach- und mittelradioaktiven Abfall bis zum Abtransport in den dafür als Endlager vorgesehenen Schacht Konrad einlagern zu können.
Die Baukosten schätzt Vattenfall auf etwa 30 Millionen Euro. Ob sich die angepeilte Inbetriebnahme 2020 noch halten lässt, ist vor dem Hintergrund der erst für Dezember geplanten Erörterung fraglich. Neben der Baugenehmigung ist auch eine atomrechtliche Genehmigung der Aufsichtsbehörde in Kiel nötig. tja

Von Timo Jann

One comment

  1. Andreas Janowitz

    Die Mär vom billigen Atomstrom- es wird queerfinanziert und subventioniert das sich die Balken biegen. Angesichts des riesigen Müllberges ist es mittlerweile wohl billiger Brutreaktoren zu bauen, die stark strahlende Substanzen in weniger starke Strahler umwandeln, bzw. die Zerfallsreihen möglichst nahe an Blei herranführen.
    Wie auch immer das Abenteuer Atomenergie bleibt ein Milliardengrab.
    Und auch wenn es bisher „nur“ drei schwere Zwischenfälle gab, bleiben die katastrophalen über jahrhunderte andauernden „Nebenwirkungen“ (die im Übrigen nicht durch einen einzigen Cent von Betreibern der Atomreaktoren, geschweige denn Versicherungen, gedeckt werden):
    https://www.chernobyl-international.com/