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Der ÖPNV der Zukunft sieht in der Elbe-Stadt gelb aus. Die rollenden Schachteln wollen die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein testweise einsetzen. (Foto: tja)
Der ÖPNV der Zukunft sieht in der Elbe-Stadt gelb aus. Die rollenden Schachteln wollen die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein testweise einsetzen. (Foto: tja)

Der Testbetrieb soll 2019 starten

Lauenburg. Dass in Lauenburg autonome Busse im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) getestet werden sollen, steht fest. Doch vorher ist noch einiges an Arbeit zu leisten. „Das Projekt ist ein Stück weit Pionierarbeit“, sagt Bürgermeister Andreas Thiede. Deshalb fördert der Bund das Vorhaben auch – und das Interesse der Hersteller ist groß. Denn bisher rollen ihre Busse in Deutschland nur auf privatem Gelände, wie etwa dem der Charité in Berlin.

Gäste fahren kostenlos

„Ein allererster Schritt wird die Zulassung der Fahrzeuge und der Technik für den öffentlichen Raum sein, das ist bisher noch Neuland“, erklärt Andrew Yomi, Verkehrsplaner beim Kreis und für den ÖPNV zuständig. „Der autonome Bus soll in Lauenburg eine Ergänzung zum klassischen ÖPNV sein“, sagt er. „Wir planen den Testbetrieb ohne Beförderungsentgelt“, sagt Andreas Korthaus, Standortleiter der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) in Lauenburg. Fahrt­routen und Fahrzeiten sollen vorab veröffentlicht werden – einen festen Fahrplan werde es aber zumindest vorerst nicht geben. „Wir müssen ja zunächst Erfahrungen sammeln, wie das alles funktioniert“, erklärt Korthaus. Deshalb gebe es, anders als beim offiziellen ÖPNV, auch keinen Beförderungsanspruch der Nutzer.

Die Stadt, die VHH als Betreiber der autonomen Busse, die Kreisverwaltung, die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) und das Büro „autoBus“ sind mitten in den Vorbereitungen des Projekts. Stand jetzt sollen im ersten Halbjahr 2019 die ersten autonomen Busse in Lauenburg rollen. In einem ersten Schritt mit Begleiter und ohne Fahrgäste. Zum Schluss des Versuchs im ersten Halbjahr 2020 dann ohne Begleiter und mit Fahrgästen. „Unsere Fahrer trainieren wir darauf, möglichst nett im Umgang mit den Kunden zu sein. Hier wird das dann eine ganz andere Erfahrung für die Fahrgäste“, meint Korthaus. Die VHH setzen 542 Busse auf 154 Linien ein und beförderten 2017 insgesamt 102 Millionen Fahrgäste.

„Ein allererster Schritt wird die Zulassung der Fahrzeuge und der Technik für den öffentlichen Raum sein, das ist bisher noch Neuland.“
Andrew Yomi, Verkehrsplaner

In Lauenburg sollen drei Linien dazukommen. Zunächst zwischen ZOB, Schloss und Fürstengarten, später dann bis durch die Altstadt. „Der Nahverkehr der Zukunft muss sich verändern“, so Yomi. Ziel sei es, den Nutzern des ÖPNV den bequemsten Service zu bieten. Dabei gehe es vor allem um das letzte Stück zwischen Wohnhaus und dem nächstgelegenen großen Haltepunkt. Das Institut für Verkehrsplanung der TUHH und Studenten werden das Pilotprojekt betreuen und mit Studien begleiten. „Es geht einerseits um die Technik, aber natürlich auch um die Akzeptanz der Fahrgäste und anderer Verkehrsteilnehmer“, berichtet Professor Christian Gertz von der TUHH. Autofahrer werden sich auf den neuen Bus einstellen müssen.

Die autonomen Busse fahren mit elektrischer Energie, die sie über Nacht am Standort der Versorgungsbetriebe Elbe an der Hamburger Straße beziehen sollen. „Das ist eine gute Lösung, da die Nähe zum ZOB unmittelbar gegeben ist“, freut sich Korthaus über diese Zusammenarbeit.

Technik überwacht das Fahrzeug

Die Busse sollen auf einer zuvor genau vermessenen und in einer Software hinterlegten „digitalen Schiene“ fahren. Sie prüfen die Route jederzeit über Radar, Lidar, Kameras und GPS. Fahrbefehle werden für alle Punkte programmiert, wobei noch fraglich ist, wie ein Bus ganz ohne Fahrer auf plötzliche Änderungen auf der digitalen Route reagiert. Beim Test auf dem Areal der Charité etwa fahren Begleiter mit, die manuell eingreifen können. Das soll zum Abschluss in Lauenburg nicht mehr nötig sein. „Das Interesse in Lauenburg war gleich groß, und ich gehe auch davon aus, dass es in der Stadt gut laufen wird“, ist Yomi überzeugt.

Von Timo Jann