Aktuell
Home | Lokales | Liebe Menschen, wilde Tiere
Die Kinder haben sichtlich Spaß beim Englisch-Unterricht mit Layla Goralski. Die Lüneburgerin absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Slum-Schule in Ugandas Hauptstadt. (Foto: privat)
Die Kinder haben sichtlich Spaß beim Englisch-Unterricht mit Layla Goralski. Die Lüneburgerin absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Slum-Schule in Ugandas Hauptstadt. (Foto: privat)

Liebe Menschen, wilde Tiere

Lüneburg. Die Liebenswürdigkeit der Menschen in Ugandas Hauptstadt Kampala in Ostafrika begeistert die Lüneburgerin Layla Goralski: „Komme ich morgens aus dem Haus, begrüßt mich die Frau vom Gemüsestand und fragt, wie‘s mir geht. An der Straßenecke gibt es ein munteres ,Hi‘ von einem Motorradfahrer, und ich werde von Menschen begrüßt, die ich noch nie zuvor gesehen habe.“ In ihrem Freiwilligenjahr in einer Schule in einem Slum arbeitet die 19-Jährige, die ihr Abitur am Gymnasium Oedeme machte, seit einem halben Jahr als Lehrerin.

Doch jetzt war sie schockiert: „Diebe haben alle fünf Computer der Schule gestohlen, Geld für Neuanschaffungen hat das People Concern Children‘s Projekt nicht.“ Layla hofft nun, dass Lüneburger beispielsweise durch Computer- oder Geldspenden helfen. Das Projekt, das übersetzt so viel wie „Menschen sorgen/kümmern sich um Kinder“ heißt, wird fast ausschließlich über Spenden finanziert. Ziel ist es, „benachteiligten ugandischen Kindern grundsätzliche Kenntnisse zu vermitteln und sie zu ermächtigen, eine bessere Zukunft für sich zu schaffen“. Layla sagt: „Das war der Grund, weshalb ich mich für genau dieses Projekt entschieden habe. Ich wollte mithelfen, allen Kindern, egal ob arm oder reich, Schulbildung zu ermöglichen. Die Kinder, die dort zur Schule gehen, kommen aus Familien, die das Geld für Schulgebühren nicht haben.“

Beeindruckt ist die Lüneburgerin vor allem von ihrem Chef: „Moshin Juma ist eine selbstlose Person. Er hatte seit Jahren keinen Urlaub mehr, ist jede freie Minute in der Schule oder für das Projekt unterwegs. Spenden sammeln, sich um Sponsoren kümmern oder Dinge besorgen stehen jeden Tag auf dem Programm. Momentan arbeiten wir alle an einem neuen Schulgelände in der Nähe Kampalas.“ Verständnislos sagt sie: „Wie kann man jemandem etwas klauen, der so hart für andere arbeitet? In dem Computerprojekt geht es nicht nur darum, den Kindern Fähigkeiten wie die Benutzung eines Schreib-Programms beizubringen. Es war auch eine finanzielle Einnahmequelle, da Leute kamen und bezahlten, um im Internet zu surfen oder Sachen auszudrucken.“

Tanzstadt Kampala

Die Lüneburgerin kennt mittlerweile nicht nur die „aufregende“ Hauptstadt. Es gibt vom Regenwald über Gebirge bis hin zur Steppe fast alle Landschaftsarten. Dadurch ist die Tierwelt sehr vielfältig. Neben Ruanda beherbergt Uganda die letzten wildlebenden Berggorillas. Layla erzählt: „Ich habe eine Safari mitgemacht und war begeistert. Wir trafen auf Nilpferde, Elefanten, Warzenschweine, Wasserbüffel, Krokodile und Antilopen. Als wir morgens von den Geräuschen der Nilpferde neben unseren Zelten aufwachten, war das Erlebnis für uns komplett.“

Abenteuerlich sei das Leben in Kampala: „Das Verkehrschaos hält mich wach.“ Bekannt ist Kampala als Tanzstadt, da es dort viele Tanzcrews gibt, die auch international unterwegs sind. „Im nationalen Theater ist immer was los, ob man zugucken möchte oder selber tanzt, ist egal. Langweilig muss einem hier nicht sein. Als ich hier das erste Mal zum Breakdance ging, war ich total aufgeregt und dachte, man würde bestimmt über mich lachen, aber alle waren sehr freundlich und hilfsbereit.“

Wer Layla und dem Projekt helfen möchte, kann sich an ihren Vater unter detlev.goralski@gmx.de wenden.

Hintergrund

Kein Geld für Schulgebühren

Das Projekt „People Concern Children’s Project“ (kurz PCCP) startete 2006 in Kampala mit drei Volunteers in einem kleinen Bildungszentrum, wo sie zunächst 26 Kinder im Lesen und Schreiben unterrichteten, die keine Schulgebühren bezahlen können. Heute unterrichten zehn Lehrer 150 Kinder im Alter zwischen 5 und 16 Jahren. Die meisten Kinder und Jugendlichen im Einzugsbereich des Projektes hätten durch Tod der Eltern durch Aids oder Unfälle, Verwahrlosung, absoluter Armut etc. normalerweise keine Chance auf eine schulische oder anderweitige Ausbildung. Neben den schulischen Angeboten gibt es für alle Kinder im Slum Freizeitaktivitäten, bei dem sie auch handwerkliche Fertigkeiten lernen, ein Computer-Training, Baumpflanzaktionen, Tanzworkshops und mehr.

Von Rainer Schubert

One comment

  1. Weiter so, Layla 🙂
    Ich bin stolz darauf, da weiter machen zu dürfen, wo du nach deinem Jahr aufgehört haben wirst.

    Grüß Moshin und Leander von mir,

    LG