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Tasche auf, bitte: Auf den Sülzwiesen kontrolliert die Jugendschutzstreife junge Besucher auf Alkohol, Zigaretten und Drogen. Polizist Arne Schmidt in Begleitung von Stadtjugendpfleger Jens Döhrmann, Ben Rejmann und Dirk Leitis. (Foto: t&w)

Die „Spielverderber“ auf den Sülzwiesen

Lüneburg. Im hohen Bogen fliegt die Flasche Apfelkorn ins Gebüsch am Rande der Sülzwiesen. Weggeworfen hat sie ein junger Bursche von 16 Jahren. Nervös blicken er und seine Kumpels die Böschung hinab: Ärger droht. Drei Männer, einer mit Polizeijacke, laufen auf die Halbstarken zu. Es ist die Jugendschutzstreife. „Als erstes holt ihr die Flasche wieder aus dem Gebüsch,“ sagt der Mann mit der Polizeijacke.

Es ist Arne Schmidt, Polizeihauptkommissar und Beauftragter für Jugendsachen. Ohne Widerspruch fischen die Jungs den Alkohol aus dem Busch. „Und jetzt öffnet bitte Eure Taschen.“ Die Gruppe scheint kooperativ. „Wollen Sie auch noch in meine Jackentasche schauen?“, fragt der Flaschenwerfer übermütig, die Sprache schon etwas verwaschen. Das Angebot nimmt Arne Schmidt an – und findet eine Packung Tabak. Die dürfte der Junge nicht haben. „Aber meine Mutter weiß, dass ich rauche“, sagt er. Keine Chance. Die Beamten sammeln den Tabak ein. Es folgen ein paar mahnende Worte, die der junge Mann mit gesenktem Kopf zur Kenntnis nimmt. Dann noch ein lockerer Spruch, die Party darf für die Gruppe weiter gehen – ohne harten Alkohol und Zigaretten.

„Wir nennen uns die ‚Spielverderber‘“, sagt Schmidt. Die Streife kontrolliert, ob Jugendliche beim Frühjahrsmarkt Alkohol, Zigaretten oder Drogen dabei haben.  In diesem Jahr hat sich einiges verändert: Die Streife ist komplett neu besetzt. Anstatt zu zweit, wie früher, ist die Streife jetzt ein Trio. Neben Schmidt ist Dirk Leitis vom Jugendamt dabei, und auch das Ordnungsamt ist vertreten, heute in Form von Ben Rejmann. „Eigentlich wollen wir keine Spielverderber sein,“ sagt Schmidt. Vielmehr wollen sie mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen, sie über die Gefahren von Alkoholkonsum aufklären. Deswegen ist der Ton bei den Kontrollen fast kumpelhaft. Wer erwischt wird und sich benimmt, braucht auch nichts Schlimmes zu befürchten – nur der Alkohol oder die Zigaretten sind dann weg.

Alkoholkonsum ist bei der Jugend zurückgegangen

Bereitwillig lassen sich die Jugendlichen in ihre Taschen und Rucksäcke schauen, händigen brav Tabak und Alkohol aus, geloben Besserung. „Wirklich Ärger hatten wir auf der Präventions-Streife noch nie“, sagt Schmidt. „Zum Glück.“ Der Einsatzstart ist um 17 Uhr, das Ende um 21 Uhr. „Wir wollen die Jugendlichen erreichen, bevor sie zu betrunken sind und aggressiv werden.“ Wohin das führen kann, auch bei Älteren, zeigt sich am späten Samstagabend: Ein 29-Jähriger prügelt auf einen 16-Jährigen ein.

Viel Alkohol finden die Beamten bei dieser Kontrolle nicht. Jugendliche trinken weniger als früher, das zeigen auch die Statistiken der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Etwa zehn Prozent der 12 bis 17-Jährigen greifen einmal die Woche oder häufiger zu alkoholischen Getränken – 2004 waren es noch doppelt so viele. „Langjährige Präventionsarbeit zahlt sich eben aus“, sagt Schmidt. Getränkeverkäufer achten jetzt deutlich mehr als früher auf das Alter ihrer Kunden.

Warum der 16-Jährige eine Flasche Wodka im Rucksack habe, will Schmidt wissen. „Ich hab‘ die nur für meinen Kumpel getragen.“ Solche Ausreden hören die Kontrolleure nicht zum ersten Mal. In den meisten Fällen sind sie wirkungslos. Manchmal drücken sie doch ein Auge zu. „Wenn vier Mädels sich eine Flasche Sekt teilen und nicht alle über 16 sind, kann man das schon mal machen,“ sagt Schmidt. Dann sind sie eben keine Spielverderber.

Die Männer kontrollieren die ganze Bandbreite von Jugendlichen, die vom Rummel angelockt werden – vom augenscheinlich braven Kind bis zum klassischen Halbstarken. „Dadurch, dass wir auch Unauffällige abchecken, bleiben wir hier im Gespräch“, sagt Schmidt. Dirk Leitis ergänzt: „Die jungen Leute sollen wissen, dass hier Regeln gelten, und dass es Menschen gibt, die auf die Einhaltung Acht geben.“ Präsenz zeigen sei das Motto.

Besonders Arne Schmidt ist bei den Jugendlichen bekannt – und wird geschätzt. Mit dem Drogen-Präventionsprogramm geht er in Schulklassen, nimmt sich Zeit für die Schüler. Oft wird er auf dem Rummelplatz wiedererkannt und angesprochen. Sie freuen sich, ihn zu sehen, möchten gar Fotos mit ihm machen. Und selbst wenn sie erwischt werden, verabschieden sie sich freundlich – „auf Wiedersehen.“

Die 16-Jährige gibt sich ahnungslos

Nur einmal wird der Ton etwas strenger an diesem Abend: Eine 16-Jährige hat die für Joints üblichen Zigarettenblättchen in ihrer Tasche, später finden die Kontrolleure noch ein leeres Klarsichttütchen bei ihr. Marihuana ist auch für Erwachsene eine illegale Droge, die junge Dame bestreitet zu wissen, was es mit den Fundstücken auf sich habe. „Ich mag es nicht, wenn Du mich anlügst“, schimpft Schmidt und führt sie zum Polizeicontainer. Dort wird sie von einer Beamtin untersucht. Später fragt er nach dem Klassenlehrer, möchte mit ihm darüber sprechen. Das Mädchen ist reumütig.

Nach vier Stunden hat die Streife Feierabend. Für Schmidt ging’s am Montag wieder auf die Sülzwiesen – die Streife ist aber mit anderen Kollegen und Kolleginnen über das ganze Fest im Einsatz.

Von Robin Williamson

One comment

  1. Misspingelig

    Tolle Sache. Bitte machen sie weiter damit.
    Nur wenn den Jugendlichen konsequent das Zeug weg genommen wird- und es deshalb teuer für die wird- werden sie etwas lernen.
    Mein Sohn war am WE einer davon. Es war ihm peinlich und er hat sich über das weg geworfene Geld geärgert.
    Die Aktion war besser als unsere Verbote und Kontrollen vorab, die sie umgangen haben.