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Der Fischadler – in Niedersachsen sind seine Bestände stark gestiegen, im Landkreis Lüneburg sind sie immerhin konstant. (Foto: Schneider)
Der Fischadler – in Niedersachsen sind seine Bestände stark gestiegen, im Landkreis Lüneburg sind sie immerhin konstant. (Foto: Schneider)

Die Vogelwelt ganz fest im Blick

Lüneburg. Ausgerüstet mit Spektiv, einem leistungsstarken Beobachtungsfernrohr, Stativ, Digitalkamera, Stift und Block ist der Lüneburger Heinz-Georg Düllberg oft unterwegs in der Region. Das sind auch Thilo Christophersen (Dahlem) und Heiko Rahlf (Lüneburg). Und viele Vogelfreunde mehr. Eine echte Fleißarbeit haben Düllberg, Christophersen und Rahlfs jetzt vorgelegt. „Beiträge zur Avifauna im Landkreis Lüneburg 2008 – 2016“, ein mehr als 300 Seiten starkes Werk, das die Entwicklung der Vogelbestände rund um Lüneburg dokumentiert.

Die Zahl der Vögel in Mitteleuropa ist in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen. Als eine Hauptursache wurde ein mindestens ebenso alarmierendes Insektensterben ausgemacht. Diese Nachrichten schreckten im vergangenen Herbst nicht nur Tierfreunde auf.

„Für die Vogelwelt des Landkreises Lüneburg hat es zuletzt für den Zeitraum von 2001 bis 2007 einen Bericht gegeben“, sagt Heinz-Georg Düllberg. Zeit für eine Neuauflage also. Für die werteten er und seine zwei Mitstreiter 240 000 Datensätze aus, die von mehr als 300 Beobachtern gemeldet worden waren. Die Autoren erheben keinen wissenschaftlichen Anspruch. Aufgrund der großen Datenmengen seien ihre Ergebnisse aber durchaus aussagekräftig.

Den Rückgang der Vogelpopulationen muss auch Heinz-Georg Düllberg für die Region bestätigen. Aber: „Es gibt auch Arten, deren Bestände zugenommen haben. Etwa das Blaukehlchen: Keine zehn Tiere davon wurden 2009 beobachtet, schon fast 30 waren es 2014, sogar fast 80 ließen sich 2016 sehen. „Blaukehlchen sind wieder im Kommen“, freut sich Heinz-Georg Düllberg. „Woran das liegt, kann ich aber nicht sagen.“

55 Seeadler-Paare

Erfreulich auch die Zunahme bei den Seeadlerbeständen – und das sogar für ganz Niedersachsen: Von 22 Revierpaaren in den Jahren 2006 und 2007 ist die Zahl landesweit bis 2017 auf 55 Paare gestiegen. Im Landkreis Lüneburg, so Düllberg, Christophersen und Rahlf, sei der Bestand mit sechs bis sieben Paaren immerhin konstant.

Für viele signalisiert die Rückkehr der Weißstörche Jahr für Jahr den nahenden Frühling. Besonders intensiv haben sich die Autoren mit den als Glücksbringern geltenden Langstreckenfliegern beschäftigt. Wie sich die Zahl der Horstpaare in den letzten Jahren entwickelt hat, wie viele Jungstörche flügge geworden sind oder, an welchem Standort in welchem Jahr wie viele Weißstörche gesichtet wurden, ist akribisch aufgelistet.

Insgesamt positiv sehe die Entwicklung der Weißstorchbestände aus. Heinz-Georg Düllberg: „Aber insgesamt müssen wir auch für den Landkreis Lüneburg feststellen, dass die Bestände vieler Arten abgenommen haben. Das gelte vor allem für die Bodenbrüter, etwa den Kiebitz, denen landwirtschaftliche Monokulturen kaum noch Brutmöglichkeiten bieten sowie die Zunahme der Waschbärbestände zu schaffen machen.

Ein Jahr lang haben Heinz-Georg Düllberg, Thilo Christophersen und Heiko Rahlf daran gearbeitet, die zahllosen Daten zu verarbeiten, die ihnen zur Verfügung standen. Ihre Quellen: Die Datenbank der Vogelkundlichen Arbeitsgemeinschaft Lüneburg (VALG), der sie angehören. Außerdem die Internetplattformen naturgucker.de und ornitho.de, schließlich zahlreiche eigene Beobachtungen, die sie in den vergangenen Jahren gemacht haben. Düllberg: „Ein Fortschritt zu früher, als die Beobachtungen per Telefon oder Brief vermittelt wurden.“

Einstufung in Roten Listen

Wer sich für die Vogelwelt in der Region interessiert, wird im Band der drei Naturfreunde finden, was er sucht. Jeder Artbeschreibung vorangestellt sind Angaben zum Status, zur Stetigkeit und zur Häufigkeit der jeweiligen Vogelart, zur Anzahl der vorliegenden Datensätze, dazu die Einstufung gemäß den Roten Listen für Niedersachsen und Deutschland.

Insgesamt haben sich Heinz-Georg Düllberg, Thilo Christophersen und Heiko Rahlf mit 275 in der Region vorkommenden Vogelarten befasst. Sie beurteilen diese in Textform, liefern Tabellen, Grafiken und Beurteilungen über die Bestände. 137 Farbfotos ergänzen den Band – vom Wespenbussard bei Radegast über den Kuckuck, der es sich in Rosien im Nest gemütlich gemacht hat, den Eichelhäher, der den Winter in Raven verbringt, bis zum Wanderfalken auf der Spitze der Lüneburger Nicolaikirche.

Die „Beiträge zur Avifauna im Landkreis Lüneburg 2008 – 2016“ sind zum Preis von 15 Euro erhältlich bei Christine Horn, per E-Mail erreichbar unter der Adresse sympetrum@gmx.de oder telefonisch unter (04132) 8531.

Mecklenburgischer Offizier ist auch Ornithologe

Vielseitiger Lieutenant von Preen

Die Geländevermessung war das dienstliche Aufgabengebiet des mecklenburgischen Lieutenants Rudolf Albrecht von Preen. Er widmete sich aber Mitte des 19. Jahrhunderts auch der Beobachtung der Vogelwelt. Daraus entstanden sind die „Beobachtungen aus der Vogelwelt im Sommer 1856 bei Glienitz.“ Auszüge daraus hat Heinz-Georg Düllberg (Foto) dem Band „Beiträge zur Avifauna“ beigefügt.

Bei Glienitz , heute Teil von Neu Darchau, beobachtete von Preen viele Vogelarten, von denen es manche heute nicht mehr gibt, etwa Gartengrasmücke, Flussuferläufer oder Seggenrohrsänger. Zeichnungen der Flieger ergänzen die historische Rückschau.

Von Ingo Petersen